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Full text of "Gedichte von Johann Nicolaus Götz aus den jahren 1745-1765"

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Gedichte von 
Johann 
Nicolaus Götz 
aus den jähren 

1745-1765 





Johann Nikolaus 
Götz 




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Deutsche Litteraturdenkmale 

des 18. und 19. Jahrhunderts 
begründet von B. SeufTert, fortgeführt von A. Sauer 

unter Mitwirkung von 
F. Muncker, W. Scherer, J. Bächtold , E. Schmidt, E. Martin, 
J. Minor, L. Geiger, L. v. Urlichs u. s. w. 



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GEDICHTE 



JOHANN NICOLAUS GÖTZ 



AUS DEN JAIIREN 1745— 17G5 



IN URSPRÜNGLICHER GESTALT 




STUTTGART 
G. J. GÜSCHEN'SCHE VERLAGSHANDLUNG 

1893 

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Druck von Carl Rembold in Iloilbronn. 



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Einleitung. 



„Götzens Gedichte sind eine Dactyliothek , voll 
lieblicher Bilder, eben so Bedeutungsreich, als zierlich 
gefasst und anmutig wechselnd. Waruni haben wir 
von ihnen noch keine echte Ausgabe?* So fragt Herder 
in der Adrastea (Werke, Suphan 23, 324), und indem 
er selbst mehrere verschollene Gedichte wieder ausgräbt, 
stellt er die Forderung auf (23, 532): „Da Rammler 
diese und andre Stücke in seine Sammlung Götzischer 
Gedichte (1785.) nicht aufgenommen hat: so ist eine 
vollständigere, treuere, unveränderte Sammlung und 
Ausgabe derselben sehr wünschenswert. Bisher haben 
wir nur Götz, den dimidiatum, mutilatum , nicht aber 
ihn selbst, ganz, wie Er sich der AVeit geben wollte." 

Bisher ist diese Forderung nicht eingelöst , Götz 
in seiner wahren Gestalt noch immer unerkannt ge- 
blieben. Die Litteraturgeschichte gerade des 18. Jahr- 
hunderts kennt eine Reihe von Dichtern, deren Werke 
entstellt und verstümmelt auf die Nachwelt gekommen 
sind; Hölty , Ewald von Kleist und andere sind erst 
nach 100 Jahren rein und unverfälscht aus Licht ge- 
treten ; manche sind uns noch heute fremd — kaum aber 
ist ein Dichter so in seiner Entwicklung verkannt , so 
nach Zufälligkeiten beurteilt worden, wie Götz, dessen 
erste Jugeudgedichte kein Bibliograph nennt, der die 
für ihn charakteristische Sammlung selbst verwirft, bei 
seinen Lebzeiten in den entlegensten Anthologien als 
„Anonymus" sich versteckt und erst Jahre nach seinem 
Tode in einer Ausgabe auftritt , die von dem Aller- 
weltsbesserer Ramler besorgt kaum die Hälfte seiner 
Gedichte enthält und dreissig Jahre zu spät als ein 
wahrer Anachronismus erscheint. 

Deutsche Litteraturdenkmalc. 42. u 



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Schon früh ertönten Klagen darüber, die nie ganz 
verstummten. Herder besonders, der Spürer de« wahren 
Talents, hat von den Fragmenten an den „lieblichen" 
Dichter im Auge behalten und .sich um seine Werke 
bemüht. Kurz vor des Dichter« Tode wurde sein 
Interesse neu erregt durch Knebel , welcher noch als 
preussischer Offizier in Potsdam einen Einzeldruck der 
„Mädcheninsel" (nach der gleichfalls unrechtmässigen 
Ausgabe in C. H. Schmids „Anthologie der Deutschen** 
III, 297, mit einigen Verbesserungen) veranstaltet und 
dem grossen Friedrich in die Hände gespielt hatte 
(vergl. Deutsche Litteraturdenkmale 16, VIII, wo meh- 
rere kleine Ungenauigkeiten). Knebels Besuch in der 
versteckten Heimat der „Winterburger Nachtigall", über 
den er am 11. September 1780 an Caroline Herder be- 
richtet (Von und an Herder 3, 11), hatte iu Herder 
den Wunsch einer direkten Annäherung au den ein- 
samen Dichter und Amtsgenossen erweckt; wenige 
Tage später schickt er an Götz die „Briefe das Studium 
der Theologie betreffend, 11 in die er drei versteckte 
Gedichte desselben eingerückt hatte (Werke, Suphan 
10, 224. 234), und bittet ihn in herrlichen Worten um 
sein Zutrauen, seine Freundschaft und Anteil au seiner 
Dichtung (faksimiliert in Fr. Götz, Geliebte Schatten, 
ungenau abgedruckt bei H.Hahn, J. N. Götz. Tb. I. Birken- 
felder Progr. 1881) S. 31.) Herder blieb ohne eine — 
erst beabsichtigte — Antwort von dem hypochondrischen 
Einsiedler (Von und an Herder 1, 79); aber die 47 
kleinen Gedichte, welche Götz am 31. Oktober 1780 
au Knebel übersandte, unter der Bedingung, von diesen 
Keimen keinen andern Gebrauch zu machen, als sie 
Herder zu coinmuuiciren, (nach dem Original im Besitz 
von R. Brockhaus gedruckt in meinen Briefen von und 
an Götz, Wolfenbüttel 1893 S. 109) machten ihn nur 
nach mehr begierig. In den „Carlsruher Beyträgen" 
stösst er unter vielem Wust auf Stücke , die er für 
Götzisch hält, und fordert Knebel auf, sie mit seinem 



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III 



spürenden Sinne zu durchlaufen (Knebels Nachlass 
2, 234). Seine Bemühungen blieben vergeblich. Götz 
starb am 4. November 1781 , ohne die zu Kamlers 
Gunsten getroffenen Bestimmungen über seinen Nach- 
lass geändert zu haben, und die Hottnungen, welche 
Knebel auf eine Erwerbung seiner Papiere und Bücher 
gesetzt hatte, zerschlugen sich. Das Gerücht, dass 
Bänder zum Herausgeber eingesetzt sei, wurde bald 
verbreitet, und nochmals wandte sich, angeblich „im 
Namen einiger ihm genau bekannter eifriger Freunde 
und Verehrer des Sei. Götze und seiner Muse," wie 
es scheint aber im Auftrage des Herzogs Karl August 
(vergl. von und an Herder 1, 79), Wieland am 28. Juli 1784 
an Christian Friedrich Schwan, den Schwiegervater von 
Götzens Sohne, um von letzterem die käufliche Ueber- 
lassung der von seinem Vater ererbten Papiere zu er- 
langen (Faksimile in den Geliebten Schatten). Auch 
dieser Schritt blieb erfolglos; der jüngere Götz hatte 
bereits am 15. November 1782 die Manuskripte, von 
denen Ramler bereits 087 Stücke besass, an den Heraus- 
geber abgeschickt, und die Weimarer Freunde mussten 
in Goeckingks „Journal von und für Deutschland" 1784, 
Stück 6, S. 625 die Ankündigung der Kamlerschen Aus- 
gabe lesen. „Wir werden wenig Freude daran erleben, u 
klagt Knebel (5. Mai 1785, von und an Herder .*>, 21) 
„Ramler soll überall benagt und verdorben haben." 
Aehnliche Befürchtungen äusserten Götzens alte Freißte, 
Gleim und Uz. Ersterer beabsichtigte schon auf Qlie 
Kunde von Götzens Tode hin, die Stücke zusammen 
drucken zu lassen, die in den Musenalmanachen und 
sonst zerstreut waren { Briefe zwischen Gleim, W. Heinse 
und J. v. Müller II, I-J12), und Uz schreibt an Gleim 
(Anspach, 2ü. März 1785, ungedruckt): „Auf Götzens 
Gedichte freue und fürchte ich mich : wenn seine an- 
genehme Nachlässigkeit im Ausdrucke weggeschliffen 
wird, o wehe!" 

Dass Götz nicht einen dieser alten Freunde, son- 



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IV 



dem gerade Ramler mit der Herausgabe seiner Gedichte 
beauftragte, den er nie persönlich hatte kennen lernen, 
obwohl er noch zusammen mit ihm in Halle war, hatte 
seinen Grund in denselben Verhältnissen, die ihn hinr 
derten sein eigener Herausgeber zu werden. Schon 
am 22. November 1755 hatte er Gleim einige Kleinig- 
keiten angeboten, die zum Drucke bei ihm fertig lagen 
(Briefe S. 43 f.). „Sie bestehen in einer Sammlung 
kleiner, theils gereimter, theil reimfreyer Gedichte; in 
einer verbesserten prosaischen Ausgabe des Tempels zu 
Gnid; und in Anakreons und der Sappho Gedichten, 
mit historischen und kritischen Anmerkungen begleitet. 
. . . Ich bin gesonnen, dieses alles, auf eiue Art, dass 
mein Nähme verschwiegen bleibt, dem Drucke zu über- 
lassen, der aber nett und correct seyn muss. Ich er- 
warte von Ihnen diessfalls einige Vorschläge." Er 
wartete vergeblich. Erst am 4. September 1763 nahm 
Gleim die Korrespondenz wieder auf und kam auf das 
Anerbieten zurück (Briefe S. 54): ^Iu einem ihrer 
Briefe versprechen sie mir eine ganze Samlung von 
Liedern, zu welchen sie sich nicht gerne öffentlich be- 
kennen wolten. Welch ein angenehmes Geschenk würde 
mir diese Samlung noch itzt seyn!" Inzwischen aber 
hatte Götz anders disponiert; die zweite Ausgabe des 
übersetzten „Tempel zu Gnid" von Montescpiieu war 
1759, die des „Vert-Vert" von Gresset 1760 bei Macklot 
in Karlsruhe erschienen, der auch den Anakreon von 
1760 verlegte; seine eigenen Gedichte aber, die nun 
schon Jahre lang im Pulte lagen, hatte er kurz vorher, 
ehe er im Dezember 1763 Gleims Brief erhielt, Ram- 
lern angeboten. Dieser hatte, seit er in der ersten 
seiner Anthologien, den „Oden mit Melodien" Theil II 
(1755) drei Gedichte aus dem Anakreon von 1746 mit 
noch schüchternen Aenderungen, und in seiner Ueber- 
setzung von Batteux, Cours des helles lettres, mehrere 
Stücke als Proben mitgeteilt hatte, ein reges Interesse 
für den einsamen , jedem litterarischen Verkehr feru- 



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V 



stehenden Dichter gezeigt. Für die Fortsetzung seiner 
Anthologie, welche erst 1766 als „Lieder der Deutschen" 
erschien, schickte ihm Götz schon am 22. November 1755 
durch (Heim die Ode auf den Burgunderwein in ver- 
besserter Gestalt zu; jetzt hatte sich, da der ältere 
Freund nichts von sich hören Hess, Götz an ihn mit 
der Bitte gewandt, seine Gedichte ohne Namen zum 
Drucke zu befördern, da er, seiner Bedienung und 
seines leiblichen Glücks wegen, verborgen bleiben müsse 
(Voss, lieber Götz und Ramler S. 36). Wir kommen 
damit auf den eigentlichen Grund seiner Anonymität, 
seiner wiederholten Willensänderung in Bezug auf die 
Herausgabe seiner Gedichte; es war die krankhafte 
Furcht, dass das Bekanntwerden seiner erotischen Lie- 
der ihm schaden könne. Er glaubte durch die Ab- 
lehnung „der vornemsten Stelle eines Geistlichen in 
seinem jetzigen Vaterlande" eine vornehme Person be- 
leidigt zu haben (Briefe S. 83. 86), — Voss (S. 63) 
sucht darunter einen unwissenden Kirchenrat. Hahn 
(S. 24) will sogar den Namen erraten — und befürch- 
tete nun -nichts weniger, als den Umsturz seines Glückes, 
welches an sich selbst höchst mittelmässig ist,* 4 wenn 
er durch Gleim verraten würde (Briefe S. 96). Wie 
hatte es zwischen den alten Freunden so weit kommen 
können? Sobald Gleim von Götz gehört hatte, dass 
dieser eine Partie seiner Gedichte an Ramler gesandt 
und ihn ersucht habe, die besten auszulesen und ohne 
einiges Aufsehen drucken zu lassen, beeilte er sich in 
eifersüchtiger Freundschaft einen Anteil an der Heraus- 
gabe zu erlangen. Auf Götzens Aufforderung (Briefe 
S. 58): „Wenn es seyn könnte, dass Sie an der Aus- 
gabe dieser meiner Jugendgedichte, in Gesellschaft mit 
Herrn Rammler, annoch mehr Antheil nähmen, so wäre 
es mir so viel angenehmer. In solchem Falle wollte 
ich Ihnen auf meine Unkosten zu Berlin die Gedichte, 
so wie ich sie hingeschickt habe, copiren lassen, und 
auf Halberstadt übermachen" ging er freudig ein. „"Besser 



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VI 



wäre es allerdings,* 4 schreibt er Tags darauf (Briefe 
S. 63), „wenn ich die Gedichte hätte, wie Sie sie an 
Herrn Ramler geschickt haben. Soll Herr Ramler eine 
Abschrift davon machen lassen, so wird es langsam zu 
gehen, ohne Zweifel haben Sie eine Abschrift an sich 
behalten; wäre nicht der kürzere Weg, mir diese oder 
eine zweite Abschrift davon zukommen zu lassen? 14 
Götz willfahrte seiner Bitte und übersandte ihm am 
*j5. März 1764 eine Partie derjenigen Gedichte, die er 
an Ramler gesandt hatte , 73 an Zahl , zum Teil von 
der Hand seiner Kinder geschrieben, Manuskripte, 
welche dieser Ausgabe zu Grunde liegen ; dazu ein alpha- 
betisches Register aller an Ramler übersandten Gedichte, 
in welchem ein wichtiges Mittel für die chronologische 
Feststellung seiner Dichtungen verloren gegangen ist. 

Die gemeinsame Arbeit von Gleim und Ramler 
an der Herausgabe der Götzischen Gedichte wurde bald 
durch beiderseitige Verschuldung gestört und im An- 
schluss daran ihre 20jährige Freundschaft schroff ab- 
gebrochen. Schon in die ersten Verhandlungen spielt 
die zunehmende Empfindlichkeit auf Gleims Seite 
hinein; er macht dem Freunde am 1. Juni 1764 gerade 
über Götzens Gedichte den wiederholten Vorwurf der 
Heimlichkeit und Unwahrheit. „Schon lang ist es, 
dass Sie Götzens [der Name von Ramler ausgerissen] 
Schriften in Händen haben, mit dem Ersuchen, mit mir 
darüber Rath zu pflegen, und nicht das mindeste Hessen 
Sie sich davon merken. Sie werden freylich sagen, 
ich wolte Sie mit der Herausgabe überraschen, aber 
Sie sehen ganz gewiss, dass diese Ausflucht keinen »Stich 
hält." Ramler verteidigt sich am 6. Juni: „Herrn G. 
Gedichte wusste ich, dass Sie es wüssten, dass solche 
in meinem Gewahrsam wären: ich wusste es, denn der 
Verfasser, Ihr alter und nunmehr mein neuester Freund, 
hatte mir es: . . . lassen Sie mich nachsehen wann: . . . 
er hatte es mir den 7 teo Jan, dieses .Jahres geschrieben. 
Ich konnte Ihnen also, das sehen Sie selbst, hieraus 



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VII 



kein Geheimnis* machen wollen. Gegentheils hätte 
ich können so listig seyn, und Ihnen mit der Mitthei- 
lung eines solchen Geheimnisses ein Compliment machen. 
Aber Wozu alles diess? Ich war nicht fleissig genug, 
die Wahrheit zu gestehen, theils nicht fleissig genug, 
theils oft krank, theils zu oft mit andern Sächelchen 
überhäuft und zerstreut gewesen, so dass ich die be- 
sondern Zettelchen noch nicht mit eigener Hand hatte 
abschreiben und diejenigen Verbesserungen damit vor- 
nehmen können, die ich erst versuchen wollte, ehe ich 
Ihnen die Lesearten des Verfassers bekannt machte. 
Mein lieber Gleim liebt die Verbesserungen in den 
Werken anderer nicht sehr: diess wusste ich aus der 
Erfahrung, und ich wollte Ihnen erst den Beyfall für 
diese Verbesserungen abnöthigen , ehe ich Ihnen die 
rechten echten Lesearten nachschickete. M Ein derartiges 
Versteckspiel , das seinen Neigungen entsprach 7 hat 
Ramler in der That bald darauf mit den Götzischen 
Gedichten getrieben ; er gab sich, wie er an den jünge- 
ren Götz schreibt (Voss S. 105) die Mühe, die Ver- 
änderungen, die er in den Gedichten gemacht hatte, 
so hinzuschreiben, als ob es das erste buchstäbliche 
Original des Verfassers wäre; seine wahren ersten Lese- 
arten aber schrieb er darüber, als ob es seine Aen- 
derungen wären. „Was geschah? Sein und mein alter 
Freund antwortete mir mit möglichster Höflichkeit: 
Meine Aenderungen wären zwar recht wohlklingend, 
bilderreich, poetisch, er fände Ramlern völlig darin; 
aber er fände immer, die Originallesearten wären natür- 
licher und angemessener der Sache, und der Ton passte 
sich immer besser zum Tone des ganzen Stücks etc. — 
Ich lachte nicht wenig, als ich dieses las, und schrieb 
zurück: Zum ersten und zum leztenmal habe ich Sie 
geteuscht. Die Lesearten, die ich übergeschrieben habe, 
sind nicht mein, sondern die meinigen stehen in dem 
Texte, den Sie gebilligt haben. Nun weiss ich also 
doch mit Gewissheit, dass Ihnen meine Aenderungen 



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VIII 



gefallen. u — Ganz so, und so lustig verlief diese Ko- 
mödie der Irrungen nun allerdings nicht, wie ich dem- 
nächst aus den Originalen nachweisen werde; es be- 
durfte nur noch einer an sich unbedeutenden Veran- 
lassung, um den schwer gereizten Gleim zu zornigem 
Ausbruch zu bringen. Dadurch fanden auch die ge- 
meinsamen Beratungen über die Götzischen Gedichte, 
die einen grossen Teil der Korrespondenz ausmachen, 
einen jähen Abschluss; beide früheren Freunde, jetzt 
hartnäckigen Gegner berichteten von ihrem Zerfalle an 
Götz (Briefe S. 88. 07) und dieser entschied sich, nach 
einem vergeblichen Versöhnungsversuche, für Ramler. 
Daher seine Furcht , dass Gleim nicht reinen Mund 
halten möge, da er mit Ramler gebrochen habe; und 
dies der Grund, warum er in den letzten .Jahren seines 
Lebens gegen Gleims Freundschaft Kaltsinn merken 
Hess, wofür Gleim selbst (Briefe S. 117) nach langen 
Jahren eine andere Ursache vermutete. 

Ramler trug nun die alleinige Verantwortung für 
die Herausgabe, aber der Verfasser selbst war Schuld, 
dass es bei seinen Lebzeiten zu keiner separaten Ausgabe 
kam. Die „Blüthen des Barnasses 11 , wie Götz selbst sie 
nennen wollte, oder die ..Gedichte des Herrn von 
AV. M , von Wurmser oder Roos (nach dem Familien- 
namen seiner Mutter), welche bereits 1764 im wesentlichen 
druckfertig vorlagen, wurden von (jötz ängstlich zu- 
rückgehalten; statt dessen forderte er anfangs Ramler 
auf, sie entweder zusammen incognito in ein gut Journal 
einrücken zu lassen, oder eine Auswahl der sittsamsten, 
und die Sitten in nichts beleidigenden Stücke separe- 
ment unter dem Titel: Blüthen des Parnasses drucken 
zu lassen (Briefe S. 8(5). Ein Jahr darauf dünkt ihm 
auch dieser Ausweg noch zu gefährlich und er bittet, 
die scherzhaften Gedichte überhaupt noch verschlossen 
zu halten (S. 1)6). Inzwischen hatte Ramler 1766 in 
seinen „Liedern der Deutschen" 2* Stücke, darunter 
21 zum erstenmal, anonym veröffentlicht, denen iu der 




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IX 



„Lyrischen Bluhmenlese" vom Jahre 1774 und 1778 
noch 41 resp. 12 folgten. Andere schickte er unter 
Chiffren au Boie für den Göttingischen Musenalmanach, 
an Voss, Wieland und an das „Taschenbuch für Dichter 
und Dichterfreunde", während Götz selbst die Karls- 
ruher Beyträge, C. H. Schmids Almanach der deutschen 
Musen und Anthologie der Deutschen, die Schwansche 
Schreibtafel und ebenfalls den Göttingischen Musenal- 
manach und das Taschenbuch mit seinen unter die ver- 
schiedensten Chiffren verteilten Beiträgen bedachte. 

Götzens "Wunsch unerkannt zu bleiben, hat Ramler 
mit grosser Gewissenhaftigkeit erfüllt; seine Vorsicht 
ging so weit, dass er auf den an ihn gerichteten Götzi- 
schen Briefen dessen Namen abriss oder unleserlich 
machte, „damit das Geheimniss dass er der Verfasser 
der galanten Gedichte sey, nicht bekannt werden möchte" 
(Briefe S. 86). Und als der Giessener Schmid , der 
Herausgeber des Almanachs der deutschen Musen und 
der Anthologie der Deutschen, ihm zudringlich am 
20. Mai 17(i0 die Namen der Verfasser von mehreren 
anonymen Stücken in den Liedern der Deutschen ab- 
fragt, nennt er ihm nur deu „Anonymus, der Anonymus 
bleiben will, und der mein Wort hat, ihn nicht eher 
zu nennen, bis er mir mein Wort wieder zurückgiebt." 
Auch in Ramlers ungedruckten Briefen an Boie heisst 
er nur „mein Anonymus Q. u , nach der Chiffre, unter 
welcher ihn Ramler fast immer auftreten Hess, oder 
„mein vortrefflicher Anonymus". So kam es, dass er 
unter diesen Benennungen eiue förmliche Rolle in der 
Litteratur der 70er Jahre spielte (vgl. Strodtmann, 
Bürgerbriefe 1, 11; Knebels Nachlass II, 177). Dohm, 
der Mitherausgeber des Deutschen Museums, schreibt an 
Ramler (9. IX. 75): „Auch von dem naiven Q. wären 
uns Beyträge sehr willkommen. Auf Verschwiegen- 
heit können Sie sich sicher verlassen." Boie (lf>. I. 71): 
„HErr Klotz rühmte sich, dass der andre [Leipziger] 
Almanach eine Menge Stücke von Ihrem Ungenannten 



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X 



enthalten würde. Ich hielt das für Pralerey, sehe mich 
aber, nun ich ihn zu Gesichte bekomme, sehr in meiner 
Meynung betrogen, denn ich erinnere mich noch sehr 
wohl, einige dieser Stücke von Ihnen selbst gehört zu 
haben. Manchen dieser Stücke fehlt noch dazu sehr 
die letzte Hand. "Wie in aller Welt können sie in 
seine Hände gekommen seyn?" Eine Folge dieser 
Anonymität war es, dass mehrfach Gedichte von Götz 
anderen Verfassern zugeschrieben oder gar in unechte 
Sammlungen aufgenommen wurden. Dass Goethes Freun- 
din Bäbe Schul thess in ihrem in der Weimarischen 
Goetheausgabe 1, 365 abgedruckten Verzeichnisse Goethe- 
scher Gedichte ihm fälschlich drei Anacreontica (Nr. 22. 
23. 31) zuschreibt, welche Götz zum Verfasser haben, 
ist von mir schon in Seufferts Vierteljahrschrift I, 61 
nachgewiesen worden. In die Geislersche Höltyaus- 
gabe sind acht Nummern (Nr. 64. 65. 68. 69. 81. 82. 88. 
122) aus dem Göttinger Musenalmanach übergegangen, 
welche Götz angehören (vgl. Halm, Hölty p. XII und 
Redlich, Chiffrenlexikon S. 28); und in der unechten 
Sammlung „Kleine poetische Schriften von Moritz Au- 
gust von Thümmel. Frankfurt und Leipzig. 1782. (120 S.) 
8°" stehen auf S. 32, 53, 71, 77, 105 fünf Götzische 
Gedichte aus dem Leipziger Almanach, welche auch in 
den Ausgaben Wien 1792 und 1805 wiederholt sind. 
AVelche Anerkennung die anonymen Stücke fanden, mag 
ein Beispiel zeigen, die Recension der Frankfurter ge- 
lehrten Anzeigen von 1772 Nr. 91 über den Göttinger 
Musenalmanach von 1773 (Deutsche Litteraturdenk- 
male 8, 604). Merck, nicht Goethe, der die Anzeige 
allerdings in den 33ten Band der Ausgabe letzter Hand 
aufgenommen hat, (vgl. Scherer daselbst p. XLIII, gegen 
W einhold, Boie S. 250 und Hahn S. 6) sagt: „Unter 
dem Zeichen Q. und Y. liest man dieses Jahr von 
neuem sehr schöne Gedichte, die ungemein viel wahres 
Genie verrathen. Man wähle z. B. S. 47 der schönste 
Gürtel, und die allerliebste Idylle S. 33." 



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XI 



Bei seiner Ausgabe sah sich Ramler durch die 
buchhändlerischen Interessen von Götzens Sohne, die 
in seinen Briefen unliebsam hervortreten, beeinflusst; 
aus dem ursprünglich beabsichtigten Bändcheu von etwa 
hundert Gedichten (Voss S. 148) wurden drei von 134, 
KU, 99 Nummern — da das Gedicht „Klarissa" aus 
V ersehen zweimal (II, 204 und III, 9t») abgedruckt ist, 
also insgesamt 363 Stücken. Die Bearbeitung ist bei 
den einzelnen Gedichten sehr verschieden; Ramler selbst 
schreibt darüber an seine Freundin Susanne vonBandemer 
(2i>. Sept. 1789, ungedruckt, nach gütiger Mitteilung von 
G. Weisstein): „In Götzens Gedichten habe ich bloss 
die leichten, scherzhaften, witzigen Stücke gefeilt, vor 
den erhabenen heroischen habe ich mich gefürchtet, 
weil ich aus der Erfahrung weiss, was für Anstrengung 
sie kosten." Vgl. auch Ramler an Ephraim Kuh, 
Deutsches Museum 1851 II, 855. Eine eingehende 
Untersuchung über Ramlers Umarbeitung muss einer 
kritischen Ausgabe vorbehalten bleiben. 

Die Aufnahme der Vermischten Gedichte", welche 
1807 in einer TitelauHage wieder auf den Markt kamen, 
entsprach den wenig günstigen Erwartungen , welche 
man von ihr hegte. Die Unzufriedenheit der Weimarer 
Freunde fand ihren Ausdruck in Knebels Berichte über 
seinen oben erwähnten Besuch bei Götz im Herbst 1780, 
welchen Herder in den fünften Band der Adrastea auf- 
nahm (Werke, Suphan 24, 255). Die Schilderung, 
welche Knebel hier von dem alternden, einsamen Dich- 
ter entwirft, ist warm und wahr; in seiner Polemik 
gegen Ramler aber lässt er sich, parteiisch und in ge- 
trübter Erinnerung, zu nachweisbaren Irrtümern hin- 
reissen. Dass Götz in seinen letzen Lebensjahren das 
Vertrauen zu Ramler verloren habe, mit seinen Ver- 
besserungen „durchaus nicht zufrieden gewesen" sei und 
„nur mit geheimen Unmuth davon gesprochen habe", 
lässt sich durch nichts beweisen; für das Gegenteil 
könnte Götzens letzter Brief an Ramler augeführt werden, 



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XII 



zwei Jahre vor seinem Tode geschrieben (Briefe S. 107), 
in welchem es heisst: „Ich danke Ihnen hiemit tausend- 
mal, dass Sie sich meiner verlassnen Kinder so ernst- 
lich angenommen, und sie so fein, so sittsam und so 
artig erzogen haben, dass sie sich vor der AVeit ohne 
Furcht produciren dürfen. Ich empfele Ihnen nun 
noch ihre übrigen Geschwister: machen Sie aus ihnen, 
was Ihnen beliebt: nicht mehr und nicht weniger, als 
Sie für gut finden! Ich darf und kann mich ihrer gar 
nicht mehr annehmen, seitdem die Last des Alters und 
eines doppelten Amtes mich schwer drücket. 14 Selbst 
wenn wir annehmen, dass Götz im Stillen manche Be- 
denken gegen Ramlers oft eigenmächtiges Verfahren 
hegte, und dass er in den letzten Tagen seines Lebens 
gegen das künftige Schicksal seines poetischen Nach- 
lasses gleichgültig ward: zu seinen Lebzeiten hat er 
mit stetem Vertrauen an Kamler gehangen, und in sei- 
nem letzten Willen hat er solches unzweifelhaft bestä- 
tigt. Die Verhandlungen, welche er nach Knebels Be- 
richt mit diesem über eine „unveränderte" Herausgabe 
seiner Gedichte und über den Verkauf seiner Bibliothek 
geführt haben soll, bezeugen, wenn sie nicht entstellt 
sind, nur die zweifelnde, ängstliche Art seiner Ent- 
schlüsse, wie sie auch in dem Verkehr mit Ramler 
hervortraten. Eine ernstliche Entscheidung, ob Knebel 
sein Herausgeber werden solle, dürfte er sicher nicht 
getroffen haben. 

Die menschliche, moralische Seite des Verhältnisses 
zwischen Gütz und Ramler fand bald einen wannen 
Verteidiger und offenen Interpreten in Johann Heinrich 
Voss, welcher in seinen kritischen Briefen „Ueber Götz 
und Ramler" (Mannheim 1809) für den ihm geistes- 
verwandten Korrektor Partei nahm. Die kritischen 
Fragen dagegen , welche wir nicht streng genug von 
jener scheiden können, haben durch ihn eher eine Ver- 
wirrung, als eine Förderung erfahren; trotz des reich- 
haltigen Materiales, welches er aus dem ihm vorliegen- 



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XIII 



den Götzischen Nachlasse beibringt, sind seine Aus- 
führungen über den ursprünglichen Text der Gedichte 
und über Ramlers Bearbeitung nahezu wertlos. Ent- 
sprechend seinem eigenen Verhalten bei Herausgabe 
der Höltyschen Gedichte schlägt er ein eklektisches, also 
willkürliches Verfahren gegenüber dem „gesamten Wust 
roher Vorarbeiten 1 * (S. 153) ein und meint (S. 154), 
dass ein künftiger Herausgeber die geringeren Stücke 
ohne bedeutende Einrede ausmerzen werde, wenn auch 
die Sammlung über die Hälfte zusammenschmölze. Er 
stellt die Forderung auf, dass da, wo einzelne Stellen 
sowohl der Dichter als der Kritiker verfehlt habe, der 
Herausgeber selbst, wie im Gespräche, den Anstosseu- 
den in die Rede helfen dürfe, und sein Ziel ist nicht 
eben der leibhafte Götz, mit allen irdischen Gebrechen 
und Zufälligkeiten; sondern sein Geist, wie er freier 
und lebendiger in geläuterter Worthülle sich regt. Hier 
hätte er von Herder und seinen Freunden lernen kön- 
nen ; für eine kritische Ausgabe unserer Tage sind 
seine Ausführungen nichtig, und auch die von ihm aus 
Götzens Handschrift mitgeteilten Stücke ('S. f>7. 70. 72. 
711. 88. 93. 114. 142. 155. 159. 101. lt>3) sind nur mit 
Vorsicht zu verwerten. 

Ausser dem Material zu dieser Streitschrift hat 
Voss dem Nachlasse nur wenig entnommen; im „Morgen- 
blatt für gebildete Stände" Jahrgang 1809 Nr. 35. 43. 
52. 1810 Nr. 84. 156. 1811 Nr. 23, zu dessen eifrigen 
Mitarbeitern er gehörte, hat er im Ganzen 10 Gedichte 
als „in der Ramlersehen Ausgabe fehlend u veröffent- 
licht. Doch waren vier von ihnen dort schon in an- 
derer Gestalt gedruckt. — Dann ruhte der Nachlass 
bei des Dichters Enkel, Friedrich Götz, der ihn samt 
C. F. Schwans und Maler Müllers Papieren pietätsvoll 
hütete und, neben eigenen schriftstellerischen Versuchen, 
ihn im Jahre 1858 zur Herausgabe der „Geliebten 
Schatten" verwertete, einer an Portraits und wichtigen 
Briefen äusserst reichhaltigen Sammlung, der auch dieser 



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XIV 



Neudruck mehrere Stücke entnimmt. Dass der Heraus- 
geber dagegen unkritisch Echtes mit Unechtem mischte, 
beweist unter anderm der unten folgende Nachweis 
über die „Mädcheninsel." Aus dem Besitze der Tochter 
von Fr. Götz, welche ihn eigensinnig verschloss (vgl. 
Seuffert, Maler Müller S. 61), gelangte der Nachlass 
dann in die Hände eines glücklichen Sammlers; auch 
hier aber scheint er vorläufig brach zu liegen, und wie 
dem neuesten Biographen von Götz, H. Hahn, war es 
auch mir unmöglich, einen Einblick in diese Papiere zu 
erlangen. 

Um endlich eine nähere Kenntnis des Dichters zu 
gewinnen, der schon als Lebender, wie Herder klagte, 
das Schicksal hatte, dem grossen Hauten unerkannt, 
wie ein Traum vorüberzuschweben , bot sich indessen 
ein Ausweg durch Zusammenfassung alles dessen, was 
an Einzeldrucken, Manuskripten und in Almanachen 
zerstreuten Stücken erhalten ist. Auf Raralersche Umar- 
beitungen musste dabei selbstverständlich verzichtet und 
eine genaue Scheidung zwischen den von ihm und den von 
Götz selbst veröffentlichten Stücken angestellt werden; 
auch die Anakreonübersetzung von 1740, an welcher 
neben Götz Uz und Gleim Anteil haben, war von vorn- 
herein ausgeschlossen, da sie als ein in sich abge- 
schlossenes Zeugniss einem späteren Hefte dieser Neu- 
drucke vorbehalten bleibt (vgl. Sauer in den Deutschen 
Litteraturdenkinalen Heft 33 — 39 p. III). Für eine 
solche Sammlung der zerstreuten Gedichte von Götz, 
zu welcher C. H. Schmid in seinem „Nekrolog oder 
Nachrichten von dem Leben und den Schriften der 
deutschen Dichter" Berlin 1785 II, 802 ff. eine äusserst 
lückenhafte Vorarbeit geliefert hat, war ursprünglich 
diese Ausgabe bestimmt; sie würde über 300 Stücke 
in echt Götzischer Gestalt, darunter gegen 100 bei 
Ramler fehlende, geboten haben, musste aber leider 
ihres Umfanges wegen zurückgestellt werden. Um diese 
Einleitung nicht zu sehr anschwellen zu lassen, werde 



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XV 



ich ein kritisches Yerzeichniss der zerstreuten Ge- 
dichte Götzens, welche nach 1765 erschienen, an einem 
anderen Orte veröffentlichen. 

So ist aus den Irrungen und Wirruugen, in denen 
die Gedichte des vielformigen Dichters bisher getrieben 
haben, auch hier nur eine bescheidene Sammlung ent- 
standen, die ihren Lohn in der Anregung zu einer voll- 
ständigen und kritischen Ausgabe finden wird; aber 
auch solche liegen im Bereich dieser Neudrucke, und 
diese Jugendgedichte werden, da sie gegenüber der ab- 
schliessenden Gestalt, welche eine kritische Ausgabe wie- 
dergeben wird, die früheste repräsentieren, ihren Platz 
neben jener beanspruchen dürfen. Auf eine litterarische 
Würdigung oder Untersuchung des hier Gebotenen ein- 
zugehen ist nicht der Platz; erst eine Vergleichung mit 
dem grossen noch ungehobenen Schatze von Handschriften 
und zerstreuten Drucken wird diese Aufgabe im grösseren 
■Zusammenhange zu lösen haben. Die sich von Jahr zu 
Jahr steigernde Formgewandheit Götzens, seine wech- 
selnde Nachahmung von Gleim , Lange , Bodmer und 
Klopstock, vor allem die überraschende Thatsache, dass 
eine grosse Anzahl seiner reifsten Schöpfungen, der 
anmutigsten Genrebilder schon ums Jahr 1755 druck- 
fertig vorlag, springt von selbst ins Auge. Was würde, 
so müssen wir uns fragen, um Götz seinen richtigen 
historischen * Standpunkt zu wahren , Lessing zur Zeit 
der Litteraturbriefe geurteilt haben, wenn er neben 
Gerstenbergs „Tändeleyen" die „Blüthen des Parnasses" 
hätte stellen können? 

Ich gehe nun dazu über, den Bestand dieser Samm- 
lung im einzelnen vorzulegen, indem ich zugleich bei 
jedem Stücke die späteren Druckorte hinzufüge. 

Der „Versuch eines Wormsers in Gedichten u , 1745 
wohl in Worms erschienen, ist bisher von allen Biblio- 
graphen falsch citiert worden (1750. 52); ein Exemplar be- 



XIV 



Neudruck mehrere Stücke entnimm 
geber dagegen unkritisch Echtes m 
beweist unter anderm der unten 
über die „Mädcheninsel." Aus der 
von Fr. Götz, welche ihn eigen- 
Seuffert, Maler Müller S. 61), u- 
dann in die Hände eines glück) i« 
hier aber scheint er vorläufig bra 
dem neuesten Biographen von (br- 
auch mir unmöglich, einen Einblk 
erlangen. 

Um endlich eine nähere Ken 
gewinnen, der schon als Lebend* 
das Schicksal hatte, dem gros- 
wie ein Traum vorüberzuschwel 
ein Ausweg durch Zusammen f*a- 
an Einzeldrucken, Manuskript, 
zerstreuten Stücken erhalten ist. 
Leitungen inusste dabei selbstver- 
eine genaue Scheidung zwischen . 
Götz seihst veröffentlichten Stii 
auch die Anakreonübersetzuu- 
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Ramler fehlende, geboten 
ihres Umfanges wegen zurii« 
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wir 



jöaia dt 



r. I, Lyrische Bluhmenlese 1774 
1 ''miler 1, 3. 

< '. Weise." Anakreon 1746 
Herru F^lias Christopf (!) Weisse, 
i I \ Li. S. "Worms. Als er zum 
17 11. regierender Stadt-Meister 
• i Ramler. 

Li n g seiner Vaterstadt." 
S, „Ode. Zwischen Worms 
1743. aufgesetzt im Novemb." 
cheu Musen 1774 8. 117. Fehlt 



•«nwa tun. a». 

Sit? 





i 1 1 e s t en Bruder." Anakreon 
\u in« inen ältesten Bruder, als 
ihlte, Kmbden in Ostfriessl. den 
Alm. d. d. Musen 1774 S. 148. 

Rani] er. 

an einen schönen Knaben." 
akreon. Lyrische Bluhmenlese II, 46. 
M . Das Halberstädter Exemplar enthält 
che Veränderungen von Gleims Hand 
chte vgl. Briefe S. 52. 03), welche 
i uz ine dieser Ausgabe gemäss ebenso 
•iioniiiit ii -iud, wie die zu andern 
I. Xr. \K 87). 

en Kr» 1 und Dämon." Anakreon 
An Herrn Lindemeyer." Ramler 



ine Freundschaft mit dem Thir- 
nakreon 17h> S. 03: „An eben dieselbe" 
Antholn !. der Deutschen III, 97. 
Bluhmenlese IV, 8. Ramler I, C>6. 
hronologisch -ich anschliessende Einzel- 
ler Ode 

den Tod seines Bruders Cornelius 
Götzens.- 4 (6 Bl.) 4°, 1747 ohne 
H erschienen und am 14. Mai 1747 an 

I iteraturdenkmule. 12. b 



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XVI 



sitzt die für die Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts 
so wertvolle Bibliothek der Gleimstiftung (Nr. 2057). Wie 
es scheint geht die Sammlung auf verlorene Einzeldrucke 
zurück und ist schon 1744 gedruckt ; denn Götz schreibt am 
12. Juni 1747 an Gleim (Briefe S. 29): „Ich überschicke 
Ihnen hiemit mein Manuskript des Anakreons, nebst 
einigen meiner schon vor drey Jahren gedruckten Ge- 
dichte, die an vielen Orten anders aussehen, als im 
gedruckten Anakreon. Es sind lauter solche Gedichte, 
die sich auf Personen in Worms beziehen, weswegen 
sie auch besonders herausgegeben." Dass diese frühere 
Sammlung in den sechs Stücken, welche sie mit dem 
Anakreon von 1740 gemein hat, den Vorzug vor dem 
letztern verdient, spricht Götz noch deutlicher in sei- 
nem Briefe vom 14. Mai 1747 an Gleim aus, worin er 
die „elende Ausgabe" des Anakreon aufs schärfste ver- 
urteilt (Briefe S. IG). „Denn die allermeisten Gedichte 
darinnen, unter welchen mein Name stehet, und die ich 
ohnedem längst schon verworfen hatte, sind so, wie sie 
da abgedruckt sind, nicht meine Arbeit, welches ich 
mit einem altern Abdruck derselben erweisen kann, 
wo es deutlich zu sehen ist, dass gantze Strophen 
herausgestosen , andere eingeflickt, oder zum mindsten 
verstümmelt worden, woran, wie ich glaube ein amicwt 
molestö sedulus schuld ist, der sich jederzeit mit meinen 
Abschriften getragen, und, als er corrector in der chur- 
fürstlichen Buchhandlung zu Manheim geworden, diese 
mit Nachlässigkeiten beladene Auflage veranstaltet hat, 
während dem ich ferne von meinem Vaterlande war." 
In der That hat der „Versuch" vor dem Anakreon, 
welcher von Druckfehlern und Versehen wimmelt, den 
korrekten Druck voraus; auf die bedeutenderen Ab- 
weichungen gehe ich aus dem schon erwähnten Grunde 
hier nicht ein. Der „Versuch" enthält: 

1. „Wünsche des Dichters." Spätere Drucke 
im Anakreon 1746 S. 51): „Fragment eines grossen 
Gedichtes von der Bienen-Zucht." Oden mit Me- 



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XVIT 



lodien 1755 II Nr. 1. Lyrische Bluhmenlese 1774 
II Nr. 52. Ramler I, 3. 

2. „An Herrn E. C. Weise." Anakreon 174G 
S. 00: „Ode an Herrn Elias Christopf (!) Weisse, 
Rath-Aeltesten der F. R. 8. Worms. Als er zum 
siebenden mal 1744. regierender Städt-Meister 
ward." Fehlt bei Ramler. 

3* „Bey Erblickung seiner Vaterstadt." 
Anakreon 1746 S. 85: „Ode. Zwischen Worms 
und Oppenheim 1743. aufgesetzt im Novemb. u 
Almanach der deutschen Musen 1774 8. 117. Fehlt 
bei Ramler. 

4* „An seinen ältesten Bruder." Anakreon 
1746 8. 95: „An meinen ältesten Bruder, als 
Er sich vermählte. Embden in Ostfriessl. den 
6ten April 1743." Alm. d. d. Musen 1774 S. 148. 
Fehlt bei Ramler. 

5. „Warnung an einen schönen Knaben." 
Fehlt im Anakreon. Lyrische Bluhmenlese II, 46. 
Ramler 1, 60. Das Halberstädter Exemplar enthält 
handschriftliche Veränderungen von Gleims Hand 
zu diesem Gedichte (vgl. Briefe S. 52. 63), welche 
hier dem Prinzipe dieser Ausgabe gemäss ebenso 
wenig aufgenommen sind, wie die zu andern 
Stücken (vgl. Nr. 0. 86. 87). 

6, „An seinen Freund Dämon." Anakreon 
1746 8. 82: „An Herrn Lindemeyer. " Ramler 
I, 101. . . 

7* „Uber seine Freundschaft mit dem Thir- 
sis." Anakreon 1746 8. 63: „An eben dieselbe" 
(Amarilis). Anthologie der Deutschen III, 07. 
Lyrische Bluhmenlese IV, 8. Ramler I, 66. 

Der chronologisch sich anschliessende Einzel- 
druck der Ode 

8. „Uber den Tod seines Bruders Cornelius 
Georg Götzens." (6 Bl.) 4°, 1747 ohne 
Druckort erschienen und am 14. Mai 1747 an 

Deutsche Literaturdenkmale. 42. b 



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XVIII 



Gleim übersandt (Briefe S. 18), ist bisher nur von 
A. Sauer (Deutsche Literaturdenkmale 22, XVI) 
und von Hahn (S. 14) erwähnt worden; sie wurde 
in veränderter Gestalt von Götz wiederholt in 
der Anthologie der Deutschen III, 87. Fehlt 
bei Ramler. 

Es folgen nun die Stücke nach der Handschrift, 
unter welche auch die in den „Geliebten Schatten" faksi- 
milierten Gedichte (Nr. 88 — Dl) zu rechnen sind; aller- 
dings mit zwei Ausnahmen ( Nr. 18. 19), welche bereits 
in dem Anakreon von 1760 gedruckt, hier aber der 
chronologischen Reihenfolge zu Liebe eingefügt sind. 
Mit dem Briefe vom 28. Dec. 1747 übersandte Götz an 
Gleim sechs Gedichte (Nr. 9—14) vgl. Briefe S. 31 ff; 
am 22. November 1755 drei (Nr. 15 — 17) vgl. Briefe 
S. 45 f.; den Rest (Nr. 20—85) am 25. März 17<>4. 
9. „Attis. Eine Erzehlung. Seinem zweeten 
Bruder zugeeignet. 1747. u Götz schreibt 
darüber: „Die Erzählung Attis ist noch nicht 
auspoliret, und ich überschicke Sie Ihnen mit der 
Bitte, sie scharf zu critisiren. Die Gelegenheit 
dazu gab mir mein zweeter Bruder. Melancholisch 
über den Tod unseres Bruders nahm er eine 
Reise vor, sich aufzumuntern. Er kam zu mir 
nach Forbach , sah in dieser Gegend ein Mädgen, 
das ihm gefiel, und heyrathete Sie. Sie ist eine 
Enkelin, des noch lebenden D. Scherzes zu Stras- 
burg . . . Das Stück fehlt nicht bei Ramler, 
wie Hahn S. 23 behauptet, sondern ist von ihm 
zuerst im Taschenbuch für Dichter und Dichter- 
freunde Abtheilung 12 (1781) S. 1 — 10 und dann 
in den venu. Gedd. III, 12 verändert abgedruckt. 
In der Handschrift stand V. 30 zuerst (Svft inet)* 
itet' er, er fang tfct an $u leben V. 79 ifjve Sugenb 
V. 109 liebte. Von Gleims handschriftlichen Ver- 
änderungen erwähne ich nur, dass erden unvollstän- 
digen Vers 73 ergänzte durch cm3 löngft gewohnter. 



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XIX 



10, „Bei Erblickung einer schönen Person." 
Lyrische Bluhmenlese III, 24. Ramler I, 173. 

11. „An den Grafen von S tr al enheim. u Von 
Götz im Almanach der deutschen Musen 1771, 
119. Ramler I, 103. 

12* „Aglaja an die Nacht." Ungedruckt. 

13. „An eine Schäferin jenseits des Wassers." 
In zwei anderen Abschriften, darunter eine (M x ) 
von Götzens Hand, am 25. März 1764 an Glehn 
übersandt: „Ein arkadischer Schäfer disseits an 
eine Schäferin jenseits." Y. 3 3>ann M l 4 mil* 
imb bir M x M* 7 ©enäfj M 1 AI' Lyrische Bluhmen- 
lese II, 41). Ramler I, 10. 

14. „Von sich selbst. 4 * Ebenfalls in späterer Form 
am 25. März 1764 an Gleim geschickt: „Gröse 
seiner Verdienste." V. 3 3hh> £ämmgen, ba£ ftitb 
meine £eerben; 4 9flein fjetb bo§ ift 6 3d) mügte 
Lyrische Bluhmenlese I, 8. Ramler I, 11. 

15. „Auf den Burgunderwein." Vorher im 
Anakreon 1746 S. 72, daraus wiederholt in der 
Anthologie der Deutschen II, 222. Von Götz in 
den Carlsruher Beyträgen III, 6 (1765) 496. Ly- 
rische Bluhmenlese II, 48. Ramler II, 69. • Vers 33 
zuerst: fjeißt. 

16. „Die wahre Liebe. Eine Nachahmung." 
Von Götz in anderem Zusammenhange im Taschen- 
buch für Dichter und Dichterf reuude , Abtei- 
lung II (1774) S. 83. Ramler III, 114. 

17. „Prosaische Ode. An den Marquis von 
Montbarey. 1749." Von Götz mit den AVorten 
übersandt: „Ich biege . . . noch eine prosaische 
Ode bey, die ich, als Feldprediger, an den Sohn 
des franz. General-Lieutenants, Marquis v. Mon- 
barey gerichtet habe. Sie ist aber noch nicht 
ausgefeilet" (Briefe S. 45). In der Handschrift 
zuerst 46, 9 getrauet fidj 47, 29 Xämmvung 48, 3 
SRofe 48, 21 bie 49, 4 am Rande preisen dann 



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XX 



wieder gestrichen 49, 5 fid) empor 311 Ijeuen. 
gedruckt. 

18. „Anakreons Vermählung/' Anakreon 
Bl. 3 b , darnach in der Anthologie der Deu 
II, 198. Ramler I, 182. 

V.K „Lob des Anakreons und der Sap 
Anakreon 1760 Bl. 5». Fehlt bei Ramler 

20. „Das Vergnügen." Lyrische Bluhmenlese 
Ramler I, 4*. 

21. „Uber die Wiedergenesung der Kay 
Frau Mutter, und des Pabstes zu gle 
Zeit." Vgl. Götz an Gleim (Briefe S. 78): 
sen Augenblick seh ich, dass ich Thnet 
einigen Gedichten z. Ex. von diesem vorsteh 
ein unrechtes Exemplar in der Eile copirt 
Es sollte heissen" . . . Es folgen nun die : 
Text gesetzten, auch an Ramler übersandte) 
arten, wogegen das „unrechte* 4 Exemplar fol 
hat: V. 2 (3>e§ £immc(3fönia3 ©icebom) 4 feuf 
fromm 11 $mav etwas weit 12 $)ocf) 16 @rojj 
unb 17 33om $atn"er, unb betn ganzen fRcicf). 
tinger Musenalmanach 1771, 180. Ramler II] 

22. „Auf ihren G e b u r t s t a g. M Ramler I, 

23. „Der Schmetterling und die Biene." 
Ramler im Vossischen Musenalmanach 178£ 
Ramler III, 145. Ramlers Fabeln und I 
lungen (1797) III, 16. 

24. „An Phil Iis." Lyrische Bluhmenlese I. 
Ramler I, 6 «Der Sklavenkauf." 

25. „An die Nachtigall.« Ramler II, 213 
2(5. „Das Kind.* 4 Ungedruckt. 

27. „An das Grass, worauf Phillis ger 
Lyrische Bluhmenlese II, 50. Ramler I, 1 

28. „Die Hirtin.- Ramler II, 80 „Thesty 

29. „An Morpheus." Lyrische Bluhmenlese 
Ramler I, 180 „Daphne an den Morpheus.' 

30« „Des Abt * * Entschluss bey Erbai 



xxr 



seines Klosters." Ramler sendet das um- 
gearbeitete Manuskript am 21. September 1772 an 
Boie (Königliche Bibliothek zu Berlin, nach gefl. 
Mitteilung des Herrn Dr. C. Krohn); darnach im 
Gotting. Musenalm. 1773, 228 [Q.] Ramler I, 131. 

31. „Ainalia." Ungedruckt. 

32. „Der Frühling." Ramler II, 133. 

33. „Die Klage." Ramler I, 99. 

34. „Sans les illusions, que servient nos 
p 1 a i s i r s. u Lyrische Bluhmenlese I, 28. Ramler 
II, (>(> „AVeisheit und Liebe. 44 

35. „Erstes Kondeau: nach einem franzö- 
sischen Dichter aus dem 14. Jahrhundert." 
Raraler III, 47 „Des Frühlings Ankunft. Zwey 
Ringelgedichte . . . I. u 

36. Zweytes Rondeau. 44 Ramler III, 48 „Des 
Frühlings Ankunft . . . II. 44 

37. „Ca tu Iis 3^_ H Sinngedicht. 44 Ungedruckt. 

38. „Ca tu Iis 13. Sinngedicht. 44 (Jöttinger Musen- 
almanach 1772, 125 [Q.]. Ramler II, 232 „An 
den Fabullus. 

39. „Kunz und Gör gel. 44 Schreibtafel, Lieferung 
H, 19. Fehlt bei Ramler. 

40. „Der flüchtige Amor. 44 Von (fötz in an- 
derem Zusammenhange im Taschenbuch für Dich- 
ter und Dichterfreunde, Abtheilung 11(1774) S.79. 
Fehlt bei Ramler. 

41. „ A g 1 a j a a n A t h a m a s." Uöttinger Musen- 
almanach 1774, 204 [Q.] Ramler II, 23 „Aegle 
und Philint. - 

42. „Das zu grose und zu kurtze Glücke. 44 Vor- 
her im Anakreon 174(> S. 51. Fehlt bei Ramler. 

43. „Bitte an die Götter. 41 Ramler 11,32. 

44. „Sinngedicht. 44 Ungedruekt. 

45. „R i u g e 1 g e d i c h t. Auf einen B r a n d \v e i n - 
brenner. 44 Lyrische Bluhmenlese III, 8. Ramler 
HI, 1%. 



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XXII 



46. „Als Tiraoleon zu heyrathen gezwungen 
ward." In einer anderen Abschrift, ebenfalls am 
25. März 1704 an Gleim geschickt, fehlt V. 0. 
Lyrische Bluhmenlese III, 25. Ramler 1, 12 „Der 



47. „Was von ohngefähr geschehen könnte. 44 
Von Götz im Almanach der deutschen Musen 1771, 
124. Fehlt bei Ramler. 

48. „Der befolgte Rath.- Ramler II, 132. 

49. „Akanth und Phryne." Ramler II, 05. 

50. „Auf Olympens Hand. 44 Ungedruckt. 

51. „Auf den Tod eines Freundes.- Eine an- 
dere, gleichzeitige Abschrift hat mehrere Schreib- 
fehler, V. 10 tvaurtgS. Ungedruckt. 

52. „Gefährlichkeit des Lobs." Ungedruckt. 

53. „Liebe brauchet nicht Verstand." Von 
Ramler im Vossischen Musenalmanach 1785, 197 
[Q.] Ramler II, 230 „Der reisende Verstand." 
Ramlers Fabellese (1783) VI, 38. 

54. „Sinngedicht." Von Ramler im Göttinger 
Musenalmanach 1771, 96 [Q.] Fehlt bei Ramler. 

55. „Auf den Lustgarten zu *** " Ramler 1,100. 

56. „Seladon." Lyrische Bluhmenlese V, 9. Ram- 
ler II, 82. 

57. „Das Leben." Ramler II, 225 „Die Lebenszeit." 

58. „An die Frau von * * *. - Ungedruckt. 

59. „Luna, uud ihre Mutter Latona." Un- 
gedruckt. 

60. „Fabel." Von Ramler im Göttinger Musen- 
almanach 1771, 47 [Q.] Ramlers Fabellese (1783) 
I, 14. Ramler III, 89 „Die beiden Kornahren." 

61. „Sinngedicht." Ramler 111,52 „Der Reisende." 

62. „Über ihre Blässe." Ramler I, 11 „An die 
blasse Iris." 

63. „Bey Gelegenheit der Aufnahm eines schö- 
nen Geistes unter die 40. besoldete Mit- 
glieder der französischen Akademie." 



gewungene Ehestand. 




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XXIII 



Zu V. 4 am Rande: £tö(jt. Von Ramler im Göt- 
tinger Musenalmanach 1772, 15G [Q.] Ramler 
III, 195. 

64. „Fragiiien t. w L T ngedruckt. 

65. „Uber die Springbrunnen zu Paris." 
Ramler I, (>5 „Die Nymphe der Seine an die 
Stadt Paris." 

66. „Die Liebe." Ramler II, 22 „An die Vögel." 

67. „An gewisse Frauenzimmer." Von Ramler 
im Göttinger Musenalmanach 1772, 183 [Q.] Ram- 
ler III, 191. 

68. „An Phil Iis." Lyrische Bluhmenlese V, 21. 
Rainler I, 51 „An Thestylis." 

69. „Petrarch." Lyrische Bluhmenlese V, 22. Ramler 
III, 235 „Der Dichter von seinen Liebesliedern." 

70. „Nach dem Rousseau." In der Handschrift 
zuerst: »Rousseau }). 20(>. u Lyrische Bluhmen- 
lese I, 33. Ramler III, 11 „An Euphrosynen." 

71. „Seine Ähnlichkeit mit Ap ollen." Ly- 
rische Bluhmenlese IV, 52. Ramler I, 130 „Ähn- 
lichkeit mit dem Apollo." 

72. „Angebinde." Von Ramler im Göttinger 
Musenalmanach 1773, 204 [Q.] Ramler I, 30. 

73. „Das Anmuthsvolle und Holde." Ramler 
II, 210 „Der Mittag, Abend und Morgen." 

74. „Die Himmlische und irdische Venus." 
Von Ramler im Vossischen Musenalmanach 1784, 
182 [Q.] Ramler II, 3. 

75. „An die Frau von * * * " Von Ramler im Göt- 
tinger Musenalmanach 1773, 1GG [Q.] Ramler 
I, 170. 

76. „Hymen und die Truppen Amors." Von 
Ramler im Vossischen Musenalmanach 1784, 110 
[Q.] Ramler II, 2C>. 

77. „Myrins Sinngedicht auf den Thirsis." 
Ungedruckt. 

78. „Die Wiederkunft." Lyrische Bluhmenlese 



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XXIV 



I, 35. Ramler I, 37. Vgl. Voss über Götz un 
K amier S. 155. 

7!). „Madrigal." Ln gleichlautender zweiter Abschrif 
Lyrische Bluhmenlese I, 31. Ramler I, 20 „Di 
Untreue." 

80. „Der dichtende Knabe. u Ramler I, 1 2i 

81. „Auf eiuen unglücklichen Arzt." Ramie 

II, 221». 

82. „Der Amtman." Zu V. 17 am Rande ur 
nadjafynilid). Ramler I, 113. 

83. „Der v e r z w eif 1 e n d e Sc h ä f e r. u Ramler III, 51 
S4. „Süsigkeit der Liebe." Von Ramler ir 

( löttinger Musenalmanach 177.'>, 100 [Q.] Ramie 

Iii, rjs „Kupido." 

85. „Serenens Unbestand." Lyrische Bluhmen 
lese I, 27. Ramler I, 135. 

8(). „ZuschriHt an den Herrn A. R. H . . zu H.' 
Nachträglich von (lötz an < Jleim 24. Juli 17f>5 über 
schickt mit den Worten (Briefe S. 85): „Dies 
soll die ZuschriÜt an einen Kreund werden, den 
ich vieles schuldig bin. Hellen Sie mir sie ver 
bessern! Ich wünschte wenigstens das Wort Sälo 
mon, welches Salomo heissen sollte, mit einen 
bessern verwechseln zu können. Sollte sich Hieroi 
von Syrakus besser schicken?" (Heim schlag 
statt dessen zu V. 17 vor: „Xauibsf 2ol)ii." Ramie 
II, 240 „An Oelsa." 

87. „Du und Sie." Das Manuskript, 2 (^uartblätter 
hat Ramler für seinen, einer Autographensamm 
lung ähnelnden Nachlass, zurückbehalten; sein« 
handschriftlichen Änderungen gehören nicht hier 
her. Auf 8. 4 von Götzens Hand: „(Simge anbei' 
Jefcartcn. 3cUe 30. ©ebälf üon 3ifronen$o(| 

ober jene Saften uou 3 c ^ cni ^)°^ 3 e ^ e 33 

$5uvd) bic 03ittcv biv — Oft buvd)3 ©ttter £i 

btv 3cile 44. £)l)rgcf)ängc , bev 3ri3 glcid 

Savbenftreueub bei) s Jtad)t Qcik 47. Tcren b» 



XXV 



taufeub mir in beu 3ua,enb gegeben fyaft. $eite 

eine tti^bftdje meiffe Söruft eine btenbenbe weifte 

SBntft - ^-geik 24. *2Bciß , tote ber 9#anbe(baum 
weifj, mie bie förfdpnbföty 3ei(e 28. 
(sdjretft mit brofjcnbcm Sö(icf jefct ber gefälligen Amo- 
retten unb ®va$ien jefco ber fveunbüdjen Amor. 

it. ©ra^. fvanj. Original ftefjt im Portefeuille 

d'un homme de Gout T. I. p. 205." — Göttinger 
Musenalmanach 1774, 135 [D. G.] Ramler I, 168. 

Die Nummern 88 — 91 sind faksimiliert in den „Ge- 
liebten Schatten" Tafel 41 f. Die ebendaselbst wieder- 
gegebene Handschrift der „ Mädcheninsel u ist hier nicht 
aufgenommen, weil sie nicht, wie die übrigen Stücke, den 
echten Götzischen Text wiedergiebt, sondern eine be- 
reits von Ramler beeinflusste Fassung, die dem Abdruck 
im Göttinger Musenalmanach 1775, 25 — 32 sehr nahe 
steht. Vermutlich liegt dem Faksimile die „gar zier- 
liche, durchaus unveränderte Abschrift" zu Grunde, 
welche Voss 8. 128 erwähnt. 

88, „Madrigal." Das Faksimile mit der Unter- 
schrift: Joh. Nikolaus Götz: Wintherburg 1705. 
Ramler II, 100 „Von der Freude. u 

89* „Opfer für meine Freunde." Von Götz in 
der Schreibtafel , Lieferung II (1775) S. 30 und 
im Almanach der deutschen Musen 1770, 23(3. 
Lyrische Bluhmenlese IV, 51. Ramler I, 50 
„Der opfernde Sylvius." Vgl. Briefe S. 103. 

90. [Triolet.] Fehlt bei Ramler. Vgl. Voss S. 103. 

91. „Der Preis der Schönheit." Taschenbuch 
für Dichter und Dichterfreunde Abtheilung VI 
(1770) S. 93 [Q.] Ramler III, 177 „Auf Äglen." 

Zum Schluss folgen acht Gedichte nach der Hand- 
schrift, die sich zwar nicht zeitlich fixieren lassen, viel- 
leicht einer späteren Zeit angehören, hier aber der 
Vollständigkeit wegen aufgenommen sind. Nr. 1)2 — 95 
sind im Besitze des Herrn Oberhofmeister Freiherrn 



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XXVI 



H. v. Donop in Weimar, Nr. % — 99 habe ich vor 
kurzem von W. Künzel erworben. Nach dem Format 
und Wasserzeichen des Papiers gehören die acht Stücke 
zusammen ; waren sie unter den Gedichten, die Götz am 
31. Okt. 1780 an Knebel schickte? 

92. „An seine Reime." Ramler I, 191 „Der Dich- 
ter an seine Reime." Vgl. Voss 8. 29. 

93» „An Olympen." Fehlt bei Ramler. Gedruckt 
von J. H. Voss im Morgenblatt für gebildete 
Stände 1809 Nr. :*5 S. 187. 

94. ,,Grabschrift." Ramler II, (U „Grabschrift 
des Xaveriiis. u 

95. „An Magister Dumm, der sich beschwe- 
rete, dass sichDokter Stumm einWerkchen 
zueigne, dass Er doch verfertiget habe." 
Ungedruckt. 

9tf. „Henrichs des IV-ten Abschied von der schö- 
nen Gabrielle. (Aus seinem Franzö- 
sischen.)" Ramler H, 215 „ . . . Nach einem 
alten Französischen Liede." 

97. ..Sinngedicht." Fehlt bei Ramler. Morgenblatt 
für gebildete Stände 1809 Nr. 52 S. 205. 

98. ..Madrigal." Ramler III, 199 „Veit und 
Blanka." 

99. „An die Frau von * * *" Ramler III, 194 
„An Olympen." 

Bei Wiedergabe der gedruckten, wie handschrift- 
lichen Vorlage habe ich mich den Originalen möglichst 
getreu angeschlossen; die eigenartige Götzische Ortho- 
graphie, welche auch auf die Reimbildung Einfluss hat, 
ist in ihrem öfters launenhaften Wechsel beibehalten, 
da dieser sich auch in der Handschritt findet. Auf 
das literarhistorisch interessante Beispiel S. 45, G 
und S. 49, 11, wo einmal richtig Klopstock, das andre 
Mal der Gottschedsehe Schimpfuame Klopfstock steht, sei 
ausdrücklich hingewiesen. Nur der fehlende Umlaut ist 




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XXVII 



durchgehends ergänzt, die Interpunktion in sinnwidrigen 
Fällen berichtigt und einzelne besonders auffällige 
Schwankungen der Schreibart normalisiert. Der Neu- 
druck weicht demgemäss an folgenden Stellen von der 
Vorlage ab: Nr. 3, 82 tiefe 4, 42 5, 44 8, 123 9, 51. 57. 
73. 77. 89. 93. 98. 138. 160. 108. 173. 17G. 191. 195. 
10, 10. 20. 29. 30. 38. 40 6ie 8, 72 £ub 8, 201 Im 
Cust. auf S. 11 Sdj! 9, 23 crfctyrft 9, 00 87, 21. 34 3fjr 
S. 47, 6 3()ncn Nr. 49, 10 au3gemad)t 55, 4 gefefyn 59, 0 
$)a3 61, 4 mein 65, 8 Dtd) 75, 8 beine 77, 5 enbtoanb 
80, 14 nur. 

Die vorliegende Ausgabe beruht grösstenteils auf 
den Schätzen des Gleimarchives zu Halberstadt, dessen 
Verwaltung ich für die mehrmalige Überlassung von 
Handschriften und Drucken zu grösstem Danke ver- 
pflichtet bin. Ferner haben mich gütigst unterstützt 
J. Bolte, Freiherr H. von Donop, M. Herrmann, C. 
Krohn, G. Weisstein und vor allem der frühere und 
jetzige Herausgeber dieser Sammlung. Bei der Korrek- 
tur war mir wieder mein Freund Dr. G. Eskuche be- 
hilflich. 

Carl Schüddekopf. 



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Alphabetisches Verzeichnis 

der Anfangszeilen und Ueberschriften der 

Gedichte. 

Seit« 

Aglaja an Athamns 63 

Aglaja an die Nacht 42 

Akanth und Phryne 66 

Allerliebste Nachtigall 56 

Als itzt Sappho verschied, ward eben der teische Dichter 52 

Als Timoleon zu heyrathen gezwungen ward ... 65 

Als vor nicht langer Zeit der schlanke Attis ... 33 

Amalia 58 

Ambrosius, der Prediger, liegt hier 86 

Amor bot einst zu Cvthere 55 

Anakreons Vermählung 50 

An das Grass, worauf Phillis geruht 56 

An den Grafen von Stralenheim 40 

An die Frau von *** . 70 

An die Frau von *** 77 

An die Frau von 89 

An die Nachtigall 56 

An eine Schäferin jenseits des Wassers 42 

Angebinde 76 

An gewisse Frauenzimmer 73 

An Herrn E. C. Weise 5 

An Magister Dumm, der sich beschweretc dass sich 
Dokter Stumm ein Werkchen zueigne , das Er 

doch verfertiget habe 87 

An Morpheus 57 

An Olympen S6 

Au Phillis 55 

An Phillis 74 

An seinen ältesten Bruder 11 

An seinen Freund Dämon 16 

An seine Reime $5 

Aphroditens schönes Kind 59 

Artis. Eine Erzehlung. Seinem zweeten Bruder zu- 
geeignet 33 



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V V T V 




>\ uf den Bnrrrnndprivpin 


oci i e 
t« > 


>\uf don I ,ii *t (Tfli'f pn 7.ii * * * 


»Ii» 


— * — r — t T* — i • T-i t 


i"7 
t) 1 


A.uf diesem Hasen, den die Liebe 


69 


A.uf einen unglücklichen \rzt 


79 


_A.ut einer alten Maupr safiRpn 




Auf einer Bank von Moos, an eines Hügels Fuss . . 


42 




54 


J^k 1 1 r ■ litt ^% W m t~\ % X /-m 


i'~7 


Aurora, da sie früh aus ihrer Kammer geht . 


12 


"Befürchte nicht dass dir Aristorm Hertz pntflipht 


78 


.F5ev Erblickung einer schonen Person . 


39 






Boy Gelegenheit der Aufnahm eines schönen Geistes 




unter die i<). besoldete Mitglieder der französischen 






72 


T~> A 1 J • 1 TT7«>1I 

•f" % • - A 1 • /""^ i - 


64 




60 




61 




66 






Das die weite Welt bewect . 


52 


Das Kind 


56 


Das Leben 


70 


Dfts Lphpn Tod 1 dip Pilp-rirrmphafr 




Oass vs uns in ein und r^cht macht ist coineini^lich 


71 




52 


Das zu grose und zu kurtze Glücke 


63 


Dein Leib ist schön; noch schöner deine Seele .' . 


86 


Den Fächer in der Hand, gieng ich in meinen Garten 64 


Den Kock von Regen, "Wind und Schnee 


60 




79 


Der befolgte IJath 


66 




78 


Der Eigensinn der Zeit zog mich und Henrietten 


nr> 




62 




:>.s 












55 


Der verzweiflende Schäfer . . 


H) 






Des Abt :: * Entschluss bey Erbauung seines Klosters 


57 



XXX 



Seit« 

Des schönen Frühlings Hoffurier 59 

Die Damen scheinen hier den edlen Nachtviolen . . GS 

Die Götter thaten, uns zu necken 80 

Die himmlische und irdische Venus 76 

Die Hirtin 57 

Die Klage 59 

Die Liebe 73 

Diese blüthenvolle Schale 81 

Die wahre Liebe. Eine Nachahmung 44 

Die Wiederkunft 78 

Die Wunder alter Zeiten sind keine falsche Sage . 79 

Durchbohrt von tausend Pfeilen 87 

Du reiner Bach, der seine Quelle flieht 80 

Du sagst, ich würde dich recht sonderbar verbinden 72 

Du schöner Garten du, wo blühend, in Alleen ... 69 

Du und Sie 82 

Eines Tages kam Cythere 50 

Ein gutes Triolet zu machen 84 



Ein Mäulgcn hat mein Mund von Ihrem Mund geraubet 63 
Ein Reisender kam einst nach Zabcrn hin .... 71 
Empfang, wie du verdienst, von jedem der dich liebet 76 



Erstes Rondeau: nach einem französischen Dichter 

aus dem 14. Jahrhundert 59 

Es sagte Stella 75 

Es setzt' in ihren alten Tagen 75 

Fabel 71 

Flieh nicht den Amor 78 

Fragment 72 

Freundin, schön wie Hespers Blicke 54 

Galathea, wohin floh sie, die goldne Zeit 82 

Gefährlichkeit des Lobs 68 

Geliebter, glaube mir, ein Mensch ist glücklich dran 16 

Gott des Schlafes, du bist schlau 57 

Grabschrift 86 

► 

Hand, mit Aurorens Hand 67 

Hätt' ich eine Monarchie 89 

Henrichs des IVM* Abschied von der schönen Gabrielle. 

(Aus seinem Französischen.) 87 

Hier sasen wir beysammen 18 

Himmel! was ich nicht gelitten! 57 

Holdscelig Kind, du meine werthc Freude .... 15 

Hvmen stand im Hinterhalte 77 

Hymen und die Truppen Amois 77 



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XXXI 

Seite 



leb merke, dass die Flur, die Stadt, die ganze Welt 74 

Ich schreibe nur, was ich empfinde 11 

Jenes Täubgen von dem Wagen 77 

Ihr Geschenke der Natur 85 

Ihr habt mir lange schon, ich sey nicht schön, gesagt 73 

Ihr Nymphen, euer Hirt, dem Pau im Singen gleich 78 

Ihr Vögel, ist's Aurorens Strahl 73 

In einer unsrer Reichs-Provinzen 79 

Ist Lycidas nicht mehr am Leben? 67 

Jüngst kam Cupido von Mirenen 59 

Jüngst sah ich den Cupido 62 

Kunz und Görgel 62 

Liebe brauchet nicht Verstand * . . 68 

Lob des Anakreons und der Sappho 52 

Luna und ihre Mutter Latona 71 

Madrigal 78 

Madrigal 84 

Madrigal 88 

Magister Dumm, ihr lärmt und schwört 87 

Meine allererste Heime 74 

Mich Hess Apoll auf des Parnasses Höhen .... 76 

Mit einem Helme hatte man 64 

Mit empfindlichem Vergnügen 70 

Mit stolz erhabner Stirn', und nicht durch Last ge- 
drückt 71 

Mit Thränen seh ich dich von dem erhabnen Strand 42 

Morgen sollstu bey mir, wie ein König ..... 61 

Myrins Sinngedicht auf den Thirsis 78 

Nach dem Rousseau 75 

Nach so viel überstandnem Kummer 8 

Ohngefähr vor sieben Jahren 66 

0 möcht ich, so wie ihr, geliebten Bienen, seynl . . 5 

Opfer für meine Freunde 84 

Petrarch ... 74 

Phillis, die die Tugend kennet 56 

Phoebus sah Amalien 58 

Prosaische Ode. An den Marquis von Montbarey . 45 

Ringelgedicht. Auf einen Brandweinbrenner, der ge- 
raume Zeit Reuter, und Marcketender gewesen, 

zuletzt aber Abt geworden 64 



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XXXII 



Seite 

Sage, sprach ich zu der Freude 84 

Sans les illusions, que servient nos plaisirs .... 59 

Schlage mich nicht, liebe Mutter 56 

Seine Aehnlichkeit mit Apollen 75 

Seladon 69 

Serenens Unbestand 81 

Sie kommt, sie kommt zurück für die ich stets ge- 
brennet 78 

Sie liebet mich, um die ich mich bemühte! .... 64 

Sinngedicht 64 

Sinngedicht . , 68 

Sinngedicht ■ 71 

Sinngedicht 88 

Süsigkeit der Liebe 80 

[Triolet] 84 

Ueber den Tod seines Bruders Cornelius Georg Götzens 21 

Ueber die Springbrunnen zu Paris 73 

Ueber die Wiedergenesung der Kayserin Frau Mutter, 

und des Pabstes zu gleicher Zeit 53 

Ueber ihre Blässe 72 

Ueber seine Freundschaft mit der Thirsis .... 18 

Verzehrt von Harm und Liebe 81 

Von allen Sterblichen auf Erden 42 

Von ohngefahr gefiel mir Amarille C5 

Von Schreibesucht den Dichter zu entwöhnen ... 72 

Von sich selbst 42 

Vor Zeiten reisste der Verstand 68 

Wann ich ein Lamm, ein Kränzchen, eine Taube . . 84 

Warnung an einen schönen Knaben 15 

Wärs Wetter schön 55 

Was hör ich hier vor Symphonien? 5 

Was ist so anmuthsvoll und hold? 76 

W T as seh ich? Himmel hilf! so zarte Wangen ... 23 

Was von ohngefahr geschehen könnte 65 

Weil alles nach Verdienst klein oder gross muss. seyn 57 

Weinet Charitinnen, weinet Amors 60 

Welche schöne Schäferin 39 

Welch Gift voll lieblicher Gefahr 68 

Welch süsse Wohllust so zu trincken 62 

Wie ein Gewölk, so schnelle 70 

Wie lange willstu dich betrüben ? 63 

Wie lieb ich dich, du unbezwungener Krieger ... 40 



v 



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XXXIII 

Seite 



Willst du mich nicht glücklich machen? 88 

Wünsche des Dichters 5 

Zu begierig, unsre stille Hütten 58 

Zuschrifft an den Herrn A. R. H . . zu H 81 

Zweytes Rondeau (JO 

Zybele, die grosse Mutter 85 



Deutsche Littcraturdcnkmele. 42. 



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Inhalt 



Sehe 



Einleitung 

Alphabetisches Verzeichnis der Anfangszeilen und Ueber- 

schriften der Gedichte XX 

Versuch eines Wormsers in Gedichten. 1745 . . 

1. Wünsche des Dichters 

2. * An Herrn E. C. Weise 

3. * Bey Erblickung seiner Vaterstadt 

4. * An seinen ältesten Bruder 

5. Warnung an einen schönen Knaben 

(>. An seinen Freund Dämon 

7. Über seine Freundschaft mit dem Thirsis . . . 
8* Über den Tod seines Bruders Cornelius Georg 

Götzens. 1747 

Aus der Handschrift 

J). Attis. Eine Erzehlung. Seinem zweeten Bruder 
zugeeignet 

10. Bey Erblickung einer schönen Person . . . . 

11. An den Grafen von Stralenheim, Meitre de Camp, 

und Obrister beym Regiment Roy al- Alleina nd 

12. f Aglaja an die Nacht 

13. An eine Schäferin jenseits des Wassers . . . . 

14. Von sich selbst 

15. Auf den Burgunderwein 

Ki. Die wahre Liebe. Eine Nachahmung . . . . 

17. f Prosaische Ode. An den Marquis von Montbarey 

18. Anakreons Vermählung 

19. * Lob des Anakreons und der Sappho 

20 Das Vergnügen 

T)ie mit f bezeichneten Stücke sind hier tum ersten Male $edi 
t * bezeichneten fehlen in der Ramlcrgchen Auggabe. 



3 
5 
5 
8 
11 
15 

i<; 

18 

21 
31 

33 
3<) 

40 
42 
42 
42 
43 
44 
45 
50 
52 
52 




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XXXV 



Seite 

21. Uber die Wiedergenesung der Kayserin Frau 

Mutter, und des Pabstes zu gleicher Zeit . . 53 

22. Auf ihren Geburtstag 54 

23. Der Schmetterling und die Biene 55 

24. An Phillis 55 

25. An die Nachtigall 56 

26. f Das Kind 56 

27. An das Grass, worauf Phillis geruht 56 

28. Die Hirtin 57 

20. An Morpheus 57 

30. Des Abt * * Entschluss bey Erbauung seines 

Klosters 57 

31. f Amaiia 58 

32. Der Frühling 58 

33. Dio Klage 51) 

34. Sans les illusions, quo servient nos plaisirs . . 59 

35. Erstes Rondeau: nach einem französischen Dichter 

aus dem 14. Jahrhundert . 59 

36. Zweytes Rondoau 60 

37. f Catulls 3«>« Sinngedicht HO 

38. Catulls 13. Sinngedicht 61 

39* Kunz und Görgel «2 

40. f Der flüchtige Amor . . ; 62 

41. Aglaja an Äthamas 63 

42. * Das zu grose und zu kurtze Glücke 63 

43. Bitte an die Götter 64 

44. f Sinngedicht 64 

45. Ringelgedicht. Auf einen Brandweinbrenner, der 

geraume Zeit Reuter, und Marckctender ge- 
wesen, zuletzt aber Abt geworden .... 64 

46. Als Timolcon zu heyrathon gezwungen ward . 65 

47. * Was von ohngefähr geschehen könnte .... 65 

48. Der befolgte Rath 66 

49. Akanth und Phryne 66 

50. f Auf Olympens Hand 67 

51. f Auf den Tod eines Freundes 67 

52. f Gefährlichkeit des Lobs (58 

53. Liebe brauchet nicht Verstand 68 

54. * Sinngedicht 68 

55. Auf den Lustgarten zu * * * 69 

56. Seladon 69 

57. Das Leben 70 

58. f An die Frau von * * * 70 

59. f Luna und ihre Mutter Latona H 

60. Fabel 71 

61. Sinngedicht 



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XXXVI 

Seite 



02. Über ihre Blässe 72 

03. Bcy Gelegenheit der Aufnahm eines schönen 

Geistes unter die 40. besoldete Mitglieder der 

französischen Akademie 72 

04. f Fragment 72 

(»5 Über die Springbrunnen zu Paris 73 

00. Die Liebe 73 

07. An gewisse Frauenzimmer 73 

08. An Pnillis « 74 

09. Petrarch 74 

70. Nach dem Rousseau 75 

71. Seine Ähnlichkeit mit Apollcn 75 

72. Angebinde 70 

73. Das Anmuthsvollc und Holde 70 

74. Die himmlische und irdische Venus 70 

75. An die Frau von * * * 77 

70. Hymen und die Truppen Amors 77 

77. f Myrins Sinngedicht auf den Thirsis 78 

78. Die Wiederkunft 78 

70. Madrigal 78 

80. Der dichtende Knabe 78 

81. Auf einen unglücklichen Arzt 79 

82. Der Amtmann 79 

83. Der verzweirlende Schäfer 80 

84. Süsigkoit der Liebe 80 

8f>. Serenens Unbestand 81 

80. Zuschrirft an den Herrn A. R. II . . zu H. . . . 81 

87. Du und Sie 82 

88. Madrigal 84 

80. Opfer für meine Freunde 84 

90. * (Triolet) 84 

91. Der Preis der Schönheit 85 

92. An seine Reime 85 

93 * An Olympen 80 

94. Grabsehrift 80 

95. f An Magister Dumm, der sich beschwerete dass 

sich Docter Stumm ein Werckchen zueigne, 

das Er doch verfertiget habe 87 

IN». Henrichs des IV. 1 «» Abschied von der schönen 

Gabrielle. (Aus seinem französischen.) . . 87 

97. * Sinngedicht 88 

98. Madrigal 88 

99. An die Frau von . 89 



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Gedichte 

von 

Johann Nicolaus Götz 



aus den Jahren 1745—1765. 



$erfud) 

eiltet SSormferS 

in 



HORAT. ART. POET. 

didicit, patriae quid debeat, et quid ainicis, 

Quo sit amore parens, quo frater amandus. 



1745. 



r ^ 

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[3] Sünfdjc bc$ Sid)tcr3. 



1 



SD tnödjt idj, fo nrie if)r, geliebten Lienen, fetjn! 
Hit innerm ©eifte gro3, obtDo()( öon (Sörper Hein; 
$Röd)t idj fo fdjnell, nue iljr, fo glütflidj im ©emüljen 
1)er SBiffenfdjaften Selb, fo weit e3 ift, burdföiefjen ; 

<2>o ftoref burd) ©mfigfeit, fo fäljig burdj 9fatur, 5 
33on Äunft ju fünften gefjn, lote iljr oon 3(ur auf tjlur; 
SBemttljt ben treuen fjfreunb burd) Wufcen ju ergoßen; 
^Bereit bem fülmen Seinb ben Dingel anjufefcen. 

2Bte fel)n(id) tt)ünfd)t mein £erfc, bafj ftetS mein föeimgebäu, 
$ln $unft unb Drbnung rcid), mic eure (Sellen, fetj, 10 
Unb mein gelinber 33er3, mte euer £onig flieffe, 
So naljrfjaft für ben ©eift, wie für bie Sinnen füffe. 



W 3Cn £crrn G. <£. SBcifc. 2 

2ßoJ fjör id) l)ier oor Sftmpljonien? 

Unb meldje freubenooße Sdjaar 
£iegt auf bem 9lntüj> unb ben tönien 

93or bem geheiligten Elitär? 
SBeldj eine ©ottljeit läft fid) fpüren? s 
$ie (Steine fdjeinen fid) 511 rüljren, 

Unb jener meiffe Marmor l)aud)t. 
£) bret)ma( feeligeS ®efid)tc! 
©£)tt jeiget mir in feinem S'idjte, 

2£en er 31t feinem ÜBertfjeug braudjt. 10 

[5] £) $)id)tfunft, greunbin frommer Xlnonen, 

2£a3 fdjwebt bort für ein ebleS ©Hb? 
£er Sdjufegeift meiner $angionen 

3n einen golbnen £uft oerljüllt. 
$od) tuen oon feinen flugen Söhnen 15 
Steint feine red)te §anb 3U frönen? ) 

2öeld) ift fein Tanten unb fein £ob? 



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[2 



3d) trag Hm über gelb unb £ügcf, 
eo I)od), atö efjmap ^tnbarS fttögel 
20 Ten föniglid)cn Kämpfer fjob. 

(Srfenn iijn fjter an bem (Meite, 
Ta3 fid) befc^äftißt um if)n brel)t. 

Tic ^(ugljeit gef)t gur regten 3eite, 
3uv linden &u(b unb üttajeftä't; 
25 Unb bic (Sntfdjfoffenljeit unb Treue 

bereiten in bei* fdjonften 9ieif)e 

Ten 2$eg öor ifjm gu nnferm 3£ofj(. 

Tic ftub£, bie if^n fo fd)ön fonniret; 

©ein £erfcc, bind) fie angefüljret, 
30 3ft Ujrer eMen Scfjren Doli. 

[6] (Sr luciS in SBtnben unb in Stürmen, 
2Bann anbre öon beut ©teuer füefjn, 
Ta§ ©d)if be3 ©taateä ju befdjirmen, 
Unb füfjrt e§ burd) bie ©urten fjin. 
35 CSrfc^affen, Bürger erhalten, 

Unb fäl)ig, ©cepter 51t Dcnuaften, 

2£ei§ er fcon feiner 9ftebrigfeit. 
SBann i(m bie Bürger jürnen Ijöreu, 
D ®Ctt! mie fliefen ifjrc 3äfjren? 
40 2SMe quiat ifjr #er<5 Don bitterm £el;b? 

?U3 efjmctfö auf Langaus £>öf)en 
Te3 £rpl)eu3 frumme Sctjcr ftang, 

$onnt man an ge(3 unb Stoffen fef/en, 
2£ie fie bie $?ad)t ber Ifjonfunft stuang; 
45 Ta faf) man auf ber Geber ©pi^en, 

Ten 9lbler ftiü unb (aufdjcnb ftfcen, 
Ter lieber $eife beraufdjte ünt; 

(5r fenefte nttfenb fein ©efteber, 

Unb über feine 9lugenticber 
50 SBorf ftd) bcS ©d)(afe3 SBoltfc Inn: 



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[7] So jmingt bie $raft Don feinen ©rünben 

Der £örer mieberfpenftig ^erfc. 
(Er fprid)t ; fein SBort mug übevn)inben. 

C£r tvöjtet, nnb c3 fleucht ber (Sdmterfc; 
Dnvd) feine fjofje 2(rt $ü benefen, 
2l>u3t er ond) Könige ju tentfen, 

3fjm nnb ben ^Bürgern fyolb ^u fetm. 
£ Didjthmft! fan id) mid) betrügen? 
SüBein fättt nidjt ben fo Haren 3»9 C « 

Da3 93ilb beS grofen iBeifen ein? 

SS^aiS fdjtmmeit aber bort öon weiten? 

2)fein Möber «lief oerüert ftd) ganfc. 
3d) fei) ba£ ©olb ber fünftgen Reiten, 

3d) fef)e 2£orm§ in neuem ©fanfc. 
Die Bürger lieben fünfte (Sitten, 
Der Seinb im §erfcen mirb beftritten, 

Der Dugenb 9)?attigfeit crfrifdjt; 
Unb $inber fyörcn auf jn ftöfmen, 
^eit ÜBeife bie gered)tcn Dfjränen 

$on iljren jarten fangen mifdjt. 

[8] (Er fdjaffet, bafc in unfern Sljoren 

Der griebe, felbft jur $iicg$$eit thront; 
Dag UeberfluS, ben mir oerlofyren, 

5luf^ neu in unfern Kammern moljnt. 
(5$ Müfjen Bingert, gelb unb 2luen, 
Die 2lrt erfdjaflt, mau f)örct bauen, 

DeS $ünftler3 fdjarfer Sfteifcl Hingt, 
Unb auf be3 feines Haren Siefen 
<£d)tmmmt ein belebter 2£alb oon Sdjiffen, 

Der unS ber gremben SReidjtfmm bringt. 

£> SBeife, $ater unb Vergnügen, 

$on ©DtteS £ulb unfdjäfebar ^fanb, 

ü?a§ borten beute 33ücfe fliegen 
3n ber entbunbnen öeifter l'anb. 



s 



[3 



85 (3d}au ba, toad fünftig ift, im mibe; 

SEBem ladjt bieS glänfcenbe ©efübe, 

$>ie3 feetge $eid) t>ott §errlid)feit? 
2öcm finb bod) biefc 9tofenf elber, 
$)te 93lumenflur unb SDtyrtentoälber, 

90 $urd) @£)tte3 ginget- ^bereit? 

[9] Wdjt Königen, ber 2M)tfuft tnedjten; 

9ttd)t ßerrfdjern bunfj ben ®eifc entgttnbt; 
Stein; nur ben <5d)atten ber ©eredjten, 
$ie Säter ifjreS 93olcfe3 ftnb. 
95 3)a fjerrfdjt ifet bie öottfommne <5ee(e, 

Um beren 2lüfdjieb id) mid) quäle, 

(Srfjaben über £ob unb 3ett; 
Sern, SBeife, lern i()r äljnlid) loerben; 
2)ie £ugenb lof>nt auf biefer (Srben; 
ioo Die £ugcnb lofjnt in (Sroigfeit. 

:) [10] 33e$ ©rMitfuttg fetner 

Saterfrabt. 

Wadj fo Diel überftanbnem Äummer 

(Smpftnb id) nun, ba§ biefc SRul) 
9?od) fanfter, als ein s JDiittag3fd)lummer 

Set) fdjnmten (Sommertogen, tfju. 
s 9ftein SBororä erqöfct nüd) fdjon ton Seine; 

2Bie nrirb erft bie Gntyürfunq fet)n, 
Sefjr id) betjm ©lanfc ber Slbenbfterne 

3n feinen 9)?auren jaudjfeenb ein? 

[11] Sofern mid) nid)t bie 2 innen trügen, 
io Oo fe() id) bid), mein 3tf)afa! 

233o id), getuinbelt in ber ^Biegen 
3uerft ba3 f;otbc XagSlidjt fal); 



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2Do oft mein SSater üott (Erbarmen, 
3n feinem £eben §u mir fam, 

Unb mid) oon meiner Butter Firmen 
Wit liebevollen ^Sorten nal)m. 

3)Mn §erfee jaget mir im (stillen, 
5ln biefem gluS, an biefem gelb, 
2öo (Ströme gelben deines quillen, 

Unb dereö 3nid)t bie 8d)eunen fdjtueflt, 
9ln biefem <2d)melfc Geblümter Triften, 

3ln ollem urnS bie ®egenb fjat, 
3ctbft an ben Xfjürmen in ben Vüften 

(Srfennft bn beine Skterftabt. 

[12] JD fenb gegrüßt, ifjr 33angionen, 

Der 3'iiebe feljre mit mir ein, 
Der griebe müffe ben eud) luofyneu, 

Unb feft an eud) gefeffelt femt. 
Unb bu, o Xljurn, bort in ber Stritte! 

2Bie ift mir ? ad) ! mein §erfce bebt = = = 
3ft, ober ift bieS nidjt bie §ütte, 

3n roetdjer meine 9J?utter lebt? 

£ier marS = = 3d) fenne nodj bie Stelle, - = 

2£o einft mein ^ebemoljl erfdjoll. 
Du X^iire, bu geliebte Sdjroelle, 

Du fafjcft meine tränen moljl. 
Du fal)ft mid) nod) am (Stfc meinen, 

Wit Wen unb Se()itfud)t rürfnmrtS feljn. 
£> glitte, leben nod) bie ^feinen? 

Unb bavf id) aud) 31t ifjnen gel)n? 

[13] 2öa3 frag id)? ift mir ifp öcmütfjc 

9todj fo oiel 3al)ren nidjt befannt? 

3ä'l)lft bu bic groben ifjrcr ®üte, 

(So jäf)lft bu aud) beS s Jil)etne3 Sanb. 

Dod) fdjmör id) fjier bet; §amt unb -Diattcn, 



10 



93et) ädern wa§ nur fjeilig ift, 
3a fcfbft bei) meinet 93ater3 Sdjatten, 
Daft mir ifjr 2öol)ltl)im nid)t öergi^t. 

9hm enbigt eud), Ujr bittern Stunben, 

3fjr füffern £age faf)ct an, 
9?un idj mein ^aterlanb gefunben, 

Wun id) bie deinen füffcn fann. 
D $orfid)t, mirft bein fyeilger 3SMt(e, 

9Kir nodj ein 3faf)v $u (eben, ju, 
So gönne mir in fanfter ©tiüfc 

3n ifjrem Sdjoofe grieb unb 

[U] £u prüftcft mid) buvdj fdjmcre 3 C ^ CU > 

9hm fcnnftu ja mein junget §erfc. 
$icr 3a()vc Dotier Bangigkeiten, 

©cfaijr, 2lngft, Ärand'fyeit, Uumutf), Sdjmerfc, 
3)e3 £obe£ SBurm im (Singeroeibe, 

9)Mand)olet) in ©eift unb Sinn, 
3)ie viffcn Hoffnung, Xroft unb Sfreube, 

Selbft afle £uft ju leben, f)in. 

&>a§ bort bcr fromme £clb erlitten, 

Sturm, Ungenntter, Wiß unb Scrmee, 
£Me Sinbc mieber 2ötnbe ftritten, 

?itt id) nid)t minbcr aud) $ur See. 
?(udj fonnt id) auf be§ ÜBkfferä S(äd)en, 

1)ie graufen Ungeheuer fefjn; 
3lud) r)ört id) 9J?aft unb Segel bredjen, 

Sal) Sd)iff unb Sdjifuolcf untergeht. 

[15] (Stnft, a(3 uon Stürmen fjingcriffen, 

9Jiein Sd)if balb nad) ben 28o(cfen gieng, 

Salb in be3 ^IbgrunbS Jinfterniffen, 
33ebecft mit ifikffern, fradjenb fyieng; 

2(13 id) bem rocrtfjcn ^aterlanbe 
Entfernt ben legten Seegen gab, 



4] 



11 



Unb fteben äRettett oon bem ©tranbc 

9?un nichts mcl)r toÄnfdfjtc, bann ein ©rab: 

£a fpattete mit rafdjen hoffen 

®cr ©eift beu 8ee ber fciefe £d)oo3, 
$am, a(3 ein ©front, fjeruorgefd) offen, 

Unb mad)te mirf) be3 ftummerä feg. 
6ofm, fyrad) er, roafjrer 2o(m ber Üugenb, 

$a(t in ißerfudjung mir Seßanb, 
3d) ftebe bid) unb beine Sugenb, 

Unb fd)entfe bid) bem $ater(anb. 

[16] Xu f otft bem netten Xob entgegen, 

1)ie Kurten werben bir nid)t3 tljun; 
2)te alte SWutter nurft bu fcfjen, 

Unb in ber trüber Ernten ru^n. 
X\e§ Wlcev, muß eS gfeid) gajler ftrafen, 

<&oli nie ba3 ©rab ber £ugeub feim. 
So, ja, bort fefj id) bid) fdjon fd)(afen 

2luf jenem Ufer an bem 9tycin. 

-Da ()ör id) bid) auf Reifen Raiten 

3n bem berühmten Waulbeenuafb, 
9)?cin i'ob au3 Danrfbarfeit üerbreiten, 

3>aß ba3 ©efjMfce micberfd)aüt. 
2>a fannft bu bein bcgÜttfteS Veben 

2>er 8d)aar ber fdjönen fünfte toet^n, 
Um, menn bu cinft wirft Slbfdjicb geben, 

3m Üobe nod) bemeint ju fetm. 

[n] SJn fctucit älteftcu ©ruber. 

3d) fdjreibe nur, roa§ id) empfinbc, 
Unb bidjte, liebfter trüber, nidjt. 
2Bann biefcS £ieb $u aärtüd) fpridjt, 

8o rcdju' e<§ ber Watur jur Sünbe. 



V2 



3c weiter bu entfernet bift, 

3e minber bid) mein £cr§ oergift. 

Gin 93oot3mann büdet nod) mit gittern 
$om fiebern Stranb auf$ fjofye 9tteer, 
2Bo ifmx ber fluten frurmenb $eer, 

23en finftrer 9tod)t unb Ungenrittern 
Sein fdjroerbe(abne3 Sd)iff innrang, 
Um 3el3 jerfdjhig, unb benn üerfdjlang: 

So fdjauert mir audj mein ©ebeine, 

Äömmt mir bie Äranrffjeit in ben Sinn, 
2Boöon id) yuar entbnnbcn bin, 

Xod) bie id) einfam nod) bemeine, 

Seit fie be3 £cibe3 Üflartf unb «reift, 
9Jebft meiner 3ugenb Inngeraft. 

Sie fam in Heroen unb (betende, 
^ertrorfnete ber $(bcrn 33 (ut, 
Unb trotte mit Dermefyrter 2&utfj 

ÄrfctcS eMen fträutcrtväncfe. 
$d)! rief man balb mitlcibig au£, 
(Sijdjrirf nidjt, unb beftefl bein §au£. 

3d) tljatS, unb fdjmieg in meinen Sdjmerfcen; 

Die ©nabe ftärdte ben $3erfranb; 

Xod) (ag mir nod) mein 93aterlanb, 
9?ebft meinem Sdjöpfcr, na() am $cr^en, 

Unb jeber greunb ben id) toerlofyr, 

Slam mir in ber Scrnurrung fcor. 

Xa falj unb grü3t id) meine trüber, 
Unb glaubte, baft id) fie umfieng. 
Xod) menu bie ^fjantafie ücvgieng, 

5ld) ! fo uerfdjtuanben fie aud) mieber; 
X\c$ mad)te, bafj in meinen SdjooS 
(Siu Strom t»on bittern Qäfyxen flo3. 



] 



13 



Sprad) man bernt, midj bergnügt #1 magert, 
Sic Ijaben fidj üieüeidjt oerftetft, 
Unb werben, roenn ber borgen metft, 

3)ir anmutfjSüott entgegen ladjen; 
So hmdjt idj, bii ber borgen tarn, 
Unb fanb fie nidjt, unb fdjüef für ©ram. 

hierauf erlaub fidj cvft mein Reiben, 

2Bei( mir§ fo benn im Xraume fdjien, 
SfiMe fic im grünen 3e(bc fliegt, 

Unb fonber Slbfdjieb Don mir fdjeiben, 
3a, auf mein roefymutfujofleS 3lef)n 
yixdjt einmal freunblid) rürfroärtS fefm. 

[20] So marb mir jeber Xag jur 2£odjcn, 
Unb jebe SBodje wie ein $a\)x; 
Unb tuaS oon mir nod) übrig mar, 
2£ar ein ®eribbe bürrer $nod)en, 

$)a§ fonft nichts mefjr oom £eben nrieS, 
2lß bafj e§ nur nod) 2lt(jem büeS. 

(£inmal)t erroadjt id) unjufrieben, 
Sa§ in bem oben £ager auf, 
meinen Tfyvänen freien £auf, 

Unb roanbt mein $(ntlifc gegen Süben, 
2öo bie begtärfte ®egenb Hegt, 
$a man mid) efjebem geroiegt. 

2ld)! fpradj id), ljier in fremben dauern, 
2Bart id) auf§ (Snbe meiner -iftotl), 
$ein Sreunb erfahret meinen Job, 

3d) 5lrmer! wer nnrb mid) bebauern? 
5ß>er brütfet mir bie klugen ju? 
Scr nmnfdjt mir eine fanfte $ul)? 

[21] ©eljabt eud) roofjf, tfjr feuern Seelen, 
$u, roeldjc mid) jur 2BeIt gebaljr, 



14 



£u, meiner roertljen SBvübcr 3djaar, 
SaSt eud) nid)t meinen 2lbfd)ieb quälen; 
3dj folge meinet Katers Spur, 
Xer üor mir in bie ©rubc fufjr. 

3a, $ater, jronr bie ftävcf jten ÜHauern 
3erftört ber Reiten ©raufamfeit; 
Xoä) fott bein 9?ad)rul)iu lange 3 e ^ 

5(uf beiner &inber V'ippen bauern, 
£ie bu gleich guten ©ärtnern ^ogft, 
Unb fdjon ate ^arte ^flanfcen bogft. 

XieS tualjre £ob, berocinter 2d)attcn, 
s J?imm nod) in beinen ©ruften f)in, 
Unb warte bi3 mein treuer Sinn, 

©ebunben in be3 Rimmels hatten, 
%u$ finblirfjer ©rfäntüdjfeit 
3)ir ein üoUfommner Opfer n>eil)t. 

[22] 9lud) tfjr, o meitcntlegnen Eliten 

$er alten $atcrftabt am Styein, 
Vebt U)o()(, unb fte()t üotl $orn unb Sein; 
3d) werb eud) niemals nneberfdjauen; 
1>od) all^eir, iv»te bi3()er gefdjefjn, 
gür euer 2i?of)l gen §imme( fleljn. 

Nun liefr' id) meines £eibe£ 53ürbe 

3» $urfcem in be3 XobeS §anb; 

93eglütft! menn id) in beinern 3anb, 
öeliebteS 2Borm3, toetfdjarret tuurbe. 

Wut) büntft, baß id) nod) ein3 fo njoljl 

KSbenn im ©rabc ruljen fott. 

So fprad) id), unb fafj fdjon öon weiten, 
$on biefer (Srbe jäljem s 3knb, 



5] 



15 



Der blaffen Statten ftißeä ?anb, 
Da3 groffe 9teid) ber (Sinigfeiten : 
®cliebtefter, ba fame|l bu, 
Unb mit bir att mein QMiitf unb 9ful) = = = = 

[23] SBanrnng an einen frönen 

®nafan. 

§otbfee(ig £inb, btt meine uertfje greubc, 

9lnmutf)ig, mie ber SJBeft, 
%?in, toie ein £amm, ba3 auf ber SrüfjüngSmeibe 

s 2lm 33ad) fid) firngen lü3t. 

DieS gotbnc $aar, baft fid) tfct furfcgehollet 

Um beine (idjläfc f nimmt, 
Ü£enn eS einft braun in (äugen Dorfen rottet, 

Unb auf ben Sdjultern fdmnmmt; 

2Benn $ebeu3 §anb mit einem garten 2d)atten 

Dein runbe3 $inn behont, 

Unb ftd) bein ®eift nad) freuen 93(umenmatten, 
Unb ofnen Seibern fefmt; 

[24] 2Benn einft bein £eib in fjolber fdjfanfcv ?änge 
3nr 3)?äunergrÖfe fteigt, 
2Bie Gebern tfjun, bie in berühmter 2ftenge 
Der fjeilge §ermon jeugt: 

Htebann, o £ofm, fleud), g(cid) bem 2txat)l ber Söüfce, 

Den angenehmen 2tranb, 
333o neben bir auf einem SRafcnfifce 

Didj Doris fd)ön genannt, 

2Bo fte gefagt, ba§ bir ber Seinftotf blühet, 

Unb auf bem 53(umenfe(b, 
Um bid) ju fet)n, ber ffare Duett üerjieljet, 

Unb frol) bie Ufer fdjmellt, 



16 



[6 



2>aj$ nur für bidj bie füljlenbe SRelone 

$lm (Sonnenftrale reift, 
Unb mir für bid) kr £enfe, be£ Ärone, 

3m föofenroälbgen ftreift. 

[25] Sofm, wenn fie einft, inbem fte SBlumen pflücfet, 
jj)ie (Stengel nad) bir fdjmeiSt, 
2ßie? ober boefj bie fteifen (Stengel fnitfet, 
Unb btr fid) fpröb entreißt, 

Unb tuie ein $ef) in junge Hflnrtcnljetfen 

9ßidjt ol)nc ©djalffjeit fliegt, 
$or tyrem greunb fid) fd)üd)tem ju oerfterfen, 

$od) fo, baf$ er fie fier)t : 

(So folg ifjr ntd)t; fie leitet beine Sugenb, 

Sluf ^Pfobe DoHer SBlut. 
$ldj! folge nur ber emigfdjönen Xugenb; 

2)ie ift ba§ l)öd)fte ©ut. 

£)ie toirb bid) audj im £obe nidjt oerlaffen; 

$erlaffe fte nur nie. 
2Ba3 mär idj, adj! toenn bu mid) tooHtcft Raffen? 

2BaS märft bu ofme fie? 



[26] 2fn feinen <$reitnb Danton. 

(beliebter, glaube mir, ein 9JJenfdj ift glüdüdj brau, 

j^er in bem treuen (SdjooS üon 3 rßun ben rufjen famt, 
$ie mit vereintem SfeiS nadj $unft unb SBeiSfjeit frreben, 
Unb aud) ber 9J?enfd)lid)feit, ma3 ifjr gebühret, geben. 

(Sin foldjer ift geroiS ber meifen ^enne (Soljn; 

$>ie (Bonne fieljt auf if)n oon tfjrem gotbnen £Ijron 
39? it 9?cib unb ©roll fjerab, unb nritnfd)t fid) foldje (Brunben, 
2£ie jnnfdjen mir unb bir in reiner £uft berfdjnwnben. 




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0} 



17 



[27] $em £öd)ften fei) gebantft, ber, wenn id)3 fogen bavf, 

W\ö) aus befonbrer §u(b in beine Sirmen warf; 10 
Unb als td) bid) einmal in feinem Stempel flaute, 
Stfid) aud) fo gleid) mit bir bor feinem 2l(tar traute.* 

(Seit biefem fam mirS oor bei) aller ©flatteret}, 

2l(S ob id) forgenlo^, unb ungebunben fei); 
3d) glaubte, wenn id) bid) auS füffer £iebe fjerfcte, 15 
(SurnaluS ju fetm, ber mit bem 9fifuS fdjerfete, 

Unb fal) id) bid) ^u mir mit fjolben ©dritten gefjn, 

<Bo metjnt id), mie im Xraum, bie SKufen felbft ju fefjn. 

£) bafj ber Gimmel mir baS fjolje ®(ütfc gönnte! 

Dafj id) 5unäd)ft bet) bir auf etuig mofjneu fönnte; 20 
Unb ba§ id) biefe ©tirn, ben Ztjxon ber SReblidjfcit, 
$>ieS l)olbe Slugenpaar, baS fo oiet Shtmutfj ftreut, 

Unb biefen füffen 9)funb, ber oft mein §erfe bewegte, 

3>en langen £ag ^inburd) befdjaun unb f)ören mögte! 

[28] 2Benn eine 9tadjtigatl bie narfte Sörut üerläSt, 25 

<2o fc^retjt unb jnnfcert fie in bem einfamen 9?eft, 
9flan fteljt fie ring§uml)er auf bie begrünten $Iuen, 
$>ie £a'(Sgen auSgefhecft, mit ofnen ©djnnbeln, fd)auen, 
23iS aus ber nafjen ©aat ber Butter ©timm erflingt, 
Die fdjon geflogen fommt, unb frifdjeS Butter bringt: 30 
©0 feljn idj mid) nadj bir. 3d) mujj eS enblid) toagen, 
Dir, maS idj leiben mufj, mein mertfjer greunb, ju fagen. 
2ttein §erfee wallet fd)on aufs neue ju bir Ijin, 
2Benn id) nur einen £ag oon bir gefdjieben bin; 
©djau idj nidjt ftetS bein 33ttb leibhaftig oor mir fdjtoeben, 35 
©0 feljlt mir alle £uft in biefem i'anb 31t leben; 
2)eS SageS falber ©traljl ift mir aisbann oerljaSt, 
Unb jebe ©ommernadjt bie allerfdjroerfte l'aft. 

* eic (efamen in einer JUrdje (Gelegenheit einanber feituen 
}ii lernen. 

Deutsche Lltteraturdenkmale. 42. 2 



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18 _ [* 

[291 2ld) ! bifi: bu bann mein greunb, f udjft bu mein © (ücf bauen, 
40 <£o fajj bid) jeben Dag bei) beinern greunbe fdjauen; 

2Benn bu beb mir ntd)t bift, fo leb id) als verbannt; 
2£o bu, ©eltebter, bift, ba ift mein Saterlanb. 

* * * * 

7 [30] lieber feine greunbfdjaft mit 

beut Sljirfig. 

ipier fafen mir beisammen 

5lnt «einen SSafferfatt, 
Unb fangen unfre Rammen 

Dem Mumenboflen XfjaL 
5 Die fäumenbe -ftareiffe, 

93og, roo mein Xfyirfte fa$, 
S3efd)weit burd) Xfnäncngüffe 

Da3 fdjöne £aupt ins ©ra§. 

[31] Da faljet i()r§, ifjr Reiben, 
io 3d) brüeft tt)nt feine §anb, 

SBanbt, reid) an ^3ein unb greuben, 

'Den 93licf $um 9$ater(anb, 
Unb fprad) mit leifem £t)one: 
Die Dugenb fegue und), 
15 Unb gebe mir jum £oI)ne, 

Sfletn ^arter ftmmb, nur bid). 

Söefennen nritt id)3 gerne, 

3d) bin nidjt beiner wertf), 
Dod) gäben mir bie <3terne, 
20 (2ßaS id) ^war nie begehrt) 

©(anfc, <Sd)ön()eit, fyofje ©aben, 

2£a§ 8ee, unb (Srbrcid) I)at, 
©ud)t id) bod) bid) $u (jaben, 

Unb bid) nur fviil) unb fpatf). 



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19 



3a, Sreunb, betj tiefen Statten, 

SBet) meinen gäfjren fn'er, 
Unb unfrer $äter Schatten 

^eug unb fduuör id) bir, 
Dir fyab id) mid) ergeben; 

Wur bid) lieb id), nädjft ©Ott; 
Darf id) beb bir nid)t leben, 

£o fityl id) ftetS ben Dob. 

ein gütiges ©efc^irfe 

«crfnüpfte mid) mit bir. 
Dein £eben ift mein ®(Me; 

2Bo bu bift, ba ift mir 
Der £immet in ber ÜMlje. 

Dod) jebe3 Döingen 3eit, 
Sofern id) bid) nid)t fefje, 

333irb mir jur (Snugfeit. 

©efunbljeit, $inb be$ £immete, 

Die aud) ber 3Beife fucfyt, 
Unb bu, geinb be3 ®etümmete, 

®dt)faf, ber ©efunbfjeit 3rud)t, 
3fjr fliegt öor meinen 33(idfen; 

D fliegt, mit ftätem 3(ug! 
Widj enu'g gu begtürfen, 

3ft Durfte fdjon genug. 



* * 



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Üöer 



bot Sob feinet $rubcr$ 

Cornelius ©eotg ®öfceu§. 

* * * 
Sattton« 

Sein 5Heim cntnieif) bieS biv gemeinte Sieb. 




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VIRGILIUS. 
Haud quicquam mihi dulce meorum 
Te sine, FIIATER, erit. 

2ßk3 fef) id)? Gimmel f)ilf! fo garte Sföangen, 
Sold) einen fdjönen SRunb, wo Suaba thront, 
Dieg fäftenbraune £aar, bie flaren 3lugen, 
SBefprifct ba3 faule ©ift bei* Sterblidjfeit? 
©rfjabne Dugenben, be£ §öd)ften Dödjter, 
©eljorfam, ()olbe Sd)am, SSefdjeibenljeit, 
(£ilt euer Sfieifterftücf gcfd)tt>inb ,31t retten, 
Sonft ftirbt mein roertfjefter (SomeliuS. 

§i(f ©Ott! eS öfnet fid) bcS Rimmels Pforte, 

©in Ijeilger 2öäd)ter fäfjrt im ©lanfc fyerab, 

Unb löfet fanft, mit beut etfjerfdjen Speere, 

Da3 fünftüdje ©emirr be3 $notcn£ auf, 

Der bie gemeinte Seele meinet SöruberS, 

5ln bieg jerbred)üd)e ©efäfe banb. 

(£r nirft unb ftirbt; 0 Gimmel! unb im Sterben 

gäflt ifjm fein 2£orm3, fein füfcS 255ormS nod) ein. 

2Bcf) mir! bu flieljft bauon, ba id) nod) atljme, 

Unb läffcft unbarmherzig mid) jurürf: 

5ld)! baft id) nidjt mit Seufzen, deinen, ©rämen, 

3um Dobtenreid) ben ßugang öfneu !ann! 

Denn fud)t id) bid), bid), nun nid)t ineljr ben Steinen, 

9lm ftiöen Sluffe ber $ergetfenl)eit, 

3n taufenb fdjattigten (E^preffcnaängcn, 

Söeijm jweiffelfjaftcn Vid)t ber Dämmerung. 

Du tuarft üoH £ieblid)feit, mic 2£clfd)laub3 Dricften, 
©efä'llig, mie ber 2£eft, wie Blumen, fd)ön, 
3Bte weiffe Lämmer ftnb, oon Ijolber Sanftmut!), 
Der feufdjen Vicbe wertfj, unb fteto geliebt. 



2i . [3 



3)u roudjfeft auf, gteidnme ein junger Lorbeer, 
so $>en alle 9Jad)t ber Slbenbftew betraut, 
$)ie grünen 2lrme fronenförmig breitet, 
Unb luftigfdjön äug fdjnjarfcem 33oben fteigt. 

3d) liebte bidj, tute (Sngel (Sngel lieben, 

91(3 ijerrfdjeten bie golbnen 3^iten nod). 
35 3el)n 3fal)re taug fal) id) btcf> alle Tage, 

$1(3 toätö an jebem £ag ba§ erftematyl. 

$amft bu allein, mir, nue bu pflagft, entgegen, 

<5o fprang um bid) ein ^peer oon Xugenben; 

Unb giengefl bu mit mir in weiten 2öüften, 
40 <So gieng ganfc 2Borm§ augleid), mein ©ruber, mit. 

9funmel}r befeufeen bid) bie golbnen 2lel)ren, 

2) ie fetten SÖMngerte, bie Sölumenflur, 

$)er prädjtge Tempel, n>o bu funftreid) fangeft, 
$)ie -jftautbeerau, unb Stadlbergs ©ommerbufd). 
45 £)er $ater SRfjein geljt au3 ben buncflen ©rotten, 
©anfc triefenb an£ ©eftab, unb rufet bir, 

3) refjt runb umljer bie grofen s #iefenaugen, 

Unb finbt bid) nidjt, unb fd)mi(§t für fjerber ^ein. 

3)ie 2Beltroei3l)eii, bie bu fo liebgewonnen,* 
50 (Sntbecfte bir if>r ebleS 5lntli§ fd)on; 

£rug bir im Dualm egnptfdjer ginfterniffe, 

1>a3 fitere £id)t ber rotljen Sarfei uor. 

£>u fjielteft ftet3 bie aufgerollte Gfjarte 

$on tljrem föeid), betradjtenb in ber #anb; 
55 3fjr 2)emantfd)lo&, ba$ in ber gerne funrfelt, 

^Bewegte ftd), wie e3 faft fdjien, 31t bir. 

9Jun lefjnt fte ftd) an beincS ©rabeS Marmor, 
3^r langet #aar folgt flatternb 3 e P^ rg $nud), 

* Qx ftarb $u §alle, reo er eben bie 2£eltn>eißf)eit 51t fiu= 
bteren angefangen fyatte. 



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8J 



25 



W\t teebem 5trm Ijerfct fte bie üofle Urne, 
Den !Reft öon bir, bcn fic mit Zfjränen fitöt: 
©o" liegt im bicfen ©djroatt befdjäumter Söogen, 
Der fltyobanuS auf einet* ©d)i(beret), 
©3 tropft fein SBart, c3 tropfen feine Dorfen, 
(Sein ftartfer 9lrm ftürjt ffammernb einen $rug. 

(So melius ©efdjenfe meinet @£)tte3, 
2ld)! al($uba(b toerläffeft bu bie &*elt. 
3n bir Derftirbt ben fünftigen ©efdj(ed)tern, 
(Sin grofer ©eift, unb jeber Üugenb $i(b. 
Du enriglid) ju (eben nmrbger Qüngüng, 
Sebft, wenn bie3 (eben (jetet, nur einen Xag, 
Den SRofen g(eid), bie ifct ber Oft gebogen, 
Unb ifct ber ©üb mit giftgen ©tidjen tobt. 

Dein früher Dob beraubt mid) aüer Sreube, 
Verbittert mir be3 Gebens ©üfigfeit. 
Der tuertljen $aterftabt beg(ürfte gelber, 
©inb nun für mid) ein umuirtljbareä l'anb. 
Die unanfe(m(id)e geringe $ütte, 
Die beiner Sugenb frofye Dage faf), 
@rgö|jet mid), roeif nod) bie Butter (cbet, 
betrübet mid), tt>ei( bu entfd)(afen bift. 

3d) fprad): fomm, r)o(bcr l'enfc! bu ©djmucf be§ 3>a^re5, 
(5§ feuf^t ge(b, 53erg, unb $fja( Derliebt nad) bir; 
güll mit beut 2(mbrabuft geium^ter Kräuter, 
Den garten 9)firtf)enf)ann, ba3 junge X()a(. 
9Iuf bunten gittidjen gelinber äöinbe, 
2Be() unS öom s J3firftgbaunt ©erüdje $n, 
Da& id) bie Heine ©tabt am SRljein befudje, 
Die grofe (Seelen jeugt. fionun, Ijolber ?cn^! 

Nun ad)! öerfang id) nid)t ben Venfc ^u feljen, 
©ein aflerfjeöfter lag ift *Jiad)t für mid). 
Der 9iu(je go(bne» .§au3 ift mir toerriegelt, 



26 



UM) 



105 



110 



115 



12(1 



Unb meine qröfte £uft, ba3 ift mein ®ram. 
21dj! mein So melius, $reunb meiner Seele, 
Ten id) roeit mefjr, al£ mid), roeit meljr geliebt, 
3d) werbe nimmermehr bid) roieberfeljen ; 
Söefcufeen roerb id) btcf> in (Sroigfeit. 

§a'lt bid) bie Viebe nidjt $ur armen üftutter, 
Tie bu im ®rab ba3 erftemal)! betrübft, 
Die Tage lebt, roie lange ©roigfeiten, 
Ten Tob balb fdjtlt, balb fo bem lobe ruft: 
„®ebar idj bid), mein füfefteS Vergnügen, 
„($ebar id) bid), bem blaffen Üteidje nur? 
„Unb foflteft bu, ba id) bid) faunt erjogen, 
„Unbanrfbarer, auf eroig oon mir fliefjn? 

„9Jiir fcr)metcf)e(te bie ungetreue ^pofnung, 
,,3d) roürbe balb, betagt unb lebend fatt, 
„%n beiner SBruft, bie bündeln klugen fdjliefen, 
„$on bir betraurt inS £anb ber Sdjatten gel)n. 
„ v .Uun läufft bu oor, ®raufamer, unb id) lebe? 
„9 tfeben fonber £uft! o roaljrer Tob! 
„D r)o(be^ $inb, $u meinem l'cib gebogen! 
„^O^ein füjj (dental)! ftirbt nun auf£ neu in bir. 

,,2(d)! meine gremtbinnen, roa§ rooflt ilro machen? 
„Erreget meinen Qoxn mit Tröften nidjt. 
„Stfcin Seib gefällt, unb fofl mir ftetS gefallen; 
„2£of)in id) fei), o Soljn, fef) id) bein ®rab. 
„Teiu unoerljoft, unb tljränenreidjeS Sterben, 
„Erneuert mir bie 2Bel)en ber Geburt. 
„ s £ebcntfft bu nid)t, roa3 id) l)ier ftcrbenb tljuc, 
„25?är beinc ^flidjt bei) meiner ®ruft 31t tfmn? 

So roinfelt fie in etnfamftttten Ouidjten, 
Unb l'una mad)t il)r runbeS genftcr auf, 
Unb guft auf fie 00m blauen §immel3faale, 
W\t blaffem mitleibtroflcm 2lngcftd)t, 





27 



Unb lä£t, nrie Reiten, runbe Styven roden, 
Die man, tuennS tagt, nod) auf ben SRofcn finbt, 
£üllt brauf ba3 fdjöne £mupt in einen Sdjtener, 
21(3 fetjämete fte ftd) bei 2Beid)lid)feit. 

3er) aber in* in oben üjßüftenencn, 
2Bo Draurigfeit ben Mettern ©cepter füljrt, 
3Bo neben mir ba3 blaffe 6d)meigen fd)(eid)enb, 
Den bürren ginger auf bie kippen Imttft, 
2£o um uub um betrübte Schatten feilten, 
Hub ©röber offen fteljn, uub (Siden fdjrenn: 
Da fef) id) taufenbma()(, bid), SB ruber, fterben, 
Unb fü^te taufenbmafjt ben Dob mit bir. 

Denn brid)t mein f(äglid) 5ld) bie tiefe (Stille, 
Denn fing id) beinen Sperrt), unb unfern §Bunb, 
Unb mie oor (Snngfeit be3 <2d)öpferS Webe, 
9)Jein fünftig ®(ücf mit betnem Settn oerfnüpft. 
SD traurig ®(ücf! tton wenigen eefnnbeu! 
£> treue i ? aute fomm, erneure mirS! 
Umfonft. Du ftnrfft au3 matten 33ruberf)äuben, 
Unb äd)$eft ftnrfcnb nod): (SometiuS. 

(£r aber fteigt, a(3 eine tyeUge gfamme, 

$ur §imme(3ftabt, bem erogen Urfprunq, auf, 

Unb mirb nidjt inefyr ber bündeln $uge( leuchten, 

Die feinen f)o(jen 21be( nid)t erfannt. 

Die (Sfjerubim, in Ijeden £abbatf)3f(eibern, 

(Empfangen ifjn, gebürft, am golbnen Dfjor, 

SBetjm lauten $(ang uufterbüdjer ®efänge, 

SBooon ba3 fyimmlifdje ©ebürge bebt. 

Da jief)et er im ^omp burd) breite (Waffen, 
9töd)ft lidjten «Sdjtöffcrn Ijin, jur ®ottI)eit Dfjron 
Unb alfobalb ftefjt mit (jolbfeelgcm £ädje(n, 
SM 9JJajeftät, ber <5of)it be3 .Sjödjften auf, 
9iimmt mit ber £anb ba$ präd)tge Diabema, 



1 

I 



28 



1) a3 an beut golbnen $f offen fdjimmernb Ijä'ngt, 
Unb binbet e$ auf feine glatte <5tirne, 

igo Unb ruft ilm laut, als Ueberroinber, au£. 

Unb unfer $ater fiel)t§, fpringt au3 bem £efmfhd)l, 
$)er l)od)erl)öfjet ftral)lt, eilt auf ilm gu, 
$>urdj f)ol)e gelben, bie guvücfe treten, 
5lu£ (51)rfurd)t gegen feinen fyoljen (Stanb; 
165 Söeroiüfommt iljn auf betybe 9iofenroangen, 

28ünf cf)t ifmt, in füfett Sljränen, taufenb ©lud. 
$)er meite £)immel lad)t im cmgen ©lanfce, 
Unb neue Sonne füllt ba3 gvofe $eid). 

2) rauf brefjet er fein fonnengteidjeS ^Intti^, 

170 Wit ernfter grcunblidjfeit, Don ilnn, auf und); 

3) te fanfte Harmonie ber (Sphären fdjmciget, 
3)ie feeigen ,§ecre Ijordjcn lüftern auf: 
„28a§ trübeft bu be3 neuen (£f)erub3 greube, 
„beliebter WfolauS? 

175 „9#i3gönnft bu il)in, baß er gum 3^ gebrungen, 
„5Bofnn bu nod) bie Riffen 9lübcr lenrfft. 

„3otf er fein ewig @(ürf mit güfen treten, 
„2>ein einzeln ®lütf, ein furfeeS ©lud gu baun. 
„SBaljr ift3: er flolj au£ füfer Jörüber binnen; 
lso „Klein mofnn? in eines $ater3 Sd)oo3. 
„§ier flammet er in gÖttüd)l)ol)cn (xijxcn, 
„§ier ift fein Sßaterlanb; 
„Unb wie il)n bort gro3mütl)ge 2ee(en liebten, 
„2o liebt ilm luer ber Gimmel unb fein §err. 

185 „&>er ftirbt, mie er, ftirbt in rcd)t golbnen Sagen; 
„ s J?id)t er, nur bu, bu bift beflagenSmertlj. 
,,2ief) an, er lebt, auf immergrünen 3nfeln, 
„$on ?srrtl)um, SRadjt, Stobrüß unb 2£>ed)fe( fret). 
„(Sin Amarant!) fdjattirt bie l)ellen Dorfen; 
,/2cin 5u3 tritt ben Olymp. 





20 



„Unb unter tym brefyt fid) in tiefer gerne, 
„Der Meine 2ftonb, roo bcine üttutter meint. 

„3n einem *!ßarabie3, mo fanftrc £üfte, 

„Durd) fette ^omeran^enwälber mefyn, 

„Daburd) burdjftdjtge 93ädjc riefetnb rinnen, 195 

„$luf beren SRanb gemafjlte SBfumeu ftefjn, 

„2Bo mit bem erogen $erbft, ein emger grüfjttng 

„©efdjmifterlidj fld^ paart: 

„Spaziert er, roie ein ©lern, an meiner Seite, 

„Unb tobet ©Dtt, unb ©Ott ift felbft fein £ofm. 200 

„Drum meine nid)t. Söatb fdjlägt bie feeige ©tunbe, 

„Da aucf) t>on bir ber 91 od be3 SobeS fäÜt. 

„3Bir Karten bein mit fefjntidjem Verlangen; 

„®ety, biö ba^in, ber alten Butter Xroft. 

„3d) fdr)roörc bir betnn ©lanfc ber 2Worgenröt^e, 205 

„Der um micf) frrafjlt, 

„SBir lieben bid); roer fönntc bid) nergeffen? 
„Da ©Ott, bein ©£)tt, ja felbft bid) nie »ergibt. 

V1RGILIUS. 
Candidus insuetum miratur limen Olynipi. 



* 



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Aus der Handschrift. 



i 



i 

i 



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(Sine ©rjc^Iuttg. 

deinem jtnecten Söruber 
^geeignet. 

%{§ üor nid)t langer *> cr (erlaufe $tti§, 
Um feinet 93ruber3 Eintritt nod) betrübt, 
3n metandjolifdjen ©ebanfen irrte, 
©tieS er bety eine3 bunfeln SBalbeS (sdjluS, 
$on oljngefäfjr an eine grofe SSMefe, 
£)ie fdjönefte ber liefen roeit unb breit, 
2lnnmtf)iger, a(3 bie f)efperfd)en ©arten. 
£)a nmflte forgenfoS unb oljne gurdjt, 
21(3 roüft e3 nid)t, nrie rei^enbfe^ön e3 ift, 
©in (Sd)äfertöd)tergen, im grünen ©rafe, 
$>a§ mit bem SEflorgenrotl) gefommen mar, 
$>e£ grüfjlingS erfte Sinber einsammeln. 

3^r Hngeftdjt mar unter fidt) gefefjrt 
Huf bie betraute glur, mo fle gebüeft, 

2) ie garte $anb vunbum frieren lie§, 
Unb braune SBeUgen, fdnuef lichte Karaffen, 
Unb blaue ^nacintfyen, ober aucr) 

3) e3 £rofu3 <2afranMume nieb(id) pflüdte, 
Sß>05U fie nod) njofjtriedjenben tfabenbef, 
©efunben £f)tnnian unb fräftgen Duenbel, 
£)er fjolben 3)üfte megen mifdjete; 

3u toetöjem SBraud)? ba3 mufte fie ifct nid)t; 
$)od) fie erfuljrS. 2Iud) bu erfäljrftö mein i'cfer. 

Deutsche Lltteraturdenkmale. 42. 



34 



[9 



Snbem fte fo in ifner Unfdjulb gteng, 
9J?tt £iebtid)feit aud) ungepufct umgeben, 
SBarb $tti3 fie geroaljr. <$r ftufct, ftcfjt fttfle, 
9J?ad)t feine grofen klugen nod) fo groft, 
Unb trinft fid) fo an ifjrcr 2d)önl)eit tarnten, 
Dafj er nidjt meijj, mie, roaS, unb mo er ift. 
SBatb meinet' er, er fang cvft an ^u leben, 
Denn bünft e-3 ifjn, ein ^auberifdjer üraum, 
3eig il)m $(rfabien§ unfdjulbge Spuren, 
3Booon bie emge <3djaar ber Did)tcr fingt. 

9cad) fyin unb Ijer gemäfyeten ©ebanfen, 
©rfennt er, wa3 er fteljt, glaubt tuaS er füfjlet, 
Unb murmelt in fid) fclbft: 

,,id) fetje nun 
„Dafj biefe trieft ein günftgcr ©ott beroolmet, 
„Der meinen ©eift mit feiner ©ottljcit fpeift. 
„Der meiffe £ag, ber I)ier mit 3iHent fdjtuebet, 
„bringt mir bie $inl) auf feinen Sdjmanenflügeln, 
„9?ad) roeldjer id) fo (ang nmfonft gerennt. 
„Die3 ofne gelb bezaubert meine Sinnen; 
„(53 gleicht an giölidjfeit ben 5onncntrieften, 
„ s 2Bo fonft mein greunb in ^Rofen metjbete, 
„Dem roie mid) bünft (l)ier ^eigt er mit bem Singer, 
„3nr §irtin l)in,) ba3 ^arte $ilb bort g(eid)t, 
„Um roeldje ©üte, (Sanftmut!), ,<pulb unb $eufd)fjeit 
„3n feftoerfdjlungnem Wingc munter fyüpfcn. 
„^ie ift fo tngenbljaft unb jung, al3 er, 
„Dod) reijenber, unb mürbiger ber Viebe. 
„$aum fei) id) fte, fo nimmt mein Veib bie gludjt, 
„Der Sßafcn l)ier, ber fonnenljeüe Vinger, 
„ÜBo id) fonft roeinenb gieng, lad)t mid) tot an, 
„2£ei( ifyre ©egenmart il)tt luftig mad)t. 
„3d) füf)l3, id) fiil)l£, ein mir ge()cim ©cfdjitfe, 
„steift meinen ©eift $u ifjrem (Reifte bin, 
„Unb wenn fie mir nid)t miliig güuftig wirb, 
„SBcrb id) für ©ram mein ?eben nieberlegcn. 



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9] ä5 



2Bic ?ltti3 fo fein innerfteS crofuet, 
(So fäftt ifjr Wid Dom (idjmclk bcr btitynben 9lu, 
2>a fie fid), (o^ne bic3 fdjon Qll^urc^cnb,) 
3n ifjr fdnuargbrauneS t spaar ein ©Hungen fterft, 
©on ungefähr auf il)u. GMcid) färbt bic 3d)am 

fyätte fie ma3 fünbüdjeS begangen) 
3fjr partes Sangenpaar mit fotdjem Purpur 
2L*ic wenn ba3 'Hbcnbrotfj am v D?eerc (ädjelt. 
S)rauf flieljt fte uugcfjctffeu oon bei* Statte, 
Väft in ber (Sil Ujr nettem Äörbgen ftefyt, 
3iefyt ityren bünueu 3d)(cner üor bie klugen, 
Unb fpringet, mie ein $kl), ba3 3 c Pfyii' fdjrerfte, 
9JJit rafdjer <Sd)üd)ternl)eit burd)S 0»Hüne Ijin, 
-Oc tt ifjrcm langgefalteten (Stemanbe, 
Da3 fte aus gemolmtcr 9ieinltd)feit 
©on Hörnender ein wenig aufroärtSfjub, 
©on ©htm unb $tcc bic fjeüen tropfen ftreifenb, 
Unb einen neuen s ^fab burd)3 fid) jeidjnenb. 

er fie fliegen fal), fdjlug ilmt ba3 §erfcc, 
Hub ifjrc Viebe fdjteu iljm lieblidjer, 
Unb iljre 3ugenb fd)öner nod) c yt glänzen, 
<2o fefyr erbebt 3d)aml)aftigfcit bie <2d)önfyeit. 
(Sr mennete, in iljr (auf all fein SBoljl, 
Unb all fein QMürf, fein l'ebcn fclber fort. 
3n feinen klugen, bie in Viebe flammten, 
©?ar 2tillftcl)n fyier bie gröfte i'aftertfjat. 
(£r (;ätte bir fein $öuigreid) genommen, 
5Üiit beut ©ebing, iln* ifct nid)t nad^itlanfcn. 

(Sr f)ub bemnad) gefdjwinb iljr Sörbgcu auf, 
Unb als er e3 mit ben gepflüeften Blumen, 
Xk fte auS 3(ngft uerfdjüttet, angefüllt, 
golgt er ifjr nad) mit unoerwanbten ©liefen, 
Sie einer Xurtcltaub il)r läuber folgt. 
(Sr (jättc nid)t gefdjwinber laufen fönnen, 
SSemt fte auf biefer 2Selt bic (Silage mar. 



36 [* 



$aum bog fein ©djufj baä SBegfraut unter ir)m. 
95 Drum fagt man aud), ba£, feinen £auf $u förbern, 
Die £iebe fclbft bie Sittid) ifjm gelernt. 

3fct, ba er fdjon in ifyrem <3d)atten lief, 
(Denn fte lief morgenmärtS ber Sonn entgegen) 
Da feine Soljlen ifjre Sorten jagten, 
100 Unb fcfjon iljr Warfen feinen Dbcm füf)(te, 
<£pxad) er bemütljigbittenb fo ju iljr: 

,,2ld)! ftefyc bodt), bu junge $eufd)f)eit ftille, 
„Die £iebe fclbft crfucrjet btd> burrf) mid), 
„Die meinen ®ang auf biefeS Selb geleitet, 

105 „Daf$ mir nad) langer 9cad)t ber Draurigfeit, 
„(Sin golbner (Stral ber 3ftorgenröt()e fdjeine, 
„9?ad)bem id) lange fd)on ben greunb gefudjet, 
„$or beffen «lief bie Söüftenenen flofm, 
„Den id), wie mid), unb meine 2Sol)lfartf) liebe, 

no „SßMerool)! er läufft, als lief bie Sünbe nad): 
„ s )cun ba id) biet) erblicfet, bünft e3 mir, 
,,3d) l)ab in bir it)n töHig lieber funben, 
„®o fet)r biftu an Vieblidjfeit ir)m gleid); 
„$d)! gleid) iljm bod) an ®utl)eit aud) für mid). 

Iis ,,3d) fjabe ja, bem Gimmel ift3 berouft, 
„D einge 3icrbe biefer roeiten Selber, 
„2£ie über un3 bie rotlje Sonnenfacfel 
„33eu Dag bie einge $ier Rimmels ift, 
„3u aller $eit bie Dugenben geliebet, 

120 w^^ c id) m beinern fittfamen ^Betragen, 

„Unb in ber fenfdjen 31ud)t t>or mir bemerfe. 
„Um bereu mitten biftu mir fo fdjön, 
„Da§ id) bir nadjgesogen, midig folge, 
„Durd) beinen 9Wunb mein ©lüde ju erfahren; 

125 „Unb ob id) iuei3, id) fei) nid)t beiner mertf), 

„Dod) lieb id) bid), mie mid)3 ber Gimmel (jeiffet, 
„Der bid) au3 §ulb für mid) fo rei^cnb fdmf, 



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37 



„Did) fc(bft entbehrt, bamit er mid) begUttfe, 
„Seil oljne bid) id) niemals glütflid) mär. 

„(Smpfange beim oon meiner £anb bie$ Slörbgen, 
„5>ott ^orter SBtumen, bie id) neiben mujj, 
„Sei( bu, fie auf$ufud)en, fclbft gefoinmen, 
„Du, ftttfamer, aiä biefe 33ei(gen fetbft, 
„Unb feufdjer, atö bie feufdjften Milien, 
„Unb frifdjer, als be$ StfatoeS frifdrfte SRofen, 
„Die an ©erud) meit nünber reijenb ftnb, 
„Wiä bu an Sreunblidjfeit unb fanften bitten, 
„(Smpfange fie, bod) aud) sugleid) mein £>erfc, 
„Da3 rein, unb offen, unb burdjftdjtig ift, 
„Sie bie (Srtjftatlen biefer Siefenquefle, 
„Da3 alles fjat, mann e3 nur lieben barf, 
„Unb 9teid)tl)um, ßtyre, s Jlu(mt unb l'uft ocradjtct 
„gür einen $lirf, ben bu mir lädjelnb giebft. 
„Unb bleibe benu mit mir auf biefer §eibe, 
„So bid) oorbem bie 9J?nrtf)enftauben faljn, 
„9113 bir be3 Gebens erfter <2tral begegnet, 
„Unb mo bie föeblidjfeit, bie fjotbe 3d)am, 
„Unb roafjre £ieb im (Brünen ftd) ergeben, 
„Seitbem bie Könige fie meggebannt. 
„Da motten mir uon (Stinb unb £aftcr fretj, 
„3m fjetlen $lngefid)t be$ |)i"twel3 felbft, 
„(Sin unbeflcrfteS <2d)äf ergeben führen ; 
„Denn mirb bie ©egenb unter beinen güfen, 
„Durd) beiner braunen klugen ©lanfc oerjüngt, 
„Wit immerfrifdjem $lee unb $raut fid) fdjmütfen, 
„Unb jebeS Sötatt im nafjenjtorbcerljatm, 
„Sirb bir 311m SRufjm ju einer 3" n 9 e werben, 
„Unb Dag unb Wad)t beut «ftimmcl, (Srb unb l'uft, 
„$on beinern SReifc, unb meinem ©lüde fingen. 

So flttfam bat er fie um ©egengunft, 
Unb lief tfjr nad) biß unten an bie Siefe, 
Sie bem gehörnten 2J?onb ba3 £eer ber Sterne, 



38 



[0 



llnb nrie bem Sterncnfjecv bic Stille folftt. 
3()v Obern ficng mm an fie jm oerlaffen, 
2luf iljrem $lngcfid)t ftanb fyciffer 8d)iuei3, 
£ic güfc iuolltcn fic nid)t tueiter tragen, 
llnb üor ifjv flo$ ein frmnmcr Sdjlangenbad), 
jDer fd)ierfte fic mit jornigem (Gemurmel, 
llnb broljcte, mit au3gcfpanntcn Ernten, 
3n ifjrem fpröbeu Vauf fic aufhalten. 

Tic ftanb bemnad), au3 3d)am ftd) rötljenb, ftitfe, 
Trefyt it)ve fingen feinen klugen ( }u, 
llnb a(3 fic ifm in einer Stellung faf), 
3)af$ er ben SMumenforb i(jv jitternb reidjte, 
$onnt fie ifmt länger nid)t fo graufam fetjn. 
„yid)\" feilste fic im innerften ber $ruft, 
„Sofern id) länger flöf), U)a3 fn'Uf c3 mit? 
„ßr fifct mir fdjon im «Sdjrcine meines ^cr^cn^; 
„($r bittet biet jn fdjon, $u tugcnbljaft, 
„%U$ bajj man itmt nid)t eilenb Ijelfen fotltc. 
,,3d) fürdjte fefyr, mofern id) il)n nidjt liebe, 
„(So liebt mid) aud) bic Ijolbe Xngenb nidjt. 

<Sic na()in il)m brauf ben $orb, ftd) neigenb, ab, 
Unb fast auf rocidjem 9)?oo3 mit Soljlftanb nieber, 
(5r aber Hieb, fein £ütgen Ijaltenb, fteljn, 
Unb fprad) mit dürfen fort, in mcldjen Zugcnb, 
llnb 3Ä v tltd)feit, unb 3n«brunft funfeltcn. 

2£a3 tfyut bic (Sdjöne ba? (Sic fd)üttctc 
Xa3 ganfec SÖlumenljeer in Unc Sdjürfce, 
Unb fieng für if)u ein fd)öne3 (Srän^gen an: 
„Aiömmt, fpvad) fic, SBtümgen fömmt, frönt biefen <Sd)äfer, 
„2£cnn er eud) trägt, fenb tyr nod) cinö fo fdjön. 



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39 



$)a lädjelt cv bor grcuben, unb öor greuben 
Siel $ut unb $irtcnftab il)m au3 bei* £anb. 
(5r fmb fic auf unb fd)iuieg. £> füfe3 <Sd)rocigen 
SBofern man fdjtucigt, bienjeil man glütflid) ift. 



Sei) Srbütfung einer 
fdjönen ^erfon. 

2ßc(d)e fd)öne Sdjäferin, 
$>ie auf biefer Morgeninfel 
3Bic bic veinfte Sonne ftrafjlt? 
Äcufdjljcit, Unfd)u(b, Sittfamfcit 
folgen ifnen muntern Sdjrittcn 
Mit oerfdjrenftcn Firmen nad), 
Unb oerfdjöuern if)rc Sd)Ön(jeit, 
$)ie Juroren neibifd) mad)t. 
Über iljrcm Sdjeitel gaucfelt, 
©in in fic verliebter Sdpoarm 
$8ul)lerifd)er Morgenlüfte, 
3>ie mit feudjtcn Sittichen 
3n bem 3onnenftralc funfeln, 
Unb tyr tropfen l)etlen Tl)au3 
?luf ben meiffen 53ufen fprüfcen, 
2Bo ber Überfluß fid) btöfjt. 
$or \i)v l)üpft bie grölidjfeit 
3n bem meiffen Sommer4ileibgeu, 
Unb bie 8d)er§e, nebft ben Spielen, 
$ie, gleid) Keinen (Sngeldjen, 
91u3 ben angefüllten ©djürfcgcu 
Mit ben Keinen ®öttcrl)änbcn 
s Jiofen, 3?eilgen, tilgen Idolen, 
Unb bic Sdjönc, unb ben ^fab, 
ü£o bie Sd)öne gcl)t, beftreuen. 
Gimmel! nun erfenn id) fte! 
Gimmel! ja c$ ift Agl».ja! 



40 



[U 



£) mit roetdjer l'iebfidjfeit ! 
Ürägt fie auf ben roeidjen binnen, 

30 9?äd)ft bem ^er^en, an bev SJntft, 

3ljre ijolbe Slugenroeibe 
$)a3 geliebte junge £amm, 
Unb begtürfet e$ mit «üffen, 
$)ie ber #imme( felbft fid) toünfdjt! 

35 £) mit roeldjer üDtajeftät! 

SBaflt fie nad) bem SDtyrtljenroälbgen, 
2öo ifjr liebftev Athamas, 
S3ott SBcgierben auf fie toavtet; 
(Stjpria ttxir minbev fdjön, 

40 233enn fie mit ben feufdjen Wnmpljeu 

Unb ben narften ©ratien 
Unterm Ijeflen 3lbenbfteinc 
$on <5icilien§ ©ebürge, 
3n bie füllen Xfjäler ftieg. 



11 3(n ben (trafen toon Stralcnljeuu, 

Meitre de Camp, 

uttb Dbrifter betym Regiment 

Royal- Allemand. 

SBie lieb id) bidj, bu unbe^tuungenev Krieger, 
3)er $rmutf) fd)ä$t, unb perfifdje 2Betd)Ud)feit fliegt, 
Unb roie ein (Sfjerub, ^tmfdjen flainmenben Söänben, 
3um gofbncn (Schloß ber (Sroigfeit fteigt. 

s 2)ein btofeS #aupt brürft nad)t3 im türffdjen Seifte, 
3n ba§ ber SOfonb mit fyeflem $htgefid)t gurft, 
$ln ^ßotfterS \tatt, ben Maugeftä()(cten $ura£, 
Unb träumt auf Ijarter (Srbe üon $ul), 

Unb träumenb manbelftu in marmornen ©äugen, 
10 Wit ^ilofop()cn unb mit gelben fcermifdjt, 



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1t] 



41 



Die ifyrc Äränfe um beine ^rän^e öertaufdjten, 
Unb felm, bu bijr nicfjt Meiner, ate fte. 

©ig um bid) fjer ba3 ^raffeln freffenber flammen, 
Um Mitternacht ben fanften MorptjeuS üerjagt, 
Dann greift bie braune gauft $ur fd)manfenben i'an$e, 15 
Die in bem $afen, neben bir, fteeft; 

Denn gefjeftu, mit lebhaft Müfjenben Sangen, 

rode beine 53raut in fttrftfidjer ^radjt, 
2luf einem Sagen toon gebiegenem Silber, 

33om öftüdjen ®ebürge fjerab,) 20 

Den Manfbepanjertcn ^^atangen entgegen, 
Die, g(eid) bem emgen Saß um SRfjabamantljS Stabt, 
(Srfjaben ftcfm; bod) bie bu fdjncttev jertljeUeft, 
21(3 tfuna Greife giftigen DunftS. 

Senn nun ein fdjtuargeä Meer (autrauf tfjenben $8(utc3, 25 
3n ba3 ber Slbenbftern ben <2i(berftralj( tunft, 
Mit regen Sirbeln ijafbtoerbrannte ®eftlbe, 

9cebft Manu unb 3top unb Sagen oerfdjüngt: 

Denn fiefyt bie Mufe, beten fifberner Surffpieft 
Dein feinet Dfjr mit (joljem (Saufen erfüllt, 30 
Dort beuten $ater* mit (jellftrafenbem Raupte 
Wuä bem %>atta)t ©(nficnS fd)aun, 

Sie ftd) bie§ Sort t»on feinen kippen ergiefet: 
„5Bortreflid)fd)ön, <goi)n, mer fürs ^atcrlanb (ebt; 
„Unenbltdjfdjöner, mer fttrö 93atcr(anb3 $efte, 35 
„Sie bu, in3 lobeS SKadjen fid) magt. 

* 5)en efyemaljltgeu 5töniglidj fd;roebifd)en 53ottfd)after am 
Äanferlid^en £>of, General-Lieutenant, unb General-Gouverneur 
beS §crjogt^um§ 3 roe 9brücfen, ber ein grofer Ciebfyaber ber Did;t= 
fünft war. 



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42 



[12 -U 



„$ein $önigreid) mag bcn nad) Würben belohnen; 
„Wur ber Unfterblidjfeit bemantener $ranfe, 
„Hub ein ®efang, ben Vangenä golbene Sener 



„Villi bem ®ebürg 2lonien3 fingt. 



V2 



5(g(aja an bic 9?<id)t. 



3luf einer 53anf Hon 9J?oo3, an eines $ügel3 gnfj 
Safe id), unb 3(tl)ama3, o Wadjt in beinent <3djatten, 
llnb fcufjtcn nnfve $ein bem naljen !&>afferflufj, 
Ter ftiHeu (Sinfamfeit unb ben gemeinten hatten, 
r> Da rief öon einem Vlft ein SBögeldjen bem hatten, 
Sern, rjolbcr ©atte, l)ier, U)ie man red)t lieben ntufe. 



13 Sit eine ©d)äferiit 



9)iit Sljräncn fei) id) bid) öon bem erljabnen Stranb 

2luf jenen SBlumcnroicfen nMen; 

£od) Ladons fltefenbe (Srtyftaflcn, 
3inb ( vui|d)en bir unb mir bie breite -D?ittel=3£anb. 
ö 5Xd) ! XoriS! wie Unit: id) ber Seeligfte Don atlen 

3n ganfc ^(vFabten, 
®enüj3 id) nad) bem ®liicf von gerne bid) 51t fefjn, 

£a3 ®lütf, bir nafje 51t gefallen. 



jenfettä be3 SSaffcrS, 



14 



Son fid) fclbft. 



$on allen 3terblid)en auf (Srben 
$in id) genüg ber ^Irmeftc; 



©in Wimmgen bient mir ftatt ber beerben, 
3ln gelber ftatt ein gierigen £lec. 
Zod) wenn man auf ^erbienfte fäl), 



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43 



So müft id) mtnbften§ $önig mcrbcn, 

Xenn id) bin bei* SBerliebtefte 
33on allen Sterblidjen auf (Srben. 



Stuf ben Surgunbcrtticin. 

Der mar gemijj ein frommer Stfann 
Den Qupiter fo licbgemann, 
Tafc er ifjm biefen SBeittftocf fdjenfte, 
Q(m felbft in feinen ©arten fenfte, 
Unb r»ott fo fdjöner Ürauben fjenftc. 

Tcv funa .§orn mufj ilm betraut, 
$lpoüo t)u(breid) augefdjaut, 
3>ertumnu3 (Spate feCbft umgraben, 
Unb für ben (Staarcn unb ben s Jtoben 
Tev (Speer <ßriap$ befd)üfcet ()aben. 

Ta$ mar gemijs 3)ianen3 $anb, 
Tic mit beut lUmbaum' Um uerbanb, 
Unb ifyren Seegen auf ifm fegte, 
25?etf er fie 51t Herbergen pflegte, 
2£enn fie ben fdjönen Jüngling fyegte. 

(Sf) $c(eu£ in ber elften 9kdjt 
Tzx 23raut ben (fürtet lo3gemad)t, 
So fef)(tc bei) beut tjofjen Scfte, 
$u ber $tennrtfmng feiner ©äfte, 
£er füfe Wectartranf, ba3 93efte. 

Ta fagte 3er»3 3 ur ©ötterfdjaar : 
Sir trinfen -Wectar, 3>at)r für 3'aljr, 
Seitbem mir in ben Wolfen leben: 
Tod) fjeute fotteu irbfd)c 9ieben 
Unftcrblidjen ein Sabfai geben. 



44 



(Sr fdjüttelt fein allmächtig fyawpt. 

©leid) fteigt ber cb(c 8tocf, belaubt, 
9flit fdjlanfen Ernten in bie £üfte, 
Verbreitet r)o(be grücfjt 7 unb $üfte, 
$afj er ben fönfmt be£ SWeijter* ftifte. 

©efjabt eud) mohl, fdnie Stypria, 

$5u Nectar, bu 9lmbrofia; 
(Suc^ fo Oermten, ift geroonnen. 
(S3 (ebe 3eD3, ber nad) ber Sonnen, 
Äein nnmberfdjöner SBerf begonnen. 

6ie frrecft bie ginger lüftern hin 
©in s Jiebenftnb $u fid) gu $iehn, 
Unb ri$t ben l'ilgenarm im Glauben. 
Seit biefem purpern ftd) bie Xrauben, 
2113 mie bei helle £als ber Rauben. 



$te toaljre Siebe. 

(Sine Nachahmung. 

$luf einer alten üftauer fafcen 
3^ei junge treue Turteltauben, 
$)ie, üotX oon innerlicher Webe, 
1)ie klugen auf einanber manbten, 
Unb bann unb luann bie glügel surften. 

(Sin Sperling auf beut nächften $)adje 
Voll buhlerifcher SSmnft unb @d)alfr)eit^ 
$iefj biefeä tyaaxä öerlicbte $ul)e, 
Sroft, (Schlaf rigfeit unb Unuermögen. 

3)a fprad) ber £aübcr, bod) mit <3anfmu 
sprich nicht fo fd)limm Don unfrer Webe. 
§oid)! betne junge ©attin feufjet. 



17] 



45 



<3ie fyeifct bid) einen Ungetreuen. 
(Sie, bie bu geftem evft geeljüdjt, 
2Birb l)eute fdjon öon bir tertafjen! 
£)u Uebeß frenüd) ftarf unb feurig: 
SBir lieben ftttfam, aber ewig. 



<Profäifd)c Cöe. 

3tn ben Marquis fcon Hontbarey. 

üon 

3ol). Stfol. ©ü*, 

Setbprebigern unter bein fönigüd) fran$öftfd)en 
£eibregtmente ju -ßferbe 

Royal-Allemand. 



1749. 

$)er Junge £err mar 33orfjaben3 bie £f)aten be3 Marechal, 
©rafenS toon (Sad)§ in einem ®ebid)te ( ^u befingen. $)er 
$)td)ter läft ifjn bie ©djnnerigfeiten, unb Wröfe biefeS Unter« 
neuntens einfeljen, unb rätf) ifnn ab ; fdjlägt ifmt anbet) einige 
feinem garten Witt* anftänbigere Materien, §u befingen, bor, 5 
unb fdjlieft mit einem eljrfurdjtSöotten £obe $fopfftod3 unb 
SBobmerS, bcr SBerfafcer ber giüeen (Spopeen, bie mir Deutfdjen, 
toenn fie gebüfjrenb aufgearbeitet roorben, ben 3lu3(änbern 
fünftig entgegen fefeen toerben. 

* 

SBoljin, mein järtüdjer, mein gefiebtefter Monbarey? auf io 
toeldje £öfje njageftu bid) mit einem leidjten Äafmc, bu, ber 
bie untreue <See nod) niemafjtö geprüft \jat $cin fixerer 



15 



17 



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4<i 



in 



Stent bti^t bir am blauen £>immcf; fcine fanfte !2£eftc blähen 
bir getinbe bie purpurnen Seegct; unb bu fenneft bie Seifen 
btefer gefarjrDotten $egenb nidjt, bie ein biefer 3)uft, gteid) 
einem Solange, üor bir verbirgt, bijj beiu $afjn bann jer^ 
5 fdjeflet ift. 

Sietjeftu nid)t mit f altem Sdjatter, vuic mandjer £ob bir 
entgegen fdyraeüet, roeldje Ibgriinbe ftd) uor bir auftfmn, bie 
fd)on eiue ganje 2£elt öou SRcifenben rjcrfdjlutft rjaben. deiner 
getrauet fte ^unt anbent ma()le an 51t feljen, bent nad) 

10 langem £>änbcringen , bod) mit Serluft atter feiner s Dieid)= 
tfyümer, ba3 crftental)l tauben lafjcn. 

$ic £l)aten bc3 SotyncS ber itorbifcrjen Aurora* ftnb 
f)od), tüte bie Vitien unter ifjreit Sdnueftern, ben garten 
üödjtcru be3 gritt)üng§; aber fte ftnb and) rein, roie fte; ein 

15 unljeiligcr ginger berührt fte ntd)t , ofme ben ®lanj 31t be= 
fleffen, in ben fte geflcibet ftnb. 

2>ic Saf)it ber Gljre, uon feinen ftarfen Sdirittcn fo oft- 
ntat)t§ erfdjütterr, ift Hon meiern Stute, womit fte übergoren 
hjorben, gauj fc^Cüpfrig ; an £)b'l)e, roie an ®efa()r g(eid)t fte 

20 ber Salm, barinnc bie Sonne unermübet fortlauft, ^fjaeton 
beicuete fterbenb, au3 £uvft nad) Unfterblidjfeit ben füljnen 
Vauf begonnen ju f)aben, ber nod) feinem gelungen ift. i2£a3 
mär id), 0 Jyreunb, menn bu il)itt älmlid) roürbeft; wenn btt 
mir umfänteft, mie er, mit bent Fakten diufnne, bog bid) bic 

rr» See t»crfd)(uft fyabc. 

Sicfjeftu ben Köllig ber i'üfte, Jupiters ntädjtigen Soge! 
mit auSgefpannten glügeln ^mifdjen ber (Srbc unb ber Sonne 
l)ängeu? So roeit er bie breiten Kälber be0 tannenreidjert 
3ba unter ftd) fielet, fo nal)e ficljt er bie ^aflä'fte ber Sonne 

30 über ftd). 3ri£ fd)öner Sogen ift fd)on unter feinen Süfcn. 
(5r fijt baranf. (Xr crfdjnauft fid), unb fe^t feine cblc 
2i*anbcrfd)aft bann roieber fort. Sein ©efieber, tu bie nabelt 
SBolfcn getaudjt, bamit e3 in ber iVadjbarfdjaft ber geuerg 
nid)t in Staub gerade, ift unermitbet, mic ber ®ott, bent e3 

* £er Mart-chal 0011 Satfjö war ein Sol)n ber [djroebi fd)en 
©täfln, ?lurora uon ftönigSmarf. 



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17J 



47 



fidj entgegen fdjminget. £eine nod) nidjt fdjtoav^cn Äiuber 
fifeen in tfjrem Wefte, ba3 ättnfdjen fjoljcn Seifen gebauet ift, 
unb ftaunen gittcvnb bic füljnen Reifen ifjreS UrfjeberS an. 
<Sd)road) non glügeln getrauen fte fid) ifnn ntd)t nad). <2ie 
magen nur einen furjen §lug ber fte nidjt loeit oon iljren » 
geliebten Renaten entfernet, tone Don ifnien bie ^ö'fye 
uereljren, au$ nieder bein £>clb bie (Srbe anfielet, unb be- 
fjutfam baüon bleiben. 

Säljcftu, wie il)n bie lautrauf djenbe $onnu auf einem 
#toj$e, meig, nric bie 8d)iuingen be3 &Mntl)ermonatl)c3 an ba3 10 
ungläubige Ufer trägt; bte Xürfenfjorben Fanntcn ifjn, unb 
fagten: fiitfjncr ^itterSmann, fommftu ben £ob ju bringen! 
^äljeftu iljn, fd)ncfl, nüe ber feurige Sölifc, unb ftarf, roie 
ein mitterna'djtlidjcs? jDonncrttettcr, jeneä gelfentfjurneä be= 
mantene bieget, ein äßerf beS lemnifdjen 33ulfan$, $crfmengen, ir> 
unb, tuie ein getulifdjer £önje, ber ber fdjtueren Salle ber 
Säger entgangen, feine £at?en in ba3 $lut feiner geinbe 
taudjen, ober in blinfenben ©tat)! gefleibet, rufjig, nrie bie 
$orfd)ung ber (Götter für fein ©e^ett fämpfen, mitten in 
Slamuten, bie luie eine 8ee um Um fyerumfliefen, unb über 20 
unb über in 2Birbel fdjlagen: ber £rt, worauf bu ftefjeft, 
würbe bid) feft halten, unb ber uerfleinernbc 3djrccfeu bid) 
in bein eignet ©rabmaljl uermanbeln. 

2>a3 ©eräufdje ber SBaffen, unter weldjen 3)?orife fein 
ruljmooUcä lieben begonnen, fortgefül)ret, unb geenbiget, ift 25 
fdjon allcine üerntögcnb eine junge unb unerfahrene Äamöne 
mit töbtlid)em 8d)redcn $u füllen. Sieljc! aud) bie beine 
erblajset, unb bebt. Sie eine fättgenbe 9let)fuf)c, bic ganj 
atleine in ber braunen äJtorgenbämmruug ^utfdjen alten giften 
roeibet, wenn fie mit einmal)! ben $lang einest loSfdjnellcnbcn 30 
23ogen3 31t l)ören oermetjuet, mit leid)tcn (Sdjenfcln, obmoljl 
fie niemanb, als U)r (Sdjatten jaget, fo lange fleudjt, biß fie 
21tl)em(o3 51t iöoben ftür^et, alfo flieget fie mürflid) nad) ben 
ftitten ©rotten be$ aonifdjen £ljales, blojj üon ben Söcftcn 
gefolget, bie iljr bic Dorfen nadjtragen. 35 

Sleud) mit il)r, mein Montbarey, unb oerfteefe bid) in 
ber 9fad)t eineS ^eiligen Salbei, irgcnbwo an einer fpntbcln= 



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48 



ben Duette, bie gwifdjen $mo SReiljen mofjkiedjenber £inben 
fjinriefeft, wo ber grtebe, mit Düoen befrönet, auf meinem 
$afen thronet, wo bte neibifc^c £ulpe fid) f)inabbütft au ber 
flogen IHtte ju rieben, unb ber ©pijeu fid) fo nafye an bie 

» SRofe mad)t, aU wenn er fie füfcen, ober ifn* wa§ geheimes 
fagen wottte. Dafelbft finge ben gelben 23oget, ben bir bie 
fernen öftüdjen Snfeln gefanbt fjaben, beinen begftiften Gebens 
bufjter, ber, wenn bu ferne üon beiner fpröben ©ebteterin 
fteljeft, auf ifjrem SBufen ftfcet, unb fid) umfielt; ober nein, 

10 befinge lieber fie felber, bie fo wifcig tft, wie bu; ber bie 
©ratien nadjgefyen, ob fie g(cid) nid)t gerufen werben. 93e; 
lofjnen bid) jene £orbeern nid)t, bie ba3 erhabene £aupt $in* 
bar§ umhören fyaben; barfftu nid)t unter ben Jahnen f parieren, 
bie ba§ Sütertfjum auf bem ©eftabe be3 Simötö bem Wdo* 

15 nibeä gepflanzt fjat: fo oermifceftu bod) bie Sträufe 2lnafreon3 
nidjt, bie in ben teifdjen Seingärten gepflüdt worben; Oer* 
fäume feine Qeit fte mit ben $rän$en $u fammlen, bie glaffuS 
gelehrte Sdjtäfe befdjattet fjaben. 2Ba3 wirb beinen Biebern 
fefy(en, wenn ber ©eift biefer alten länger be3 ^ßarnafjeS in 

20 fie übergebet; Wenn fie bie (Smpftnbungen fortpflanzen, bic 
mit bem grüfjlinge in beine Seete gefommen. Serben beine 
©efänge an geuer beinen klugen, unb an freier £iebtid)feit 
beinen gelben paaren gleiten, in beren knoten fid) bie 
9tympf)en ber Saar fo oftmafjtö oerwiffelt fjaben: fo werben 

25 fte ewig (eben, wie bie <See(e, bie fie gejeuget, unb atte£ ans 
^iefjen, wa£ ifjrem Greiwe ju nafje fommt. ©d)on bünft mid), 
fteljet jenes fdjneefarbeS, fonft fo fdjeud)e§ $anind)en, mit 
feinen klugen öon $arnio(, Jtiüe, unb f)ord)t; fd)on rufyen 
gaooniuS &inber über bem $(jrenfelbe, ba3 feine See meljr 

3(i ift ; fd)on ftnfen bie Soffen be§ Sd)Iafc3 auf bie Slugenlieber 
jene3 9lb(er3, ber auf ber Sptfce ber (Seber ftfcet, unb laufest. 
Gr, ber ben ©(anj be3 fetten Tempel ber Sonne erträgt, 
wieberftefyet beiner ü?ct)cr nidjt. 3)ie 2M)üuft fegclt ifjn, bie 
feine Heroen burcfjfliefjet, unb übergießt ifju mit Sdjlummer. 

35 ©r nirft. £>cr s J?aub in feiner $(aue tft oergeften. 6r öffnet 
fie. 2>er bunte Spedjt entfliegt, unb entfliefyenb fegnet er 
beinen atfcS beraubenden ©efang. ($r fürchtete, bafj er für 



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17] 



49 



ilm ein — Stcrbefieb fenn würbe, unb ftelje, er warb eine 
Cuette feiner gret)f)eit. 

5Jber mäfyrenb beut id) auf beine lieber ad)t Ijabe, unb 
gerüftet ftefje, beinen ©cntuS ju ergeben, ba3 (SbenbUb be§ 
eblen Champagnern, fttidjtig, emporsteigen, unb unbänbig, 5 
tuenn man il)n einfdjrenfen null: fo ^ert^eifen fid) ftlberne 
ykbti öor meinen öligen, unb jene Ijeilige l'aube erfdjeint 
mir, bie unfterblid)e 3ier ber ©arten in ©ben. SSeibttdje 
i'orbeern lehnen fid) ncrtrauüd) an männliche, unb bilben, 
inbem fie iljre etjeüdje 3iueigc ,m * cinanber vereinigen, einen 10 
rootjtriedjenben Tempel, morinnc ^lopftorf auf feinem Xfjrone 
fifccnb, inbem i()m bie (Siuigfeit ifjren <King anfterft, jene £etocr 
rühret, bie tfjm ein Scrapl) mit feinem ©olbe be£ogen. $er 
Sänger yioäi) Hegt auf jartem ©rafe neben ifjm. 3nbem 
er ben Weftar mit ^urpurlippcn au3 Üinbin trinft, bürfen 15 
fid) t>ie(e grofe £trf)ter r»or ifjm, bie bie (Sfyre aud) frönt, 
aber minber, als ifm. 

©egrüfet fenb mir, 0 füfjncn Sdnuäne, an ben Ufern 
erlogen, mo bie (Srbc junädjft an ben £>imme( grenjt. 3)a3 
s JJab ber Sonne ftunb Dcrnmnbcrnb ftiüe über bem ©lüde 20 
eureä 3fogc£. 5Ille anbere feljen end) begierig nad), aber 
folgen fönnen fie end) nid)t. Senb gegrüft, erften Sötjne 
biefeS SßcttalterS, »ueldje bie ©ottfjeit iljrc Sprad)e* böttig 
gelehrt fjat. (Sure fronen langen 31t fjod) für mtd), unb ber 
©fan^, ber eud) umgibt, ift 31t blenbenb für meinen ubifdjen 25 
Augapfel. 9J?öd)te id), ein 8d)ü(er, eud) nur t»on ferne nad)= 
folgen fönnen ; möd)te id) nur einen Söünbel jener £id)tftra(en 
auffangen fönnen, bie eure Seelen crteudjten; möd)tc nur ein 
^ränggen uon jenen $iofcn gcumnbeu, bie Ujr nid)t nritrbiget, 
aufliefen, meine Sd)(äfe umtuinben, 30 

D roie güirf(id) ftieS mir ba$ §aupt an ben 
Zeigen CrionS! 

* Die (Sprache ber lugenb, ber Sßartjeit, unb ber fteltgioit, 
bie fie führen, ift bie Spradje ber ®ott§eit. 

Deutsche Litteraturdenkmale. 42. 4 



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50 



18 5dtafreon3 SBermäfjJimg. 

(SineS £age3 fam ffitjtfjere 

$(n bem %u)e be§ 'JtornafjcS 

3u Slnafreon bem Tidjter; 

Unb erfudjt t()n, ifyren Knaben, 
5 $>er fo roilb &u unterridjten. 

®letdj nafym er ifm in bie £eln*e; 

£efjrt ifjn bcr (SamÖnen fünfte; 

2JJadjt ifm ftttfam unb gefjorfam 

®egen feine fd)öne l'eljren; 
io Unb gemölmt ifjn, oor ben 9ttufen 

©tetö gefleibet 51t erfdjeinen. 

?ange nadjfjer fam fie roieber. 
SBeifer, unb geliebter $idjter, 
©prad) fte, roa£ fann id) bir geben, 
15 deinen gleifj an meinem steinen 

9tod) 33erbienfte gu befofjnen? 

2) u erjogefl iljn fo fittfam,* 

3) ag ifjn alle ^teriunen, 

2) a§ Ujn alle üttenfdjen lieben. 
20 9Md)teftu boef) fclbev fagen, 

3£ie id) bid) belohnen fönnc! 
©od id) oon ben Charitinnen 

3) ir bie Slrtigfte Dermalen? 
Ober miflftu eine anbre? 

* La plupart des Odes d'Anacreon sont des ficüons 
ingenieuses, qui nc sont ni trop tendres, ni trop nues, 
qui occupent plus les Lecteurs de l'Art du Poete, que des 
choses memes, qu'elles representent, et qui respectent la 
delicatesse du goüt, rinnocence des jeunes personnej 1, et 
la pudeur du sexc. Ces Odes ressemblent a ces feaimes 
aimables, qui plaisent plus par les graces de leur efprit, 
que par la regularitä de leur traits, et qui ont beau:oup 
d'Amis, et peu d'amans. Idee de la Poesie Angl par 
Mr. l'Abbe YART. T. v. p. 123. 



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51 



(5r ertuieberte befdjeiben, 
Unb mit grofjer (Sfjrerbietung: 
,,$d)! roen fann ein SBcifer lieben, 
„2öenn er bid) einmal gefefjen, 
„©öttin, tute id) bid) gefefjen! 

(Sie üeiftunb ifjn, unb bermäf;(te 
<2id) in be3 ^amageS ©arten 
Wit ifnn, in geheimer Stille. 
2Benn fte babete, fo fu'elt er 
Qfyren ©ürtel in ^enualjrung; 
2Benn er bietete, fo fdjrieben 
3fyi*e ©ratien bie lieber, 
£)ie fte ifjn oerbeffern lehrte. 
9lmor fetbft mufjt ifm bebienen: 
3f)m ben alten SBart üon ©über, 
3^m bie alten Dorfen falben, 
$I)n bet) fyolbem <Sonnenfd)eine 
$ln ber §anb frieren fuhren, 
bie golbne Werter tragen, 
3l)m, mit jebem neuen borgen, 
9feue ^Rofenfränse binben, 
Unb um feine 8d)läfe nunben; 
Unb ifm immer: treuer £ef)rer! 
Unb ifyn immer: $ater! nennen. 
Dftemanb motte ftd) fcerrounbern, 
£afj man feine $leinigfeiten 
3lnnod) fie3t, unb überfeget. 
„28a£ bie ©ratien gef rieben, 
tt $£a§ ©ijtfjere felbft Derbeffert, 
„Ueberlebet alle Seiten, 
„Unb bleibt etuig liebenStoürbig. 



52 



[19.20 



19 2ob bc£ 9fttafrcon$ mtb ber 

Sappljo. 

ifct Sappljo toerfcfyeb, roarb eben her tetfdje Xidjter 
5tuf entfpriefenben Blumen gebogen.* Ten S'iebrei$ beffclben, 
Unb feine nieblidje Sßilbung 51t fefm, lie3 $enu3 iljn fyoten. 
Sdjnetl fprang 2lmor gerben, unb fprad) mit jornigem 9J?utfje: 

5 „Sfitarum fdjenftc bann nid)t ba3 fonft fo altfluge Sdjicffal 
„liefern Knaben, mit bei* nunmehr uerblidjenen Sappljo, 
„(Sine ©eburtöfonn, unb einen ammttl)igen £obe3abenb? 
„Xiefe 5tt)een flammenbe Stern, iljr (Götter, erlief) üereinet, 
„Ratten ein $euer gezeugt, ba3 alles angefteeft fyätte; 

10 „Unb id), oljne bic 2Mt ftet3 müljfam burdjreifen ju muffen, 
„Äömtt ifct, ruf*ig, nne iln*, benm ^ierftav ft^en, unb lachen. 



20 Vergnügen. 

Xa$ bie meitc SSelt bewegt, 

Unb fid) aud) im Düringen regt; 

£a£ alleine gut unb milb 

Unfve gan^e Seele füllt: 
5 £a$ Vergnügen folget nur 

Sanften trieben ber statin*. 

Stille Rauben fmb fein ,f)au3, 

Seine ^vad)t ein frifd)er Strauß. 

(Einfalt unb 93equemlid)feit 
10 Sein gemöfmlidjeS (Geleit! 

(53 erl)ält burd) Üftäftgung 

Sid) ftctä reijcnb, fid) ftetö jung. 

hieben il*m liegt (Snpripor 

®em ? in $eilgen auf bem Cf)r. 
15 deiner ber e3 fdjilbern will, 

Xrift e3; bann e3 fyält nid)t ftill. 

* <Sappf)0 lebte oljitgefäfyr umS 3af>r ber QSelt 3340; 2lna= 
freon aber umS jaljv ber 5&elt 3420. 



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53 



(53 verfolgen Ijeipt e£ fttefm; 
(£3 cmpfinben, nad) ftd) jiefjn. 
Senn fid) oft an einem Qeft 
Sikisfjeit oon il)m fangen löst: 
Dann begehrt au3 feinem 2d)oo3 
Die (befangne fetbft nid)t toft. 
Gern beüebtftcr ^uffent^alt, 
3ft bei* SOhifen 3:f)al unb !2Mb: 
255o ev ftetS nad) 9iofen läuft, 
Dod) nidjt ftet3 bie fdjönften greift, 
SBeit ber Änofpen ^euigfeit 
9)cef)r, a(3 2d)önl)eit, e3 erfreut. 
9)?and)maf)( tfjrontö, ooU feufdjer Vuft, 
^tuf ChjmpenS reiner 93ruft; 
Ober auf beut 9Wunbrubm 
©inet* treuen (Sljgattin. 
eSxeunbe, nrijj't iljr, mo id)3 fanb? 
Wo id) e$ mit Blumen banb? — — 
3mifd)en Dugenb unb SSerftanb. 

Über bic SSicbcrgcncfung 
ber fiatyfcriit $rau SDiut* 
ter, uub be£ ^ab* 
ftc£ ju gfeirfjcr 
Seit 

Der Ijeitge 35ater ^abft $u 9iom, 
(DeS MerTjödrften $icc*Dom) 
Unb unfre Äanferin 3rau SQiutter: 
Der (Srbe §äuuter, beebe fromm, 
<2inb burd) ber xHr$te ftrengen Drben 
3u gleidjer &\t oerbammet roorben, 
SCRit 9tuf)m uub 3 traten überftreut, 
Unb überreif jur Sceligfeit, 
3n3 obre 33arabic3 roanbent, 



54 



[22 



io 2)te 2£ofmung ber $oflfommenfjeit. 

3)ie SReife mar ein bifjtfjen meit; 
3)rum ftunb für einen mie ben anbern 
(Sin fanfter $rageftuf)( bereit. 
$)te $at)ferin, bie £uft ber frommen, 

15 £att' audj, öon £raurigfeit bekommen, 

$>od) ftanbljaft, nnb nidjt I)eibnifd)=meidj, 
Hnifet Dorn $at)fer, unb bem föeicf), 
£)a3 fo in Xfjränen nie gefdjmommen, 
$>a3 tc^tc 2ebemof)l! genommen, 

20 $)en legten §änbefitfc befommen; 

Unb moflt göttlid) 3(uge gfeid) 
3nr gütbnen SReifefänfte brefyen: 
Mein wie ftc Dernmnbernb fafy 
$e3 ^ßabfteö feine ftttte ftel)en, 

25 In tristi caeremoniä 

$er 3^'igen nidjt bor§ugel)en, 
(Sntftyofj ftc fid): <Bir bleiben ba! 

2Bar je auf ©rb ein fdjöner Streit 
$on $emutf) unb ©efätügfeit, 

30 ©enrifc! fo mar e§ biefer (streit. 

2) ie gange 2ße(t münfd)t ifyrentroegen, 

3) afj man, fo oft er jtdj erneut, 
s Jäe fäfyig fei), ifm beilegen. 
3)er Gimmel gebe feinen (Seegen, 

35 Xafy in ber merken (Sfyriftenfyeit 

&ic fjofyen £äupter aflejeit 
<2o fanft jufammen ftreiten mögen. 



22 »nf tyren ©elmrtstag. 

grennbin, fc^ön mie £efper3 Sölufe, 
£icbüd), mie ber 2£eft: 

(Sdjmäle nid)t, 
Xia§ id) bir an beinern geft 
5 Äeine junge $ei(gen fdjirfe. 



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55 



28o bu ja auf 9l6enbnriefen 
S8et) ben Tömmern gefjft, 

Unb am 93ad) 
S3ct) ben jungen Birten ftefjß, 

Saufen fie ju beinen güfen. 



Der ©djmctterling unb bie 
Stctie* 

<H>är3 äBetter fcf)ön, 
8prad) einft ein (sommertooget; 
SBärS SBetter fdjön, id) toottte 

3ur $ofe bunten gelm. 
Unb id), üerfefct bie weife Söiene, 
©ieng an bie Arbeit in ba£ ©rüne, 

SBärS Detter fdjön! 



Imor bot einft 511 ©totfjere 

9)ftd), a(§ feinen eftaben feit; 
Unb id) toarb, meiner ©fjre, 

§otbe ^ßfjttfiS, bir ju £f)ei(. 
Dann bie meine Dreue fannten 

S3oten ifjm ein ^urpurfteib. 
©ine bot burdj $lbgefanbten 
©inen $orb üott Diamanten: 

2(bcr SImor mar gefreut, 
©r öerroarf fo fd)(ed)te ®aben 

Unb entfdjieb für bid) ben Streit! 
Dann bu boteft mid) §u fjaben 

©inen «tief oott äärtüdjfeit. 



5f> 



125-27 



TOerliebfte 9tod)tigatl, 
©djmeige, beim mir finb aöeine. 
$läng bein angenehmer 3djatt, 
•ättißgunft naf)te biefem §aine, 
Scjte ftcf) 3um SBajjerfall, 
3ßo id) füg für Sol)tluft meine, 
Unb tJerviett) un3 überall. — 
Dag id) füß für 2M)lluft meine, 
SBürfte mir bann lauter Quaal, 
©lütflidjer mein' id) alleine, 
Merltebfte s Jiad)tigaÜ. 



<2d)lage mid) nid)!, liebe Butter, 
<3d)(aa,e mid) nid)t in3 ©efidjte; 
Dann aus? meinen blauen klugen 
(Sprühen, mcnn bu mid) fo fd)lägeft, 
Daufenb helle geuerfunfcn; 
Unb mie leid)tlid) fällt ein gnnfe 
2lnf mein tafte3 glügetfletbgcn ! 



Stn ba3 ©rafi, toornuf ^iUtä geruh*. 

*>pl)illi3, bie bie Xngenb fennet, 
Die felbft 5(mor 2d)mefter nennet, 
,§at, o junger üDitjrtenhain, 
Söeldjer nod) für Viebe brennet, 
9J?ir, 51t Vinbnmg meiner s J>ein, 
Den Söcfud) in bir gegönnet. 
3euge Don ber reinjten ©lut, 
©rafj, mo mid) ifjr 5lug' entlüfte, 
3113 mich ih 1 ' ®efpväd) erquifte, 



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28-30] 



57 



(Set), o fet) ber Uufdjulb gut. 10 
3orte§ ©rajj, ftcfj, unberte^et, 
SBieber auf, roo fie geruht. 
(Sine $(einigfeit oerfefcet 
Sonft bie ©tferfudjt in 2Butf)! 



Gimmel! nia3 id) nidjt gelitten! 

SBtg in unfrei SalbeS bitten; 

SBifj §u ben gcljcimften 23udjen 

2)rang mein £irte, mid) ( ^u fudjen. 

grenlid), luie id) felber futbe, 5 

,£>att' er ungemeine ©rünbc, 

§u fef)n, mir ju ergeben; 

$)od) aud) id), mid) ju oerfyeclen. 



©ott beS ©djtafcS, bu bift fdjtau, 

Sagte meinet 9?ad)bar3 grau. 

Sanft in beinen Irm gesiegt, 

§at bei* s Jtod)bar mid) befiegt: 

'Denn im Svaum, oon bir getieft, s 

SS>avb id) fdnvad), unb er beglütft. 

tylufyV er mid) fo meid), a(3 fd)ön, 

Unb nid)t erft redjt graufam fefm! 



$e$ mt ** ßntfdjhtfji be^ @r6auung 30 
feiltet ÄloftcrS. 

2£ci( afle3 nad) SBerbienft f(ein ober groß mujj feim, 
So fei) mein (Sjjfaal grofj, unb meine $trd)e ffein. 
Unb mad)t, bie Ufjr ju reguliren, 



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5S 



[31. 32 



10 

31 



5 



32 



5 



Unb auf$u$tel)n, unb ein$ufdjmieren, 
$en «rübern 9fltu): 

So ftotfe fte, fo fdjiueige fic 

©efyet nur bcr Söratentoenber 
Spatfj unb früfj 

Sanfter, richtiger, beljenber, 
Unb ftoft nie! 



Stmalia. 

^öbuS fafj Amalien, 
W\t breto l)olben Gilten, 
Sfnen £öd)tern, bor 9ltljen 
3m babenb ftejjn: 

lehnte ba bic ®ra$ien 
Unb (Stotteren fetöft fef)n, 
Unb toergafj faft, fortaugefyn. 



3u begierig, unfrc ftitlc Kütten, 
Unfer Sibur lieber $u befugen, 
Sdjlidj fid), 2lqui(o gnm Sro^e, fjeimüd) 
Unfer Zfyai herein, ein Söfjndjen gepljirS. 
$)urd) fein (Sorgen überwog bie £f)äler 
Satb ein Xeppidjtoerf oon blauen SSetfgen, 
$>ie bie £uft gelinbe parfumirten. 
Unterm •äftäntefdjen ber jarten f5(ügc( 
$8rad)t e3 öiele, fyafö nur fttcfe, $lmor3, 
2BeId)e piepenb Söüfd) r unb ©arten faßten. 
Seit ber Stunbe yoitfc^ern, hrie betrunfen, 
Unfre $öge( atF au§ allen (Scfen, 
2Ba3 gan$ 5ärt(id)e§ unb njofjlluftreidjeS. 
5lnnod), bünft mid), ift c3 feine Siebe; 



od), mic leid)t(id), ©ötter fann man irren! 




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-85] 



59 



3üngft tarn Äupibo öon Sirenen; 

Unb 33enu3 fpnc^t : 
5Btc fanbfru fic? - - (5r fprad) mit Xfjränen, 

<5o liebreich nid)t! 
£) SWutter, fyabe bod) Erbarmen, 

Unb ftrafe fie! 
<£ie legt mid) anbern in bic Ernten, 

Unb nimmt mid) nie! 



Sans les illusions, que servient 
nos plaisirs. 

3lpfjrobitem3 fd)öne3 $inb, 
Unöorfidjtig, leicht geftnnt, 
(Stolperte bet) ftnftvev 9?adjt 
UnöerfefjnS in einen <3d)ad)t. 
$1(3 c3 nun 9J?inerr»en rief, 
$ie im nädjften Xempef fdjüef, 
$am fie, aber ofyne £id)t, 
£iebcjen, fprad) fie, meine nidjt, 
®erne §ünbet' id) bir jmar; 
3lber fäljftu afle3 f(ar, 
SBürbeftu ber ®ott ber ^ein 
£jtrer, als ber Sreuben fer;n ! 

grftcS Rondeau: 
tiadj einem frauaöftfdjen Stüter au3 bem 14. 

Söfjrljunberi, 

$)e3 fdjönen 3frülj(ina3 ^poffurier 
bereitet mieber ba§ Quartier; 
Unb fpreitet über unfer ®ofen 



C>0 



13G. 37 



Tapeten toon beliebter 3* cr / 

2) urd)ftirft mit 53ei(gen unb mit Rofen. 
$)e3 frönen grüfjünaS ^offurier 
bereitet mieber ba3 Ouartier. 

(Supibo tag, a(3 roie erftarrt, 
3m (Sdjnee be3 Februar toerfdjarrt; 
3|jt tanjt er unter Sfyrifofen, 
Unb aHeS ift in if)it oernarrt. 
(£in jebeS §er$, tl)m licb$ufofen, 
Ruft: rauher ÜSintl)er, f(eud) üon Ijier; 

3) e§ fdjönen grütjlingS ^poffurter 
bereitet mieber ba3 Ouartier. 



giac^tcö Rondeuu. 

£)en Rod oon Regen, 5fi?inb unb 2dmee 

§ot nun bie 3ar)rö3 e ^ ausgesogen. 

3fjr ift ein fd)b'nerer uon Älee 

Unb (Sonnenftraten angeflogen. 

2)tyrtitt fingt mit ber ©alatfjee: 

jDen Rod uon Regen, iJBinb unb 2d)nce 

£at nun bie 3afM3 e it ausgesogen. 

T)aS junge £fjal, bie lidjte §öf) 
©tefjn gtänsenber, a(3 Regenbogen. 
Demanten trägt and) felbft ber 2d)(ee; 
©3 funfetn atte ifikftenuogen 
3n präd)tig=fi(berner i-iuree. 
2)en Rod uon Regen, SBinb unb 2dmee 
$at nun bie 3^^3 e ^ ausgesogen. 



(SatuM 3.™ Stnngcbidjt. 

Meinet, (Sljaritinnen, meinet $lmor§, 
Mc£, maS man artig nennet, meine, 
deines 9)Jäbd)cn3 einiges Vergnügen, 



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Ol 



deines 2fiäbd)en§ (Sperling ift geftorben. 
Den e3 meljr, als feine klugen, liebte; 
Denn er tuen* fo attcrliebft unb artig, 
<So oerftänbig, unb fo ootf ©mpfinbung, 
Dajj er minber nidjt fein liebes Sftäbdjcn 
9113 ba§ Sfläbdjen feine 9Rutter fannte. 
■Jtte bewegt er fid) oon iljrcm (Sdjoofe: 
(Sonbern Rupfte l)ie, unb ba, unb borten 
5luf bem <Sd)oofe munter auf unb nieber, 
tyx nur piepenb, ujr atteine fdjmetdjclnb. 
$(d)! ijt roanbert er bie bunflc (Strafe, 
Die man croig nidjt jurüefe luanbert. 
Drum üerflud) idj, «Schatten be3 (EocntuS, 
Die ifjr, roa3 nur artig ift, Derfd)linget, 
Drum oerftud) id) eud), bann iljr entführtet, 
Dann ifjr ftal)lt mir i()n, ben fd)önften (Sperling. 
£> toerrudjtc £fjat, o armer Sperling, 
Durdj bid) fdjmetten, ad)! Don ftötem deinen, 
Durd) bid) fdjmellen ifcunb, unb oerberben 
SttcineS fyolben 9)cäbd)cn3 Ijolbe klugen. 



(SatuM 13. Stmißcbi^t. 

borgen fottftu bei) mir, hne ein $önig, 
<Stnb bie ®ötter bir gewogen, fpeifen: 
2£of)foerftanbcn, luenu bu beine $üd)e, 
Deine letfre mofjlgefpirfte Äüdje, 
5lttifd) (Safy, unb (Iljiernjein, unb (Sdjeqe, 
Unb bein blonbcS 9)?äbd)en mit bir bringeft. 
2Bie ein Äönig fottftu bei) mir fpeifen, 
25>enn bu, fag id), atteS mit bir bringeft. 
Denn adj leiber! bcinc§ greitnbc§ Söörfe, 
9Jfein gabufluS, ift üott Spinneroeben. 
Dod) \tatt beffen nritt id) bid) mit Süden 
SBoH ©mpfinbungen ber treuften £iebe, 
Unb wenn \va$ nod) Ijolber ift, bebienen; 



02 



%ndj ben ^Balfam bir rierfjen geben, 
Den bie ®xa$kn unb $lmuretten 
Steinern fjotoen SDfäbdjen einft öerefjrten. 
28e(d)en, menn bu tf)n $u riechen anfängt, 
SÖtrftit, fdjmör idj, afle ©ötter bitten: 
•ättadjt mid), madjt mid) bod) (auter 9?afe 



fiuiij unb ©ürgcl. 

Seid) füge 2Bol>lIuft, fo ju trintfcn! 
©pradj $un$, unb rütfte feinen $ut, 
SBen neuem 2Bein unb jungen <3d)infen 
<£inb aüemafjt bie Seiten gut! 
Die Steuer fdjeinet öiet gelinber, 
Die ©tunbcn fliefen toiel gefdjnrinber, 
SSenn man bei) üoflem ®Iafe fpridjt; 
Denn an bie 8d)ulben bencft man nidjt; 
s 3?od) weniger an 28eib unb Äinber. 
(befiel e3, s 3tod)bar ®örgel, bir, 
2Bir blieben bis jum borgen fjier? 

$tafdj fieng fid) (borget an ^u blähen; 
((Sr fyatte, mie ein 3era3ficr, 
Den $opf t>ott Stangen unb Doli §öl)en) 
3d) Ijatte, Detter ^unj, bafür, 
3I)v fdjeint baS Ding nid)t ^u öerfteljen, 
Unb raifoniret, wie ein Dtjier. 
21>ir bleiben redjter immer f)ier: 
(5$ foftet nidjtS, a(3 mann mir gelten! 



Der porige »mor. 

Qüngft fafj tdj ben (Supibo 
Stm 3ßwer brauner 3lugen, 
^id) f(eine ^feite fdjmieben; 
Da trat id) etmaS näljcr, 



41. 42J 



03 



tlnb gurfte $u, unb lachte. 5 
£)a fprüfjeten auf einmal 
<Bo biete 2teuerfunfen 
$luf feine naeften ©Heber, 
$)afj er entfliegen wollte; 

$)od) feiner Slüget (Spieen io 
$)ie waren fd)on öerfenget, 
Unb fonnt' er nidjt me^r weiter 
5113 in mein $cr^e flattern. 



Mglaja an 2ttfjama3. 41 

2Btc lange witfftu bid) betrüben? 
3d) ftt^Ce ia für bid) ber Siebe ftärefften 3ug. 
Xu bleibft aud) meine i'uft ben Äof)I unb ftüben, 
ÜD^ein ©to^ im 33auernrocf, mein gürft benm s ßflug. 

Sieb' id) bid), 5rcunb, benn nid)t genug? 5 

Antwort. 

■üftein &erfc, 0 greunbin, fagt, bu fönneft ftärrfer Heben; 

Ü)u Hebft mid) nid)t genug — — , 
3« £obe werb id) mid) betrüben! 



$a$ ju grofe unb 311 fur^e ©lütfe. 42 

©in SDtoütgen I)at mein 3Kunb öon 3fjrem 9ftunb geraubet, 

Ob fie mir g(eid) bie ^anb t>or meine Sippen Ijielt. 

2Bie e3 <5efunb betreibt, fo fjab id) e3 gefügt, 
Unb midj gtätffeeliger, a(3 Könige, geglaubet. 

£)od) meine Suft öerfdjwanb gleid) einem 2Baf$erfdjaum, 5 
Unb wie e3 mir ergteng, mug ftet3 im «S^eifel Hegen. 

ütfein ©tücf war $war 31t groS für einen leiteten £raum, 
$dj! aber, aud) $u furfc, für ein warljaft Vergnügen. 



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[43-45 



43 Sitte an btc ©öttcr. 

(Sic Hebet mid), um bic id) midj bemühte! — — 

©rofc ift mein @tärf, unb, mie ber $tmme(, Ijod). 
9tod) eine $u(b, ifjr (Götter ootter ©üte, 
©erocifjret mir: ad)! btefe (Sine nod). 
5 3oü mid) einft 9lurora fjajjen, 

2)ie ant^t für l'iebe girrt: 
$ld)! fo lafeet mid) erblagen, 
(Sinen £ag §uüor erblafjen, 
@()e fte mid) (jagen wirb! 



44 Sinugcbidjt. 

3>en gäd)er in ber £anb, gteng id) in meinen ©arten, 

£en jungen 3ep()ir S u erwarten; 
<2dmeü fpielt mein Unterrocf, unb f)ebt ficf> Mäfjenb auf. 
9Mfommen, o gaoon, ber Sdjäferinnen Liener! 
5 <So bad)t' id) Stber ad)! eS mar in ftrengem £auf 

©in grober 9corb: ein (Sapuciner. 



45 JRittöelocbt^t 

$luf einen SBranbmeinbrenner, ber geraume 3 e ^ Deuter, unb 
9J?arcfetenber gemefen, jutefct aber 2lbt geworben. 

9D?it einem §elmc t)atte man 
£>cn ^ufdbrenner £ulipan 
3m £ager t>or 9?amur erbtiefet, 
£)od) feinen §ut Dor tfjm gerürfet; 
ö 3fm brürfete ber Kirchenbann. 

3§t aber cfjrt man ifm gebildet, 
2£eil er bie Snfitl aufgetfyan. 

^erfhnb tjatt' er jroar feinen ©ran; 
Denn oft gieng tf)iu, mann er genirfet, 



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46. 47] 



05 



$a3 Slquctbtt im $otf>en an, io 
Unb öftrer badjt er gar nid)t bran, 
£>en ^uberten, nne fid)3 fdu'tfet, 

Wit einem §elme. 
2Ba3 madjt if)n benn ^um grofen 5ttann? 
Ü)te $unft metfeidjt, bte idj nidjt fann, io 
2Bie man nur fdjroäfct, unb bod) entwürfet? 
■Wein! aber ein3 fjat ifjm gegtücfet: 
Unb biefe3 @inö f)ub ifm fjinan. 
(Sr trat auf biefeS Gebens 23afjn 

9Nit einem £e(me. 20 

9(13 Sintolcou 46 
31t fjet>rat(jen gejtoungcn 
marb. 

$>er (Sigenfinn ber 3 eu< imc ^ Henrietten 
3n jpnmenä £>au3, trofc aller (ttegenroeljr. 

O £iebe, binb un£ ba fein feft mit 93tumenfetten, 
Unb fjüt' un§ burd) ein greübenf)eer, 

<sonft »erben nrir uns balb in§ <3d)(of$ ber gretofjeit retten, 5 
Unb bann befomftu mid) nid)t mefjr. 



SBaS öou ofjugefäljr gefrfjeljett 
fönttte. 

53on oljngefäfjr gefiel mir $lmarille; 
33on oljngefäljr gefiel id) ifyr. 

©etreu ju fenn ift i§t mein ernfter 2Bitte 
3>odj, 2Imor, fjor'! unb fage mir: 
SSerjieljcftifS, roenn id) Don oljngefä'ln; 
3r)r untreu war*? 

Deutsche Litteraturdenkmale. 42. 



47 



5 



5 



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[43. 49 



48 Der befolgte SHatf). 

©upibo ftaljl ber Butter 
Den fünften $ing für ?f^en; 
Verbarg fid) bann in ©ile 
3n meinet 2Käbd)en 2luge, 

5 Du f>aft bid), fagt id), übet, 

Du Heiner Dieb, »erborgen. 
3d) fud)te, toär id) Stmov, 
©in iperj, mid) verbergen, 
©in |>er3, oerfefct er lädjelnb, 

io Verbirgt ntid) fretjlid) befjer. 

©o fei) e3, fluger $nabe, 
©o fen e§ bann ba£ beine, 
3n baS id) mid) oerberge! 



49 Stfant^ unb *ßf)rtjtte. 

Dljngefäfjr bor fieben 3ö^cn 
SBot ^Ifantr) au^ Unbebadjt, 
gür bie Sreuben ©iner 9*ad)t, 
^fjrtjnen alle feine SBaaren: 
5 Da f)at fie ben $nitf3 gemacht! 

9tad) oerflojjnen bretten Sauren 
§atte fid) Slfantl) bebadjt, 
Unb oerforad) für ©ine Wadjt 
$lof$ bie Reifte feiner SBaaren: 
io Da fjat fie it)n au3gelad)t! 

9lad) ber £anb tarn fte gefahren, 
£ad)te, fügte, war gcfd)(ad)t, 
Unb oerfjieS ifjm ©ine Wadjt 
%nx ein Drittel feiner SBaaren: 
15 Da entflog er aufgebraßt! 



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50.51] 



67 



©nbttd) nadj nodj tfvfyen Sauren 
$am fte, gfüfjte nue ein £)ad)t, 
Unb r»erl)ie3 ifnn ifjre SBaaren 
3n§gefammt für (Sine 9tad)t: 

£>a f)at er fie auSgeladjt! 20 



Suf DlnmpenS £anb- 60 

$anb, mit $luroren3 §anb 
3m näd)ften ©rab öerwanbt, 
£)ie Stmatfjunt regieret, 
3ft 23enu3 cmfer ?anb ; 

Unb $lmom fe(ber führet. 5 
jT)ein Urfprutig ift be!annt: 
(Sin papljifd) ÖtöSgen jeugete 

£>id) in ber SS)' 
Wit einer reinen £üie. 



Äuf ben Job eines ftreunbcS. 51 

3ft StycibaS nidjt mein* am £eben? 
DKmmt ifjn ber §immel f)in, ber mir ifjn bodj gegeben? 
$Idj! Ijolber ©egenftanb toon meiner Ütraurigfeit, 

3)ir füel) id) nnüig nad)! roo biftn, biftu weit? 
3)idj, ben id) täglid) faf) an meiner Seite gefjen, 5 
£)er meine £uft bei) ^ac^t, 
9J?etn ©lürf bei) Sag gemadjt, 
<BoU tdj auf ewig nidjt mefjr fefjen! 
©eredjte ©ötter! 2$ie? id) fott nidjt bet) tfjm fetjn, 

TO burd) ein traurigS Angebenden? 10 
2Bif$t, Störer meiner ^uf)'; iljr fönnet ifjn werfenden, 
$>od) fdjUe^' id) mid) mit ifjm in bie ^erroefung ein. 



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68 



[52-54 



52 ©cfäJjrlidjfctt bc$ 2oU. 

Seid) ©ift Doli licbtidjer ©efaljr 
3ft nid)t ein feinet £ob, womit un3 Äcnner fd)mütfen! 
Sie mädjtig ift eS ntd)t, ba3 SBifcdjen ju berrürfen, 
Sa3 Don Vernunft nod) ben un§ übrig mar! 
5 Unb o mit mefd) entjürfenbem Vergnügen 

(stellt man ifjm nid)t, ift man ein 3lutor, fvet), 

$et)m Statte feiner 8d)meid)elen 
Tie ßäntniS unfrer felbft gemäd)lid) ein^umiegen! 



53 Sick Brauset tttdjt Serftanb. 

$or fteiten reigte ber $erftanb 
9tad) 9lmatf)unt, mo er bie Königin ßntljere, 
Ten blinben (Stjpripor, unb mele ftnmpfjen fanb; 
33et) benen er, fo gern al3 id), geblieben märe. 
5 (5r bot ftd) allen an, tljat artig unb galant. 
Ser mid) jum Süljrer mäljlt, wirb, fprad) er, niemals gleiten: 

3dj füt)r i^n immer an ber §anb! 

Todj (£i)pri§ lad)t' unb fptad): r)ier f)crrfd)t, feit alten 3 e ^ en ^ 
grau Tfjorfjeit, unb muß mid) unb meine Sinber leiten; 
10 SöefonberS meinen <3of)n, mann er ben Sogen fpannt! 
Tie abjuf Raffen mad)t ju t«iel SBefdjmerltdjfeiten ; 
Trum manbert immerhin jurücf in euer £anb, 
50?eiit aderliebfter £err ^ebant; 
Tann £tebc leibet nidjt SBerftanb. 



Siitttgcbtdjt. 

Tie Tarnen fdjeinen l)ier ben eblen Wadjtoiolen 
$oüfommcn gleid) %a fenn. 

oerbreiten fte, am 2ttonb|d)ein, unoerfjolen, 
Ttof)ter 9lrm, ber 8d)önf)eit oollen <3d)ein; 
£>e3 Borgens jiefjen fte, oerftoljlen, 
ten Xugenb gteid), bie ^Heije mieber ein. 



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55. 561 



09 



3(uf bctt Suftgartctt ju * * * 

$)u fdjöner (Korten bu, mo b(ü(jenb, in Wem 

53iel ^omcran5cnbäume ftefjen; 
So fjofoe föofenbüfd)' unb $at)ne Don 3a3min 
3)en artigften ^aHaft, ben je bic 2öe(t gcfefyen, 

Wit grüner 2)unfe(t)eit umfltcfjn: 
$u Mft fein (harten nid)t; bu bift, burd)'£ ganäe Sa^r, 
$u beineS Stifter^ 9tuf)m ein buftenber §Htar. 

Rimbert rei^enbe s Jiajabcn 

£>d)(eid)en oft, oernarrt in biet), 

$u3 ben gelfen nnb SaSfaben, 
Unb ljüpfen, bid) $u fcfrn, pljantaftifd) über ftdj 

Unb preifen bid) nnb Stiebend). 



©dabon. 

5Iuf biefem 9tafen, ben bie Siebe 
<2o reijenb fcr)ön für Sicbenbe gemad)t, 

Saft Setab on in grüner 3wetge 9?adjt 

$ofl 5ärt(id)er (Smpfinbungen nnb triebe: 
Unb fdjnitt in einen 83aum mit mattoerliebtcr §anb 

2)ie $erfe, bie fein §erfc erfanb. 

O feelig! mürbe mir gegeben 
3n biefem Zijai, baS gvieb unb 9lul) umgibt, 

Wit 3ri3, ftetS in fie öerltebt, 

Unb ftetS oon iljr geliebt, $u (eben! 

Sie gern motft id), mein 5Bater(anb, 
$on bir oerbannt, 
Unter jarten £inben, unter ftitten Söudjen 
teilte SRuf), mein GMütf, 
9tor in ifjrcm 33litf, 

Unb an tfjrem 33ufen fudjen. 

55i3 mir cinften§ aüe gmeen, 

£eben§fatt, nid)t Viebcn3mübe, 

Unfre ^irtenftäb in griebe 



70 



3n ba§ Xl)a\ ©tyfien 
3u ben frommen Sdjaaren brefm; 
3>a in amarantenen ©chatten 
Un3 uottfommener ju garten; 
Un3 nid)t mefjr getrennt ju feljn. 



$a3 Scfccn. 

mc ein ©embtf, fo föneHe, 
@o fdjnefl, mie beine 2öeüe, 
gntflie^t bie 3eit, beliebter 93ad) ! 
(Sin X^or allein fiefjt it>v mit SMjmut nadj. 

9?ur ber fic nufct, 
ßann, f(eud)t fie g(eid) ben 2£inben, 
©o feljr fte ftufct, 
3f)r h)xc regen güigel binben. 
3ft unfer l'eben nur ein furjer 2Beg, 
3ft unfer tfeben nur ein fdmialer Steg, 
©o lagt un3 biefen furzen 2öeg 
tlnb fcfjmafen Steg, 
So lang mir noef) im ^rieben brüber gelten, 
Wit «ofen überfäen. 



»n bie $rau Mit * * * 

W\t empfmbttdjem Vergnügen, 
Sann bie 2öe(t in beinen 3ügen 
Aden $ei* ber ©ratien, 
2Wen ©eift ber Hillen fefot. 
SBottte fplbe 3ud)t auf (Srben, 
£te man nidjt mefyr finben famt, 
§öfen roteber fid)tbar werben, 
(SfjtoriS, jmeifflc nid)t baran, 
©eine ftttfamen ©eberben, 
©einen Söücf nur näljm fie an. 



59-61] 



71 



£nua unb tfjre äRitttcr Satona. 59 

$afj e3 un§ niemanb red)t madjt, ift gemeinigtidj 

9?id)t onbrer £eute, fonbern unfre eigne Sdjulb. 

21(3 einSmaljtS Pirna tt)vc Butter flehte, 

3^r bod) ein neues, unb bequemlid) pafjenbeS 

©etuanb ju fdjaffen, nnb beroeglid) flagete, 5 

$>aj$ nod) fein Reiftet* i()r e§ jemand red)t gemadjt: 

£f)at iljr £atona toeiSlicf) btefe Antwort funb. 

2Benn bu mit Älugfjeit bie ©eftalt befeftigteft, 

$)ie bir bein 33ater rei$enb gnug oerliefjen fjat, 

Unb fie nidjt, eitel, jeben £ag öeränberteft: 10 

$)u nutrbeft (eidjtlid) beinen Söunfd) erfüllet feljn. 

Httein bieroeU bu, n>a§ bn bift, nidjt bleiben ttrifljt, 

$ielmef)r Fortunen, beiner alten greunbin, gleid), 

$>id) attsuofttnal)l3 un3 in anbrer Stellung jeigft, 

#eut' einem Sogen, morgen einem Sd)ilbe gleid), 15 

So fannftu niemals in ben föeidjen 3"piter3 

2)en ÜKctfter finben, ber bid) redjt befriebigte. 



ftabtl 60 

Sflit ftofj erhabner Stirn', unb nidjt burdj i*a$ gebrütft, 

Sprad) einft ein leerer fealm $u einer Dollen $Üjre: 

„2Bie fommt e£, baf$ bein |>aupt fo nad) bem ©oben nieft?" 

Sogleid) oerfefcte bie beut SSrübergen jur £ef)re: 

,,3d) ftünbe fretolid) nidjt fo tief Ijinab gebüdt, 5 

„2öann id) fo leer, wie bu, in meiner Stinte märe." 



Stnngebidjt. 61 

©in $eifenber fam cinft nad) 3abern fjin. 

Siel)! ba ein Sdjlofj, fprad) er in feinem Sinn! 

Snbem erfdjien bie £erjogin: 
$a! badjt er, nein! — e3 ift ein Sempcl. 

$ie Xugenb, fefj id), roofmt barinn! * 



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72 



f62-64 



62 Über i^rc Släfee. 

$)u fagft, id) mürbe bid) red)t fonberbar uerbinben, 
$önnt id) im 3anuar ein 9iö3gen für bid) finben. 

Sofjlan, geliebte^ $inb, 
#at beiner fangen <ßaar bic Üiofen fo bonnötfjen, 
5 (Sprid) nur: id) liebe bid)! fo foden fie erröten, 
Unb fmnbert SRofen ftefyn, mo ifco tilgen finb. 



63 23et) ©clegeuljeit ber 3tnfnn^m 

eine« frönen ©cifteS nnter bie 40. befolbete 
SRitglieber ber frau^öfifd)cit 3(fabemte. 

$on <Sd)reibefud)t ben 3)id)tcr ^u entmölmen, 

$8raud)t3 51t ^ariS in SSarljeit tuenig 3)füf); 
2BoI)lcingepacft in einen 3tul)( mit Veimen 

Sefct mau if)n nur in bie xHfabemie. 
5 ©leid) gälmt er, fdjtäft, unb fd)nard)et um bie 3£ette; 

©leid) f)ä(t fein $iel mit 23üd)erfd)reiben ein. 
$er fanfte £tulj( fdjeint/ iua3 ba$ ßljebette 

£>em 5lmor ift, beut fdjönen @eift 311 fenn. 



64 SfragmcnL 

Aurora, ba fie früfj au3 if)rer Cammer gefjt, 
£rägt ein ©efäj*, in bem mand) blaffe Vüge ftefjt, 
3n iljrer redjten .C-mnb, geuftt au§ mit ifjrer V'infen, 
2)cn Ärug, Don $äi)ven r>ofl, bie $ra3 unb Sölumen trinfen. 
5 $er 2Beft, ber ifjren 2d)(ei'r, au$ grauem Duft gemebt, 
3Sornnfcig, über f)a(b, oon ifjrer 8tirne fjebt, 
3eigt ifjr fonft lädjelnb 2lug', unb rofenreidje SBangen, 
UuS mit ^crjmeifUtng ifct, unb Iraurigfeit umfangen. 



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€o-€7j 



73 



Über bie Springbrunnen 
Sit 9?ari$.* 

33etym 2lnb(irf betner fto^en Ü£Bäße, 

$ari§, ftef)' id) gefehlt ftiü; 

Unb fann nidjt metjr bon metner 3teße, 

Unb roetfj ntd)t mefjr, njofjin id) miß. 
Üaufenb Semucf, taufenb Sd)tö§er 
Unb jebeS i'ubmigS mertf), unb jebeS fönigüd) 
$e$aubern mid). 
Verliebt in bid), 

(Steigt mein rein'ft (Gemäßer 

2>urd) geheime Zljov' 

lieber fid) empor, 

$or ber Koffer Cfjr 
Steiner £eibenfdjaft 3i^'tüd)feit 51t malten, 
Unb au3 eh>igrtnnenben fötalen 

£ir Xribut ju jatylen. 

$ic Siebe. 

Sfyr $öge(, i|Y$ $luroren3 2traI)I, 

Der end) ermerfete, §u fingen? 
©r ift e§ nid)t. s 2luroren3 etral)( 
$ann biefe SOtyrtljen nid)t bitrd)bringcn. 
Die Vieb' aßein, bie Vieb' enuerft eud) f)ie. 

3d) fanu eud) biefe Viebe gönnen! 
9Jftdj aber merft biefelbe nie. 

2£ie moßte bie mid) werfen tonnen: 
Die mid), feitbem ber 2£eft in junge 9iofen MieS, 

We f^Cofcn lies, nie fdjlafen üe3? 

3$r fjabt mir lange fdjon, id) fet) nidjt fdjött, gefagt. 
2Bie Fommt e3, bajj tyr mid) uod) immer bamit »tagt? 



* $)tc Dipmp^e ber Seine rebet. 



74 



[68. 69 



^1^1^ id) nrid) bann, bie ©adje beftreiten? 
2ld)! <5d)önen! quält mid} nid)t mit alten fteuigfetten. 
5 Sfjr fü^tt Ja felbft, roie cud) ba3 $)ing bic (Seele nagt, 
$>af$ eud) bei* ©piegel ftetS, roaS ifjr mir faget, fagt. 



3d) merfe, ba& bie glur, bie (statt, bie ganje 2Mr, 

9D?tr ifeo roieberum, aud) olme bid), gefällt ; 

3d) fjöre bidj nidjt meljr, nrie fonft, errötfjenb nennen, 

Unb fann mid) überaß, gelafjen, öon bir trennen. 
5 3d) gtüfje SagS ntdjt mefjr, bir immer nadj$u$ieljn ; 

3n träumen fei) id) bid) audj 9?ad)t£ ntdjt meljr entflieljn. 

Äein Sölicf öon bir finbt mefn* ben 2£eg gu meinem #er$en; 

$ein £ädjeln madjt mir nidjt, nrie öormaljte, füfc <3d)mer$en. 

3dj bin fein $önig mefjr, ertfjeüftu mir ©eljör; 
10 Unb glaube, Willis, faft: id) liebe bid) nidjt meljr. 



68 



Sin $$UH*. 



69 



*)?etrardj. 



15 



10 



5 



90?eine aüererfte Meinte, 
3ene bilberretdje träume, 
2ßenn id), o iljr SDtyrtenbäume, 
91n ber ©djönfjeit Söufen fang: 
Serben leidjt ben ^reiS gewinnen; 
£)ann ein §eer öon Charitinnen 
Gdjüfct fie öor bcm Untergang, 
Unb ba3 füfc ©ift ber ©innen, 
3)ie (Smpftnbungen barinnen, 
SHüljren unb gefallen lang. 
2Imor, $inberd)en oon gloren, 
£iebt eud) alle fonbcr ^roang; 
$lber 9iofen, mit Juroren 
3ln bem erften 5Wai) gebogen, 
©ibt er, au§ geheimen §ang, 



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70. 71] 



75 



3n bem 93ufenfd)mutf für (Sporen, 
3n bem $ran$ für £eonoren 
3töemaf)l bcn erften föang. 



9ladj beut Rousseau. 70 

(£3 fefct' in ifyren alten Sagen 
(Sntfjere btd) unb mid) §it gleichen (Srben ein 

Unb gieng in ein (Sonüent hinein. 
£>em 5lmor aber marb bie Xfjeilung aufgetragen; 

$)od) er beforgte fie nid)t fein: 5 
£>enn bnrd) bein $lugenpaar befiegt, ba§ immer fieget, 

$8e)d)teb er bir allein, 
25>a3 in ber ®ratien berühmten ©ürtel lieget, 

^Reijt, überrebet unb vergnüget; 

Unb mir allein io 

$ie 2l)ränen unb bie ^ein. 



Seine Sfeljnlidjfeit mit Styolfem 71 

(53 fagte Stella: 
9)?ad)ftu auf mid) 
©in artig £iebgen, 
<£o bift bu mein. 

3d) madjte Ijurtig & 
(Sin artig £iebgen. 
(Sie lobt'S unb fagt: 
9?un biftu mein! 

GDod) id), o <5d)äfer, bin nod) nidjt bein. 

Sa3 id) erfuhr, io 
©rfu^r Hpotlo 
$luf SempenS Öfur. 
gür 2)apfjnen friegt' er 
£en Lorbeer nur. 



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7lj 



[72-74 



72 »ttgduwbe. 

(Smpfang, tüte bu oerbienft, bon jebem, ber bidj Hebet, 
9)?ein $inb, ben SSeitgenftrauS im Wavy, 

Unb ^weifte gar ntdjt bran: ba3 £er$ ift'3, ba§ ifm giebet; 
3d) aber gebe bir ba3 §er$. 



73 $a3 »ninuttjsuotfe unb #olbe. 

2Ba§ ift fo anmut^öott unb fjolb? 
Wid) frönt bei) Sag, in fdnueren ^roeigen, 
Die fid) ju mir herunter neigen, 

Der ^omeranjenbaum mit ($otb. 
5 2Ba3 ift fo aumutyäoott unb ljo(b? 

2l>a3 ift fo anmutf)$t>ott unb Ijofb? 
De§ 9lbenb3 fei)' id) i'unen rotten, 
Unb mir t>er(iebt ein 9)iäu(gen polten, 

2öie fie (Snbnmion gesollt. 
io 2Ba3 ift fo anmutt^ooa unb f)o(b? 

2Öa£ ift fo anmut^oofl unb fyolb? 
3d) fef)' in ir)rcr ^itroimoicgen 
De§ 9)?orgcn3 bort bie Sonne liegen, 

<2o glüfyenb toic ein Drunfenbotb. 
13 2Ba§ ift fo anmut^oott unb r)otb? 



74 Dtc fjiinmlifdje unb trbtfdje 3?cnu3. 

Wid) lieg Slpod auf be§ ^arnaßcS £bf)en 
Die Ijtmmlifdje unb irb'fdje $enu3 fefjen; 
Die ein' umgab oon Üngenben ein Gtjor: 
3d) fat) bei) ifjr bie 2£ei3f)eit felber ftefjen; 
ö 3^' Singer miejj entfernt be3 ®(ürfe$ Ifjor. 



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75. 76] 



77 



3)ie tfooV, umfjüpft Don «S^erjen unb Don SJreuben, 

SBarf $ofen au3, fang 9lmorn lädjelnb Dor. 

2Bä$r, fmad) Slpofl, bic nmrbigfte Don benben! — 

©efefjrter ©ort, öerfefef td) bemutljSbott : 

(Gebiete nid)t, bag idj fte trennen fott: io 

©ernähre mir, bann fo nur gel)' td) fieser! 

$ie für mid) felbft, bic bort für meine SBüdjer. 



»n bic grau öon * * * 75 

3ene3 Schrägen öon bem Sagen, 

$>er (Sntfjeren ftetö getragen, 

(Sudjte tüett Don ©rtedjeulanb, 

3Bo ftd) 33enu3 f)in geroanbt. 

216er ate ba3 ^ärrdjen falje 5 

$>id) mein (Sngel unb bein <Sd)(ofj, 

$ie(t ftays '♦ßapljoS nneber nal)e 

Unb fanf frof) in beinen <2d)oo3. 



£tjmen unb bie Sruppcu 76 

£nmen ftanb im ^>interf)a(te: 

$lte ein §eer Don wimmerten 

(Seines 9leid)e3 ©renjen nafjte! 

Ser ba! rief er fyalberfdjrotfen, 

2Ber ba! — ober fotl id) fdjiefen? 5 

£olber SBruber, fprad) ifjr Süljrer, 

gürdjte nidjtS Don 9lmor3 Xruppen. 

Unfer (Snb^tued ift nid)t biefer, 

^)cine l'anbe oerfjceren 

£ber in Söefifc $u Ratten: io 

Sir Dewangen nur ben Xurd^ug! 



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78 



[77-80 



77 SR^rinä Stntigebidjt auf ben Sfjirftä.* 

3ljr 9tympljen, euer $trt, bem ^3an im «Singen gfeidj, 
Siegt, ba ber Wittag gUtfjt, betrunfen im ©eftväuc^ / 

3n einem unerlaubten Sd)(afe. 
(StjtfjerenS SoI)n bemalt inbepen feine Sdjaafe 
5 Unb trägt ben Stab, ben er bem Sd)(ummernben entmanb, 

Sto(g, tük ein Sdjäfer, in ber $anb. 
Soll nun fein roifbeS Xijicx ben fleinen ©ort Oer f dringen, 
So eilt, o eilt ben -äftann au3 feinem Sd)(af ju bringen! 

78 3>ic Sffiiebcrfimfr. 

Sie fommt, fte fommt jurücf, für bie td) ftetS gebrennet; 
Sdjon morgen mirb burd) fte bie ©egenb nrieber fdjöit. 
3d) tmfl big an ben Söauin, an bem luir un3 getrennet, 
$f)r fror) entgegen gefm. 
5 $oUfommen ift mein GMütf, unb ifjr' unb eure §utb, 
3^r Götter! mann fte mid) oon meitent fdjon erfennet 
2(n meiner itngebuft! 

79 SWabrigttL 

93cfürcr)te nid)t, bog bir SlriftonS £>erfc entflicht 
Unb betne 3 or Md)feit mit Unbeftanb bejafjfe. 
9J?an nrirb jtoar ungetreu, menn man bid), 3ffe, flcr)t, 
2)odj anbent nur; bod) nur jum aflerte^ten ma^e. 

80 $cr btrfjtcnbe finabe. 

glief) nidjt ben 2lmor, 
9 flarte Sdjrocfter, 
g(iel) nid)t ben 2lmor, 
Gr fliegt bid) bod). 

* (53 fief>t in ber Slntfjotogie, unb fängt an: 8i5p<is 6 



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81. 82] 



79 



3d) vodj im ©arten 5 
%n einer 9Mfe, 
3n beren (Sdjoofe 
£)er Steine fa£. 

9tfit ifjren lüften, 

$)en füfen lüften, 10 
£>ie mid) oergnügten, 
(Sog id) i(m ein. 

3dj armeS Änäbgen! 
2Ber fann mir ratzen, 
3n meinem Raupte 15 
3ft er nun §err. 

Unb biefeS £iebgen, 
2Öie er fo fteine, 
Unb biefeS £iebgen 
3ft fdjon oon i(jm! 20 



Stuf einen unglütfltdjeit Slr^t. Sl 

$)ie SBunber alter 3^it finb feine falfdje ©age: 

$)ann fie emeuren ifjren £auf, 
Unb unfer Hr^t (Srtepin tljut ifcunb atte £age, 
SBie fonft nnr ©ort getfyan, fo (Erb' ate §imme( auf. 



$er Sfmtmann. 82 

3fa einer unfrei* ^Reidfj^s^rooin^en 

2Barb auf Söefefjt be3 beften ^rinjen 

(Sin neuer Amtmann öorgefteflt. 

©leid) brachten bie @erid)t' in (Spören, 

Der atten Dbferöanj $u (Sljren, 5 

3fjm einen Söeutel tooller ©elb: 

Den er, fo balb er ifm befonunen, 

Sunt gröften (Sdjrecfen Dieter frommen, 



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80 



[83. 84 



9M)t oljne Sädjetn, angenommen. 

10 „Stjr SSorfafjr, bei* beliebte 2ttann/ 

begann hierauf ein alter -Iftetoer, 
„$err Amtmann, natjm nid)t einen Liener, 
„9tttein ben beutet naljm er an!" — — 
„SEftein 93orfafjr war e£ wot)t im Stanbe," 

15 (sprad) biefer: „(53 ift offenbar, 

„Dafc er ber gröfte 9ftann im £anbe 
„Unb oftmals uunadjafjmbar war." 



83 $cr ueratueiflcnbe Sdjäfcn 

Du reiner 53ad), ber feine Duefle fliegt 

Unb über fc^attenreidje ©rünbe 
Den frummen Sauf burd) Stee nnb 23tumen äiefjt; 
Die SRufje fud)' id) f)ier, bie id) nidjt bet) bir finbe. 
5 Dein fanft ©emurmet nätjrt mein Seib; 

Dein bunfter $anb ift mir ein SSitb ber Sraurigfeit, 

2öo id) mid) ungeftört betrübe. 
Da ftief)' id) öor ber Seit, öor mir fliegt wa3 idj liebe, 
Unb id), id) trage nod) be3 SebenS fdjwere Saft? 
io O reiner 33ad), umwirft mit ^Rofenbüfdjen, 

Der meine Dtjränen aufgefaft, 
3d) will, o 23ad), mein Sötut beinen Stetten mifdjen; 
Du folft mid) fterben feljn, ber bn mid) (eben fa^ft. 



84 Süftgtcit ber Sick. 

Die ©ötter traten, un3 $u nerfen, 
@djmerg, borgen, Äranfljeit, fanget, ©djwermutfy 
Unb alte ©attungen oon Übet 
^Bor^citen in ^ßanborenS Söüdjfe; 
5 Mein (St}tr)erc, nnfre greunbin, 

Dtjat itjren Sol)n ba$u: berfetbe 
Serfüji un§ nun bie Übet alle. 



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81 



Serenend Itnbcftaitb* 

* 3>ci*5cf)vt Don £>arm unb £iebe, 
2öarb Seladon junt Sörünngcn; 
Unb mer bei Sßrünngenä trinf'ct, 
33evgtgct ba3 ©etiebte; 
SBcrgißt fetbft feinen tarnen. 
Serenen $u oergejjen, 
2BoÜT id) be3 SörünngenS trinfeu. 
Vergebend. 2>enn fte fjatte, 
2Bei( fte fo oft im hieben 
©eroedrfelt unb getarnten, 
3>a3 Skünngen auSgetrunfcn. 

an ben $errn 51. JH. £ • • 5 M 

3>icfc t)(ütf)ent»oUc £d)a(c 
«ring id) au* be3 $inbu3 £f)ate; 
(SMer , nimm fie an! 

$ij$ id), f proben mir bic glügef, 
$on bem jmc^gefpaltnen §üge( 
^rän^e für bid) fyoten fann. 
©öttev, fanft mie bu, oon Sitten, 
^f)öbu3, «rtrobite, f an, 
^afjmen in bcraud)ten £iittcn 
(Sinen ©trauS öon Majoran 
Oft ben §änben armer Birten 
£äd)e(nb ab, unb rodjen bran. 

50ieine fünfte finb nur: reimen - 
£d)(ifce fe() id) b(oj$ in träumen; 
2&adjenb bin id) ©elabon. 
$äd)ten aber s Jicid) unb Ifnon 
ÄröfuS ober Satomon 
§cttte mir nod) einzuräumen: 

Deutsche Litteraturdenkmale. 42. 



82 



18T 



(so empfangen morgen fdjon 
20 ^einc Tugenben ben ?oljn. 

2£o bev 3Kufen Duetten fdjäumen, 
Dben auf bem §eltfon 
£iefj id), annfdjeu Lorbeerbäumen, 
Unter einen ^aoitton, 
25 Did), au£ ®o(b ejego^en fefcen, 

Hub bie 2öorte brunter äfccn: 
Unfcvm beutfdjen ©vanbifon. 



87 $u uitb Sic. 

(^atatrjea, luofjin flog fie, bie gotbne Qc\t, 

3>a bu, ofjne Vafcn uub %>\\t$, 
9lbenb3, einzig geftfjurittft mit beinen ©ra ( yen, 

3u ber gaflje* gcfdjlitfjon famft? 
grofj bei) meinem Salat, ben in Slmbrofia 

^ciue fliege ticnuanbeltcn, 
SBarfft bit bamal)(3 bid) feluft, fröfylidjer Vanne t>ol(, 

3u be3 g(ü(f(id)en SüugüugS $Irm, 
^er, betrogen fcon bir, gän^lid) ftd) bir ergab. 
iu &amaf)(3 fdjenften bie (Götter bir 

$aug unb Sdjäfce nod) nidjt; aber au tfncv Statt, 

&>a3 ein 9Jfäbd)en unfdjtifcbar mad)t: 
(Sineu (adjenben 3£ifc, fjerjtidje 3ä^(ic^fett / 

(Sine Söruft, mic btc s D?i(d) fo ivcig, 
15 Unb ^ucn klugen, oertiebt, groß uub nerfityrerifd). 

2Ber mit fotdjen entyiefenben 
s Jiei$en nnire fein Sdjalf? £>olbefter ©egenftanb 

9Ji einer Viebe, bu ruarft c3 aud)! 



* ^atl ic ift ein fdjn)ar$c3, taugeS uub weites, feibueS lud), 
rocfdjeS ba§ grauenjimmer an uieteu Orten 3. 5ö. 311 Wanutyeim 
über fid; wirft, uub bnS £aitpt unb ben größten Xfjeü beä 
ÜJeibeä, auüer ben klugen, bamit bebedt, wenn cö im .Kegligce 
^emanb befugen, ober in bie jiirö> ge^en; unteriuegeS ' aber 
bod) oon Wiemanb leidjtlid; erfaunt femi und. 



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87] 



83 



llnb id) (icbete bid), $lmor beigebe mir'3! 
3)arum, nmfyvlid)! nid)t weniger! 

liefern £eben bott £nft gteidjct tfjr jefeigeö 

9?eid) mit (Sfjren gcfrönte§ nic^t ! 
Sencr (£d)roei$er, üftabam, weifj wie ba§ <Sd)neegebirg\ 

Unb breitfdjuttrig, luie iperfufcd, 
£er, in tfjrem ^atlaft, lügenb, am £f)ore fifct, 

(Sin ftjmbolifd)c$ $i(b ber 3^ 
£d)retft mit broljenbent Söticf , jc^o bev (ädjelttben 

Amoretten nnb ®ra$ien 
?eid)te Gruppen tymueg. £d)üd)tern umflattern fie 

Seite halfen Don 3ebernf)olj 
3fjvc3 5((fou§ nid)t mefjr. SQemaWd fdjtüpften fie, 

(Sincm 8d)iuarmc uon lauben gteid), 
Cft buvd)^ Senfter fjinein; fdjer^ten unb trippelten 

Um tfjr jugcnb(id) 33ettd)en fjer. 

2£afjvttd), gnäbige Ji-au, biefe febeubigen 

^erfianifdjen £eppid)e ; 
CDiefc^ Silbergefdjirr, mandjeS "JkariteteS 

Äunfttuevf; biefe Ijellgtcinjenben 
Kabinette, roorinn Svanfreid) bie ftnifdjcn 

$ünftler alte befdjämete; 
3>iefe Letten uon $Jio()r; biefe japanifdjen 

^rmtfgefäfie, ^crbrcd)(id)c 
SSunbcr menfd)lid)er kunft; biefe bemäntelten 

£)f)rgel)änge, (^eftirnen g(eid) 
£tra(enftrcuenb bei) 9?ad)t; biefer be^aubernbc 

3taat unb §od)tnutf) jufammeu ift 
(Sittel $uf$c$ nid)t tuertf), ben bu mir GMütfüdjen 

3n ber Sugenb gegeben fjaft. 



84 [83-90 



88 aWabrigal. 

Sage, fprad) id) $u bcr $rcube, 
Sage bod): roa3 fliefjftu fo? 

«spat man bid), fo ftteljftu mieber! 
Niemals nrirb man beiner fvofy! 

5 Sie ern>iebtvte: SBcbanfc 

£>cnnodj bei) ben ©öttern btd)! 
333cnn idj olme glügel märe, 
Sie behielten mid) für ftd). 



89 Opfer für meine ftreitnbe. 

2£ann id) ein £amm, ein Ärän^djen, eine £aube 
1)en ©öttern be3 £>(tjmp$ jnm Dpfer bring', 
(Srfud) id) fie, auf meinem $nie, im Staube, 
Um 9teid)tf)um nid)t; er ift ein miftlid) 3)ing! 
5 (Stattet mir, fpred) id), toaS id) empfieng. 

3^r (enfet ja, Ünfterblidje, bie triebe 
ier $er£cn. $ld)! betoaljret big in3 ©vab, 
^eroaljret mir bie .§etften bie id) ttebe; 
Unb fdjtagt mir fonft, tuaS eudj beliebet, ab! 



90 [trtolet] 

©in aute3 Ürio(et flu mad)en, 
©eljört nid)t ju ben leid)ten Sachen. 
Vergebend bifbet bei* ftd) ein, 
(Sin gutes Triolet $u machen, 
5 $en nid)t bie gerinnen hjctyn. 

©in feiner Satnr mufj un8 lad)en, 
Unb »mor fetbft @ef)ülfe fenn, 
©in gutes Sriotet 51t madjen. 



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85 



$cr $ret* ber Sdjönfjcit 91 

3»We, bie große SWutter, 
©ab in iljrem goCbitert ,§au3 
3fmgft ben ©öttern, tyren ftinbern, 
©inen Satt unb einen Sarnaus! 

itfad) ben ernft(id)ften ©efprädjen 5 
^on Regierung biefer 2£eir, 
2Barb in großen golbnen 8dja(en 
©fißer 9feftav aufgefteöt. 

Srimfcn Rauften alle ©ötter 

9J?it belebter ^antafen 10 

Tb mein SDfäbdjen, ober 3hpri$ 

9lei$enbcr unb fdjöner feh? 

£u befamft ber edjöntyeit 2(pfe(, 

Butter Amor«, Dom Sönffan! 

9JJomu8 unb bie anbern ©öfter 1., 

trugen tyn bem TObdjen an. 



3(m feine Meinte. 02 

3*)r ©efdjenfc ber 9?atur, 

Sfofgefndjt auf 93erg unb fttur, 

$tein Don ©eift, als mie üon ?eib, 

Unf^idboorier 3eitoertreib, 

Meinte, meiner Qugcnb Kuljm, 5 

Unb mein ei^ig (Sigentfjum; 

SSon 3lpoUen ntd)t gefugt, 

5>on ben $finfen nidjt gefäugt, 

Wur an SfotorS <Seit' erbadjt, 

Mir in 3röf)lid)feit gemalt, 10 

Sanbett, fjolbe ßinberdjcn, 



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[93. »4 



gerne Don ^ebanterie, 
3mmer mit ben (^ra^ien, 
3mmcv mit bei* ^avmonie! . . 
15 2ßenn eud) ^entanb füffen will, 

O fo galtet niemafjtö füll! 
glieljct mit 93efd)eibenl)eit ! 
Sagt, bafc if)v, Doli Wicbrigfeit 
Seiner $ü&e mürbig feib! 



93 9Cu -Cfyntpcit. 

Dein Veit» ift fd)öu; noef) fdjöuer beinc Seele. 

9J?an fief)t anf bid) Dor taufenb grauen nur. 

Dein 3tfunb entwirft unb fingt, wie ^Ijilomcle; 

Unb maS bit ftngft ift Siegung unb 9iatur. 
ö A^ätteft bu am Simote 

3u ber alten $eit geleber, 

9 fo f)ätte ItmbariS 

hieben bir gebetet! 

(Sin $luf Don bir 
10 «patf ifjr 

Den Viebling abgerungen; 

Unb .pomer, geurift! 

.^ättc nur Don bir gefungen. 



n «rat>fdjrtft. 

3(mbrofiu3, ber ^rebiger, liegt fjier. 
£sn jcbe0 $inb Don Sdjönljcit fid) Derlieben, 
^erftunb ber üüiamt, fo gut, als fein Wremer. 
Die Billets-doux, in feiner Wotl) gefdjrieben, 
5 $cftellete, burd) jeglidjeS Ouarticr 

Ter ^arodjie, fein Äüfter Äaftmir; 
5In (Stnem £ag zuweilen über Sieben. 
9iur Antwort brauf ift immer ausgeblieben, 
geb' tym jfet ba$ ^arabieS bafür. 



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Ü5. 9fi] 



3ht SOIagtftcr $umm, bcr ftdj fccfrf)tocrcte 95 
baff fid) Doftcr Stumm ein Söerfrfjcit 
Siietgitc, ba£ @r bod) uerferti<|et fjafec. 

ÜMagifter 2)11111111, tf)v lärmt unb fdjmört: 

,,3d) bin fein (Sdjarletan; 

„%m SBenigftcn fo ungeteilt, 

„Daf$ id) nidjt fdjreiben famt. 

„Da3 33ud) uom s #ftro(abium, 5 

„Da§ mir bev Leiber raubt, 

„3ft unb DeiMeibt mein (Sigentfjum : 

„Unb fam au3 meinem £>aupf. 

3d) glaub e3 gern, SWogipcr Dumm, 
($3 fam aus euerm §aupf! 10 
,§ört aber ein $onfi(ium 
SDcincröcnS ! <3d)cnft3 bein Doftcr Stuiiiin 
(Sfaimnt aflem 3ti( unb £tof: 
<3o fyeifct er bet) beut ^uMifum 
©in fd)(cd)ter ^fji(ofopf)! 1.-, 

£cnridj$ bc$ lV. tf » 9flifcf)tcb tum 90 
Der frönen Gto&ncKc. 

(?(u3 feinem Sran^fifdjen.) 

Durdjboljrt öon taufenb pfeifen 
©ntreiff id) nüd) Don bir, in3 Selb. 
Die (S(n-e Ijeigt mid) eüen; 
Da mid) bie Siebe f)ä(t. 
Dod), Sl&ftfjicb bir 31t geben, 
O ötabriefle, mctdje ^ein! 
%d) fennt' id) ofyue Veben 
Unb ol)ite Viebe feun! 



j- 

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88 



i 

■ 

: 

[D7. US 



(Smpfange meine Shone, 
©eprüftcr Xapferfeit ©ctoiun: 
Wix fdjenfte fie SBefloue; 
Wein ^er^ gibt biv fte f)in ! 
©lürffeelig, lägt bein $önig 
Xa§ Veben felbft für bief) im Streit! 
3>od) eines ift ju wenig 
3üv fo x>ie( 3ävt(id)feit ! 



Stnttgebtdjt. 

$)a§ £eben, £ob! bie ^ilgrimfdjaft 
Qurdj SMfteneien üofler £>etfcn, 
drängt un3, mit eines 3trome3 Svafr, 
«$inab in bein gemeine^ Herfen . . 
3o(d) (Snbe fotl mid) nid)t crfdjrerfen. 
'4$atft ©olb in einen Söünbel ein: 
Vafjt if)u in langen glommen brennen! 
$>er £d)abe wirb unmerflid) feim. 
^Tic ©inbaUirong wirb allein; 
^od) nie ba§ ©olb verbrennen fönnen! 



SHabrigaf. 

ÜtMttft bn mid) nid)t glürflid) madjen? 
iUiid) nid)t füffen? 9Jiir nidjt ladjen? 
£prad) ber reiche s J>ad)ter ü>cit . . 
Steine greunbin $lbclf)eib 
©ab ifjm fittfam ben Söefdjeib: 
„Did) füffeu, bir $u ladjen, 
„&*aif id) nur auf ^ärttidjfeit : 
„.Sianuft bu bie nid)t fommeu madjen? 



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89 



9(n btc J-rnn tiou . . . 

$Qtt' id) eine Sttonardjie, 
^eqeti tauft' id) mir für fie. 
$tefcg ift baS rcinftc ©lüde 
Sür ein tugenbfjaft ©entütfy, 
2)aj3 e3 fid) geliebet fieljt. 
Gibt' id) ober Dorn ©efdjirfe, 
Wie $luguft unb Sbttanm 
©ar beu (Srbfreiä, gab' id) ifjit 
Xod) im elften Slugenbücfe 
Sür ein §cr$, g(eid) beinern f)in. 



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J'JL - 1 197! 



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